Lautstarker Protest begleitete den Ball

Tausende Teilnehmer bei Protesten gegen den Akademikerball

Freitag, 26. Januar 2018 | 23:14 Uhr

Der von der FPÖ ausgerichtete Akademikerball in der Wiener Hofburg hat am Freitagabend tausende Demonstranten zum Gang auf die Straße bewogen. Laut vorläufigen Zählungen der Polizei waren die Kundgebungen, die am Abend noch in Gang waren, rund 8.000 Teilnehmer stark. In der Hofburg gaben sich unterdessen die FPÖ-Granden ein Stelldichein, unter ihnen auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

Der ehemalige Ball des Wiener Korporationsrings, der seit 2013 von der Wiener FPÖ ausgerichtet wird, sorgte heuer wegen der FPÖ-Regierungsbeteiligung bereits im Vorfeld für reges mediales Interesse. Befürchtungen, der Regierungseintritt der Freiheitlichen könnte auch gewaltbereite Demonstranten auf den Plan rufen, erwiesen sich vorerst als unbegründet.

Bei den Kundgebungen kam es – abgesehen von einigen gezündeten Feuerwerksraketen – bisher zu keinen Zwischenfällen, wie die Leiterin der Pressestelle der Polizei Wien, Daniela Tunst, nach 20.00 Uhr gegenüber der APA sagte. Die Exekutive war mit einem 2.870 Beamte starken Großaufgebot in der Wiener Innenstadt aufgefahren.

Die Gegner des Balles, der Kritikern als internationales Vernetzungstreffen Rechtsextremer gilt, fanden sich am Nachmittag und frühen Abend an mehreren Sammelpunkten zusammen. Ein kleiner Protestzug vereinigte sich gegen 17.00 Uhr mit der groß angelegten Demonstration des Bündnisses “Offensive gegen Rechts” vor der Universität Wien am Schottentor. Von dort zog die stetig wachsende Teilnehmerschar über die Ringstraße und die “Zweierlinie” beim Museumsquartier bis zum Girardipark beim Karlsplatz, wo rund um 19.30 Uhr eine erste Abschlusskundgebung stattfand.

Danach führte ein weiterer Protestzug vom Girardipark auf nahezu identer Route zurück bis hinter das Burgtheater zu einer der Standkundgebung. Die Veranstalter riefen die Demonstranten aber auch dazu auf, beim Girardipark zu bleiben, um dort die Zufahrt zur Hofburg zu blockieren.

Zu Spitzenzeiten zählte die Polizei rund 8.000 Demo-Teilnehmer, später sank die Zahl laut Behördenangaben auf rund 2.500. Die “Offensive gegen Rechts” sprach von rund 10.000 Demonstranten und zeigte sich von der Beteiligung begeistert. Sie kündigte bereits weitere Protest-Aktionen gegen die schwarz-blaue Regierung an.

In der Hofburg trafen am Abend unterdessen die Gäste ein, darunter auch zahlreiche FPÖ-Spitzenpolitiker. Parteichef Heinz-Christian Strache kam mit seiner Frau Philippa. Der Vizekanzler nutzte den diesjährigen Ball auch dazu, um klar gegen Antisemitismus Stellung zu beziehen, wie er im Vorfeld angekündigt hatte.

Strache verurteilte bei seiner Rede den Antisemitismus in den eigenen Reihen scharf. Das freiheitliche Lager habe seit jeher totalitäre Systeme bekämpft: “Das ist unser Verständnis. Und wer dieses Verständnis nicht trägt, der ist bei uns nicht willkommen”, sagte er vor den rund 3.000 Ballgästen.

Auch die Demonstrationen gegen den Ball – solange diese friedlich verliefen – seien kein Grund, in die Opferrolle zu verfallen, betonte Strache. “Wir sind keine Opfer, wir sind keine Täter”, meinte er. Darum sei es umso wichtiger, Stellung zu beziehen. “Wir haben eine klare Position: Antisemitismus, Totalitarismus, Rassismus, das ist ein Widerspruch zum burschenschafterlichen Gedanken”, betonte er.

