Die Taliban schränken Frauenrechte immer weiter ein

Taliban wollen NGO-Mitarbeiterinnen Arbeit verbieten

Sonntag, 25. Dezember 2022 | 22:08 Uhr

Als Reaktion auf ein von den Taliban gefordertes Arbeitsverbot für Frauen bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Afghanistan haben mehrere Hilfsorganisation in dem bitterarmen Land ihre Arbeit eingestellt. “Wir können Kinder, Frauen und Männer in dringender Not nicht ohne unsere weiblichen Angestellten erreichen”, teilten die Hilfsorganisationen Care, Save the Children und die Norwegische Flüchtlingshilfe am Sonntag gemeinsam mit.

Die Ankündigung der militanten Islamisten löste weltweit Sorge aus. Unter anderem der UN-Generalsekretär, die EU und die Außenminister der USA und Deutschlands verurteilten den Schritt.

Das afghanische Wirtschaftsministerium hatte am Samstag in einem Schreiben gefordert, Mitarbeiterinnen aller nationalen und internationalen NGOs bis auf Weiteres von ihrer Arbeit zu suspendieren. Grund dafür sei, dass die Frauen die Vorschriften der militant-islamistischen Taliban-Führung in Bezug auf das Tragen eines Hijabs, also eines Kopftuchs, nicht einhielten. Komme eine Organisation dieser Anordnung nicht nach, werde ihre Lizenz entzogen, hieß es in dem Schreiben.

UN-Generalsekretär António Guterres sei “zutiefst beunruhigt” über die angebliche Anordnung der Taliban, teilte sein Sprecher Stéphane Dujarric am Samstag (Ortszeit) in New York mit. “Diese Entscheidung wird die Arbeit zahlreicher Organisationen untergraben, die im ganzen Land den Schwächsten helfen, vor allem Frauen und Mädchen.” Die Vereinten Nationen und ihre Partner, einschließlich nationaler und internationaler NGOs, unterstützten derzeit mehr als 28 Millionen Afghanen, die für ihr Überleben von humanitärer Hilfe abhingen.

Die Hilfsorganisationen Care, Save the Children und die Norwegische Flüchtlingshilfe betonten, ohne Frauen hätten Millionen Afghanen seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 keine Hilfe erhalten können. “Während wir über diese Ankündigung Klarheit gewinnen, setzen wir unsere Programme aus und fordern, dass Frauen und Männer gleichermaßen weiter lebensrettende Unterstützung in Afghanistan leisten können.” Von der Forderung seien Tausende Arbeitsplätze inmitten einer enormen Wirtschaftskrise betroffen.

Eine andere NGO, das International Rescue Committee, hatte zuvor alleine bereits von mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen in dem Land gesprochen. “Unsere Mitarbeiterinnen sind entscheidend für die Auslieferung von humanitärer Hilfe in Afghanistan”, twitterte sie.

Der EU-Aupenbeauftragte Borrell erklärte, er sei entsetzt über die Entscheidung. Die Taliban müssten das Verbot unverzüglich wieder aufheben, da sie verpflichtet seien, das humanitäre Völkerrecht und die humanitären Grundsätze zu achten. “Gemeinsam mit anderen Gebern von Hilfe für das afghanische Volk wird die EU abwägen müssen, welche Folgen diese Entscheidung und die jüngste Entscheidung der Taliban, die Universitäten für Frauen zu schließen, für ihr Engagement mit unseren Ländern und Organisationen haben werden”, so Borrell.

EU-Kommissionssprecherin Nabila Massrali bezeichnete den Schritt als einen “klaren Bruch humanitärer Grundsätze”. Die EU bewerte derzeit den Einfluss, den das Verbot auf seine Hilfe für Afghanistan haben werde, schrieb sie in der Nacht zum Sonntag auf Twitter.

Auch US-Außenminister Antony Blinken äußerte sich am Samstagabend (Ortszeit) auf Twitter “zutiefst besorgt”. Dieses Verbot für Frauen werde die Versorgung mit humanitärer Hilfe in Afghanistan durcheinanderbringen. “Frauen spielen bei humanitären Hilfsaktionen weltweit eine zentrale Rolle”, so Blinken. Eine solche Entscheidung könnte verheerende Folgen für die Menschen in Afghanistan haben.

Deutschlands Außenministerin Annalena Baerbock wies die Forderung am Sonntag zurück. “Wir werden nicht akzeptieren, dass die Taliban die Humanitäre Hilfe zum Spielball ihrer Frauenverachtung machen”, twitterte die Grünen-Politikerin. “Sie rauben der Hälfte der Bevölkerung ein weiteres Grundrecht, brechen humanitäre Prinzipien und gefährden die lebenswichtige Versorgung der Menschen.” Geschlechtsbezogene Verfolgung könne auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sein. “Wir setzen uns für eine deutliche Reaktion der internationalen Gemeinschaft ein.”

Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 haben die militanten Islamisten Frauenrechte in Afghanistan massiv eingeschränkt. Viele Frauen durften nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen zurückkehren. Mädchen und Frauen sind mittlerweile vom öffentlichen Leben weitgehend ausgeschlossen. Am Dienstag haben die Taliban Frauen von allen Hochschulen verbannt. Frauen, die für ihre Rechte protestierten, wurden in der Vergangenheit immer wieder, teils auch über mehrere Wochen, festgehalten.

