Sicherheitskräfte töteten alle Angreifer im Parlament

Terror in Teheran: Anschläge auf Parlament und Mausoleum

Mittwoch, 07. Juni 2017 | 20:22 Uhr

Die Anschlagsserie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Fastenmonat Ramadan reißt nicht ab. Zwei Terrorattacken, bei denen mindestens 18 Menschen starben, erschütterten am Mittwoch die iranische Hauptstadt Teheran. Insgesamt stürmten sechs Terroristen das Parlament und das Mausoleum des verstorbenen Revolutionsführers Ruhollah Khomeini im Herzen Teherans.

Zwei Angreifer waren Selbstmordattentäter, die sich in die Luft sprengten, die übrigen vier wurden erschossen. Zudem kamen mindestens zwölf Wächter und Zivilisten ums Leben. Mehr als 40 Menschen wurden verletzt.

Der IS reklamierte die Tat für sich, wie die auf jihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group unter Berufung auf das IS-Sprachrohr Amaq meldete. Nach Bagdad, Kabul und London ist die Doppelattacke in Teheran bereits der vierte große Anschlag seit Beginn des Ramadans, zu dem sich der IS bekannt hat.

Schon im März hatte es Aufrufe des IS gegeben, den Iran anzugreifen. Eigentlich soll der Fastenmonat eine Zeit des Friedens sein. Jihadisten wie der IS rufen ihre Anhänger in dieser Zeit hingegen ausdrücklich zum Kampf und zu Anschlägen auf.

Nach Angaben des Innenministeriums hatten sich vier Männer als Frauen verkleidet Zugang zum Parlament verschafft. Drei wurden erschossen, einer sprengte sich in die Luft. Auch im Mausoleum des verstorbenen Revolutionsführers Ruhollah Khomeini in Südteheran gab es einen Selbstmordattentäter, ein Angreifer wurde dort erschossen.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani verurteilte die Anschläge scharf. “Dieser blinde und feige Anschlag von terroristischen Söldnern wird den Kampf Irans gegen die Terroristen nur weiter stärken”, fügte er hinzu. Nach den Anschlägen in Teheran habe der Iran die gleiche Botschaft wie bei vorherigen Terrorangriffen. Eine regionale und globale Zusammenarbeit sei derzeit die wichtigste Notwendigkeit, um den Terrorismus effektiv zu bekämpfen, sagte Rouhani. Ohne den Erzfeind Saudi-Arabien bei Namen zu nennen, warf er “einigen Ländern” der Region vor, mit ihrer Politik islamische Extremisten zu unterstützen.

“Das war wieder ein feiger Angriff und ein nutzloser Versuch, uns einzuschüchtern”, sagte Parlamentspräsident Ali Larijani. Der Iran werde Terroristen weiterhin konsequent bekämpfen und alle ihre Terrorzellen im Iran zerstören.

Die iranischen Revolutionsgarden warfen den USA und Saudi-Arabien eine Verwicklung in den Doppelanschlag in Teheran vor. Dass US-Präsident Donald Trump kurz zuvor “eine der reaktionärsten Regierungen in der Region” besucht habe, sei “sehr bedeutungsvoll” und “zeige, dass sie in diese grausame Aktion verwickelt” seien, erklärte die Eliteeinheit am Mittwoch mit Blick auf Trumps Besuch in Riad.

Das US-Außenministerium verurteilte die Anschläge von Teheran. “Wir drücken den Opfern und ihren Familien unser Beileid aus, und wir senden dem iranischen Volk unsere Gedanken und Gebete”, heißt es in einer kurzen Mitteilung. “Die Verdorbenheit des Terrorismus hat keinen Platz in einer friedlichen, zivilisierten Welt.” Die USA haben unter Trump ihren Kurs gegenüber dem Iran deutlich verschärft.

Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel nannte die Attentäter “gewissenlose Verbrecher”. “Wo der Terror keine Grenzen kennt, dürfen sich Mitgefühl und Menschlichkeit keine Schranken auferlegen”, hieß es in einer in Berlin veröffentlichten Erklärung.

Die sunnitische Extremistenmiliz IS drohte mit weiteren Attentaten in dem schiitischen Land. Das “Kalifat wird keine Gelegenheit auslassen, ihr Blut zu vergießen”, bis das islamische Recht der Sharia eingeführt sei, erklärte der IS am Mittwoch. Die Miliz bekannte sich abermals zu den beiden zeitgleich verübten Anschlägen.

Für die sunnitische IS-Terrormiliz ist der schiitische Iran ein Erzfeind. Vom Iran gesponserte Milizen sind sowohl in Syrien als auch im Irak im Einsatz. Teheran ist ein treuer Unterstützer des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Der Iran hatte stets betont, das sicherste Land im Nahen Osten zu sein.

Die Situation in der Region ist derzeit ohnehin spannungsgeladen: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Ägypten und der Jemen brachen am Montag alle diplomatischen Kontakte zu Katar ab. Mauretanien zog am Dienstag nach, auch Jordanien fuhr seine diplomatischen Beziehungen zurück. Katars Nachbarländer schlossen zudem die Grenzen. Die arabischen Staaten beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den IS zu unterstützen. Gleichzeitig stoßen sie sich an den angeblich guten Beziehungen Katars zum Iran. Das sunnitische Königreich Saudi-Arabien sieht in Teheran einen Erzrivalen in der Region. Der Iran hat Katar Hilfe angeboten.

Von: APA/ag.

Kommentare

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2 Kommentare auf "Terror in Teheran: Anschläge auf Parlament und Mausoleum"


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zombie1969
zombie1969
Superredner
20 Tage 23 h
Man kann sich trotz der Toten einer gewissen Ironie nicht erwehren. Der Iran ist neben KSA und Katar einer der grössten Unterstützer des islamistischen Terrorismus. Erst vor einer Woche hat der Iran zugesagt, die Hamas wieder zu unterstützen. Diese Regierung sät, was sein Volk ernten darf. Es ist Teil des Problems anstelle der Lösung. Das ändert sich auch nicht daran, dass die jeweiligen Terrororganisationen, die der Iran unterstützt, andere sind, also eher schiitisch oder Muslimbrüder, oder vielleicht sogar etwas weniger radikal sind als Al-Kaida oder der Daesh (IS). Islamismus ist Islamismus, egal, ob schiitisch oder sunnitisch, ob nur gegen Israel… Weiterlesen »
enkedu
enkedu
Universalgelehrter
20 Tage 17 h

Mah… jedenfalls ist mit wurst, solange sich sunniten und schiiten bekämpfen.

wir sollten uns raushalten, sie draussenlassen aus der Eu und unsere ruhe haben.

die Amis sind unter allen letzten präsidenten nur kopflose weltzündler.

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