Hausdurchsuchungen fanden u.a. in Schleswig-Holstein statt

Terrorverdächtige in Deutschland verhaftet

Mittwoch, 30. Januar 2019 | 14:27 Uhr

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Erkenntnissen erneut einen islamistisch motivierten Terroranschlag vereitelt. Wie Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwoch mitteilten, wurden nach wochenlangen Ermittlungen in Schleswig-Holstein zwei Verdächtige und ein mutmaßlicher Helfer festgenommen.

Die aus dem Irak stammenden Männer experimentierten demnach mit Schwarzpulver aus Silvesterböllern für eine Bombe, erwogen aber auch einen Anschlag mit Schusswaffe oder Auto. Nach Angaben einer Sprecherin der Bundesanwaltschaft waren die 23- bis 36-Jährigen “fest” zu einem Attentat entschlossen, hatten aber noch nicht mit genauen Planungen begonnen. Über Zeit und Ort hätten sie sich nach jetzigem Ermittlungsstand noch “keine abschließenden Gedanken gemacht”, erläuterte die Sprecherin in Karlsruhe vor Journalisten.

Spezialkräfte von Bundespolizei und Bundeskriminalamt (BKA) nahmen die Männer am Mittwoch in der Früh im Kreis Dithmarschen im Westen Schleswig-Holsteins fest. Außerdem durchsuchten Einsatzkräfte Wohnungen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg.

Nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch war es das siebente Mal seit dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz Ende 2016, dass Ermittler ein islamistisches Attentat in Deutschland vereitelten. Die Verdächtigen hätten selbst das Ziel ausgegeben, “möglichst viele Menschen” zu töten, sagte er in Berlin.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft hatten sich die 23-jährigen Hauptverdächtigen Shahin F. und Hersh F. Ende vergangenen Jahres zu einem Attentat entschlossen. Spätestens Anfang Dezember verschaffte sich einer von beiden im Internet Anleitungen für den Bombenbau und bestellte über eine “Kontaktperson” in Großbritannien eine Zündvorrichtung, deren Auslieferung die dortigen Sicherheitsbehörden aber stoppten.

Ende Dezember unternahmen die Männer demnach erste Sprengversuche mit 250 Gramm Schwarzpulver aus Silvesterböllern. Zudem überlegten sie, bei ihrem Anschlag eine Schusswaffe einzusetzen. Diese sollte der 36 Jahre alte mutmaßliche Helfer besorgen. Der Mann verhandelte laut Bundesanwaltschaft mit einem weiteren Verdächtigen über den Kauf einer Pistole, diese war den zwei Hauptbeschuldigten mit einem Preis von 1.200 bis 1.500 Euro letztlich allerdings zu teurer.

Wie die Ermittler weiter mitteilten, erwogen die Hauptverdächtigen auch den Einsatz eines Autos. Ein Mann habe deshalb Fahrstunden genommen. Laut der Sprecherin der Bundesanwaltschaft fanden sich auch “Bezüge” zur Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Dies sei allerdings nicht gleichbedeutend mit einer etwaigen Mitgliedschaft oder einem direkten Auftrag durch die Organisation.

Den zwei Hauptbeschuldigten werden die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat sowie Verstöße gegen das Waffen- und das Sprengstoffgesetz vorgeworfen. Der mutmaßliche Helfer steht im Verdacht, Beihilfe geleistet zu haben.

Den Angaben zufolge lösten Hinweise des Bundesamts für Verfassungsschutz Anfang Dezember die Ermittlungen gegen die Männer aus. Spezialeinheiten der Polizei hätten die Männer wochenlang teils rund um die Uhr observiert und deren Kommunikation verfolgt, sagte BKA-Chef Münch. Auch die europäische Polizeibehörde Europol sei beteiligt gewesen.

Innenminister Horst Seehofer betonte, der Fall demonstriere die weiterhin hohe Gefährdung in Deutschland. Die Vorgänge zeigten, dass “wir weiterhin sehr wachsam sein müssen”, sagte er in Berlin. Nach wie vor gelte daher “die höchste Sicherheitsstufe”. Münch betonte, die Gefahr islamistischer Anschläge werde nach Einschätzung der Behörden auch “mittelfristig” nicht nachlassen.

Von: APA/dpa/ag.