Von: APA/dpa

Kommentare

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18 Kommentare auf "Taliban wollen NGO-Mitarbeiterinnen Arbeit verbieten"


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brunner
brunner
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Die Taliban fordern…..die haben gar nichts zu fordern….aber unsere schlafwandelnden EU Politiker werden ihrem Wunsch sicherlich nachkommen…

magari
magari
Superredner
1 Monat 8 Tage

Hast du den Artikel überhaupt gelesen. Wenn die Taliban den Mitarbeiterinnen verbieten ohne Kopftuch ihre Arbeit auszuüben dann ist das eben so in Afghanistan. Die EU bringt Hilfsgelder zu den Ärmsten der Armen und deren Wort wirkt sich auswirken.

Hustinettenbaer
1 Monat 8 Tage

@brunner
Fanatische Dreibeiner eroberten die Macht und nahmen u.a. Kinder und Frauen in Geiselhaft.
Wenn die NGOs sich nun konsequenterweise zurückziehen, gibt es eine veritable Hungerkatastrophe.
Soll die EU völlig hilflos zusehen ?
Nein.

Neuling
1 Monat 8 Tage
Die Politiker der EU haben in dem Teil der Welt am wenigsten hingekriegt, außer sehr viele Milliarden an $$ > an die Waffenindustrie< zu versenken. Bereits in den 1970er Jahren haben die Mudschahidin, als Vorgänger der heutigen Taliban, gegen die Sowjetunion gekämpft und diese nach über 10 Jahren vertrieben. Danach haben es die Amerikaner mindestens mit Hilfe des Westens, mit eben noch sehr viel mehr Geld und vielen Toten versucht… und sind gescheitert. In Afghanistan wird, übrigens wie in Jemen, Afrika oder anderen Teilen der Welt, ein Stellvertreterkrieg der Weltmächte geführt und große Teile der örtlichen Bevölkerung leiden, während einige… Weiterlesen »
andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

@brunner
Gib uns einen Tipp 👍

Chrys
Chrys
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Die Talibans sind eben jetzt am Drücker und da tut sich wohl jeder schwer deren Willen zu brechen. Mit Sanktionen und Worten wohl eher nicht.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Hustinettenbaer@

ja!
mittlerweile haben die USA und Deutschland nicht mehr das Beduerfnis die D am Hindukusch yu verteidigen…….

wieso kommt mir da Struck in Errinerung, ach ja!

Die Kernaussage dieser Richtlinien hatte Struck bereits am 4. Dezember 2002 am Beispiel des Afghanistan-Einsatzes erläutert: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.

so ein Bloedsinn, das gilt fuer heute wie auch schon fuer damals!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 8 Tage

Italien möchte im Mittelmeer NGOs ganz verbieten. Wo liegt der Unterschied zu den Taliban?

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Des längeren frog i mi welchn Bildungsstatus du hosch, mit den Kommentar isch die Froge geklärt: gor koanen

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 6 Tage

@Holz Michl Grins … Der ist jetzt echt gut. Von dir die Frage nach dem Niveau von Bildung. Sorry, dazu bekommst du keine Antwort, jeder plamiert sich selbst am besten und deine gesammelten Kommentare sind Brweis genug…! Ausser vin deunen rechten Genossen, hast du hier ummer unf ausnahmslos auf den Deckel bekommen! Wie das? GRINS

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
1 Monat 6 Tage

@N. G. 😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂 i loch mi kaputt😂😂😂😂 du redesch von aufn Deckel bekommen, schaug dir deine bewärtungen un nor konsch dir jede Antwort sporn😂😂😂😂😂😂

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 6 Tage

@Holz Michl Ist doch toll! Du glaubst was andere Leute dir vor machen.
Da geb ich dir doch glatt ein Beispiel. Wenn man hier behauptet hat, das Covid Vurus gibt es nicht, hätte man hunderte Daumen nach oben bekommen und trotzdem waren diese Bewertungen Beweis dafür welche Idioten es sind.
Recht hat NICHT, wer die meisten Likes bekommt. Du bist wohl in Facebook aufgewachsen! GRINS

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
1 Monat 6 Tage

@N. G. Glabn tua i des wos die Fakten belegn und die sem belegn das du bei jedem Thema glabsch dor obor Experte zu sein obor komplet 0 Ahnung von gor nicht hosch und Corona zählt sem dorzua😂😂😂😂😂😂😂😂😂

Wenn jemand wia du bei jemdem Thema egal wos ondoror Meinung und komplett koane zuastimmung hot tat mir echt Sorgn mochn😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂

traktor
traktor
Kinig
1 Monat 7 Tage

0 ,cent meines steuergelders soll nach afganistan geschickt werden!!!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 7 Tage

Dann ist ja gut, dass du über deine Steuern nicht verfügen kannst. Ist genug wenn du sie bezahlen musst. Grins

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

gibt es ueberhaupt ein MUSEL Land, wo es gleiche Rechte fuer Frauen gibt wie fuer Maenner?????

Amadeus
Amadeus
Tratscher
1 Monat 8 Tage

Es gibt ein afghanische Wirtschaftsministerium ??? Wozu denn ?Nach über 20 Jahren Krieg in Afganistan glaube ich nicht, daß es da etwas zu wirtschaften gibt. Genau so wie “normale” Menschen lebt doch auch die afghanische pseudo Militärregierung mit ihren Helfershelfern von den Hilfsgeldern vieler Staaten. Afghanistan gehört zum letzten Dutzend der ärmsten Ländern der Erde. 
Armes erbarmungswürdiges geknechtetes Volk.

traktor
traktor
Kinig
1 Monat 8 Tage

bei den taliban würde ich verstehen wenn diese in grund und boden gebomt würden, aber unschuldige in der ukraine….

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