Gerade das Gedenkjahr 2018 ist für Strache ein willkommener Anlass, die Geschichte des freiheitlichen Lagers durch Historiker aufzuarbeiten – manche Anschuldigungen seien auch berechtigt. Dennoch seien manche Diffamierungen “unredlich”, spielte er auch auf die Demonstrationen gegen den Ball und manche Medienberichte an. Strache: “Wir sind Demokraten in jeder Hinsicht.”

Eine Rolle für diese Rede spielen dürfte wohl auch die Causa des niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer, der im Zusammenhang mit antisemitischen und rassistischen Liederbüchern seiner Burschenschaft Germania derzeit unter scharfer Kritik steht. “Wir singen dem Udo ein Lied. Udo du Arschloch”, skandierten dann auch die Demonstranten.

Über eine “Rekordzahl” an Gästen freute sich Ballorganisator Udo Guggenbichler und appellierte an die Medien, “uns so zu nehmen, wie wir sind: Wir veranstalten einen Ball und sonst nichts hier”. Zu den Protesten gegen die Veranstaltung meinte er abermals: “Wir unterstützen das Demonstrationsrecht, aber wir lehnen Gewalt ab.”

Die eigentliche Festrede hatte zuvor der Rechtswissenschafter Christian Neschwara von der Universität Wien gehalten. Auch er bezog sich auf das Gedenkjahr, vor allem auf die bürgerliche Revolution 1848 und 1918 mit der Republiksgründung. Aber auch den “Anschluss” 1938 erwähnte Neschwara – dieser habe schließlich zur “Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes” geführt.

Am Ball gesichtet wurden neben Strache u.a. auch FPÖ-Generalsekretärin Marlene Svazek, der Nationalratsabgeordnete Maximilian Krauss und Burgenlands Landeshauptmannstellvertreter Johann Tschürtz. Der geschäftsführende Obmann des FPÖ-Nationalratklubs, Johann Gudenus, fand sich ebenfalls in der Hofburg ein – wie auch der ehemalige Dritte Nationalratspräsident Martin Graf und der frühere FP-Vizekanzler Herbert Haupt. Ihr Kommen angekündigt hatte auch die Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller.

Insgesamt rechnete Organisator Udo Guggenbichler mit rund 2.500 Ballgästen. Für die Festrede war Universitätsprofessor Christian Neschwara vom Juridicum Wien vorgesehen. Am Eingang wurden die Besucher darauf aufmerksam gemacht, dass Fotos, Ton- und Videoaufnahmen nur mit Genehmigung des Veranstalters erlaubt sind.

Die Proteste sowie die von der Polizei kurz nach 17.00 Uhr eingerichtete weitläufige Sperrzone rund um die Hofburg führten zu umfangreichen Verkehrsbehinderungen. So waren etwa Teile der Ringstraße gesperrt. Betroffen waren auch der Bereich Augartenstraße und Augartenbrücke sowie die Zweierlinie, die Burg- und Neustiftgasse. Auch im Raum Schwarzenbergplatz, dem Karlsplatz sowie auf einzelnen Straßenzügen in Brigittenau und der Leopoldstadt war mit Behinderungen zu rechnen. Das Verkehrsaufkommen war allerdings gering, hieß es seitens der Polizei, die bereits im Vorfeld geraten hatte, die Innenstadt weiträumig zu umfahren.

Gegen 21.30 Uhr ging dann die Demo ruhig zu Ende. Es habe lediglich “einzelne Identitätsfeststellungen”, aber keine Zwischenfälle oder Festnahmen gegeben, sagte Polizeisprecherin Michaela Rossmann zur APA.

Die teils umfangreichen Straßensperren rund um den Veranstaltungsort wurden zum Teil wieder aufgehoben. Lediglich die Sperrzone rund um die Hofburg blieb weiterhin aufrecht. Der Ring ist damit weiterhin zwischen Schwarzenbergplatz und Bellariastraße gesperrt.

Von: apa