Großeinsatz der Polizei in Chemnitz

Terroralarm in Chemnitz – Verdächtiger Syrer flüchtig

Samstag, 08. Oktober 2016 | 20:33 Uhr

Bei einer Anti-Terror-Razzia in Chemnitz im ostdeutschen Bundesland Sachsen hat die Polizei in der Wohnung eines mutmaßlichen Islamisten Hunderte Gramm hochexplosiven Sprengstoff gefunden. Der Mieter und mutmaßliche Bombenbauer, ein 22-jähriger Syrer, war am Samstag auf der Flucht. Das Landeskriminalamt (LKA) schrieb Jaber al-Bakr deutschlandweit zur Fahndung aus.

Drei syrische Bekannte des Mannes wurden als mögliche Komplizen in Chemnitz festgenommen. Sicherheitskreise berichteten der Deutschen Presse-Agentur, es gebe eine Spur zur Terrororganisation “Islamischer Staat” (IS).

Über mögliche Anschlagsziele wurde zunächst nicht bekannt. Der Hinweis auf den Syrer kam vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Weder der Geheimdienst noch die Polizei wollten sich zu einem “Focus”-Bericht äußern, wonach ein deutscher Flughafen angegriffen werden sollte.

Die Wohnung des Hauptverdächtigen liegt in einem Plattenbauviertel im Südwesten der Stadt, im Fritz-Heckert-Wohngebiet. Spezialkräfte der Polizei sprengten gegen 13.00 Uhr die Tür der Wohnung, der Gesuchte war aber nicht darin. In der Wohnung wurde der Sprengstoff entdeckt.

Die seit dem Morgen geltende Sperrung in der Plattenbausiedlung sollte bis zu einer abschließenden Kontrolle noch aufrechterhalten werden. Die meisten der rund 100 Bewohner, die tagsüber in Sicherheit gebracht worden waren, könnten in der Nacht in ihre Wohnungen zurück, sagte ein LKA-Sprecher. Nur das Haus mit der verdächtigen Wohnung bleibe weiter gesperrt.

Unterdessen wurde der entdeckte Sprengstoff bereits entschärft und vernichtet. Das hochexplosive Material wurde am Samstagabend nach Polizeiangaben in einer eigens ausgehobenen Erdgrube von Spezialisten gesprengt und verbrannt. Eine heftige Druckwelle war noch in größerer Entfernung zu spüren. “Es gab keine Verletzten und keine Schäden”, so der Sprecher.

Im Zuge der Anti-Terror-Ermittlungen musste die Polizei in Chemnitz auch den Hauptbahnhof teilweise sperren. Ein Spezialroboter untersuchte dort auf einem Bahnsteig einen roten Koffer, den zwei der festgenommenen Verdächtigen dort bei sich trugen.

LKA-Sprecher Tom Bernhardt warnte vor dem flüchtigen 22-jährigen Syrer. “Wir wollen ihn so schnell wie möglich finden.” Noch sei unklar, ob er als Flüchtling nach Deutschland gekommen sei. Die Polizei Sachsen schrieb nachmittags nach stundenlanger vergeblicher Suche: “Die Fahndung nach dem Tatverdächtigen läuft. Derzeit wissen wir aber nicht, wo er sich befindet und was er bei sich trägt. Seid vorsichtig.”

Nach dem Terroralarm in Chemnitz erhöhten die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Berlin-Schönefeld. Man habe die Einsatzkräfte dort verstärkt, sagte der Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums, Torsten Herbst. Ein Einsatzzug der Bereitschaftspolizei bestehend aus 30 Beamten führe am Terminal Sichtkontrollen durch, Autos und Busse würden angehalten und kontrolliert, ob sich der gesuchte Verdächtige aus Chemnitz darin befinde. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, betonte Herbst.

Von: APA/dpa

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