Abdullah Abdullah will offenbar in der Panjshir-Frage vermitteln

Taliban wolle Panjshir-Frage offenbar politisch lösen

Montag, 23. August 2021 | 12:13 Uhr

Die Taliban in Afghanistan wollen die offene Machtfrage in der noch nicht von ihnen eroberten Provinz Panjshir durch Gespräche lösen. Panjshir im Nordosten Kabuls ist die einzige Provinz, die noch nicht von den Islamisten kontrolliert wird. Man bemühe sich, das Problem mit politischen Mitteln zu lösen, erklärten die Taliban am Montag auf Twitter. Gleichzeitig hieß es, Taliban-Kämpfer aus den Nachbarprovinzen Panjshirs hätten Positionen nahe der Provinz bezogen.

Die Kämpfer stammten aus Badakhshan, Takhar und dem Bezirk Andarab in Baghlan. Weiter hieß es, in den Bezirken Puli Hisar (Pul-Hesar) und Dih Salah in der Provinz Baghlan sei jegliche feindliche Präsenz beseitigt worden. In den vergangenen Tagen hatte es Berichte von Scharmützeln örtlicher Milizen mit Taliban in der Provinz Baghlan gegeben. Am Samstag hatte der bisherige Vorsitzende des Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, Gespräche über die Zukunft der Provinz Panjshir mit Vertretern aus der Provinz abgehalten.

Später am Montag hieß es seitens der Taliban, man habe die Gruppe Nationale Widerstandsfront (NRF) im Panjshir-Tal umzingelt, suche aber das Gespräch und weniger die militärische Konfrontation. Unterstützer der NRF widersprachen in Online-Plattformen Berichten, dass die Taliban ihre Kämpfer zurückdrängen würden und erklärten, Taliban-Kämpfer seien in einen Hinterhalt geraten und aufgerieben worden. Die Angaben beider Seiten sind derzeit kaum unabhängig zu überprüfen, da die abgelegene Region schwer zugänglich ist.

NRF-Sprecher Ali Maizam Nazari hatte der Nachrichtenagentur AFP am Wochenende gesagt, dass die Kämpfer sich auf “einen langfristigen Konflikt” einstellen würden. Die Gruppe suche aber auch Verhandlungen mit den Taliban über eine Beteiligung an der Regierung. “Die Bedingung für einen Friedensschluss mit den Taliban ist Dezentralisierung, ein System, das soziale Gerechtigkeit, Gleichheit, Rechte und Freiheit für alle sichert”, sagte Nazari.

Panjshir konnte von den Taliban auch während ihrer ersten Herrschaft zwischen 1996 und 2001 nicht erobert werden. Das lag neben dem erbitterten Widerstand der Nordallianz auch an der geografischen Lage – der Eingang zum Tal ist eng und gut zu verteidigen. Während die Islamisten in den vergangenen Monaten praktisch in allen Provinzen angriffen, gab es nur vereinzelte Angriffe auf Panjshir.

Zuletzt sagten prominente Afghanen aus dem Tal, sie würden einen zweiten Widerstand gegen die Islamisten aufbauen und sprachen davon, die Taliban nicht als rechtmäßige Führer des Landes anzuerkennen. Vonseiten der Panjshiris hieß es aber auch, man wolle politische Gespräche abwarten. Taliban-Kreise sprechen von Verhandlungen, die zur Kapitulation der Panjshiris führen sollen.

Ahmad Shah Massoud, der legendäre verstorbene Führer der Nordallianz die in den 1990er-Jahren gegen die Islamisten kämpfte, stammt aus Panjshir. Abdullah Abdullah war einer seiner engsten Weggefährten.

Von: APA/dpa/AFP

Kommentare

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3 Kommentare auf "Taliban wolle Panjshir-Frage offenbar politisch lösen"


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unter uns
unter uns
Grünschnabel
25 Tage 17 h

Unglaublich, dass die USA, samt der westlichen Allianz,
nicht imstande ist/war ein paar Haschbeitl auszuschalten…😡😡

magari
magari
Grünschnabel
25 Tage 17 h

Vielleicht sind die Menschen in Afghanistan nach 40 Jahre einfach Kriegsmüde:

“In Afghanistan herrscht nicht erst seit dem Kampf gegen das Taliban-Regime 2001 Krieg. In den vergangenen 40 Jahren wurde die halbe Bevölkerung vertrieben, ein Drittel floh ins Ausland, und mehr als eine Million Menschen wurde bei Kämpfen getötet.” Quelle: http://www.planet-wissen.de

Ojehh
Ojehh
Neuling
25 Tage 6 h

Wenn jeder in seinem eigenen Grund (Leben) bzw. vor seiner Haustür kehrt dann ist die Welt in Ordnung. Sind ja nicht die Talibans ZUERST nach Amerika oder Europa gekommen, es war umgekehrt: Europäer und Amerikaner sind diejenigen die Völker und Staaten ihres Eigentums berrauben und das sind die Folgen des Luxus und der Gier. Also aufhören zu jammern

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