Merkel und Erdogan lieferten sich einen Schlagabtausch

“Tiefgreifende Differenzen” zwischen Deutschland und Türkei

Freitag, 28. September 2018 | 22:58 Uhr

Trotz Schritten zu einer Wiederannäherung bleiben die deutsch-türkischen Beziehungen in der Krise. Beim Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Berlin pochten Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag auf Pressefreiheit und Menschenrechte. Merkel sprach von weiterhin “tiefgreifenden Differenzen”. Erdogan wies die Vorwürfe wütend zurück.

“Ich sorge mich als Präsident dieses Landes um deutsche Staatsangehörige, die aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert sind”, sagte Steinmeier am Abend beim Staatsbankett für den türkischen Präsidenten. Erdogan wich von seinem Redemanuskript ab und wurde emotional. Er forderte Respekt für die türkische Justiz und damit für das Auslieferungsersuchen für den in der Türkei verurteilten Journalisten Can Dündar. Dieser habe es geschafft, “eine Lücke auszunutzen, um abzuhauen und in Deutschland Schutz zu suchen”, kritisierte der Präsident die Weigerung Berlins, Dündar an die türkische Justiz zu überstellen. Dann drehte Erdogan den Spieß um. “Hunderte, Tausende” von Terroristen liefen in Deutschland frei herum. “Sollen wir darüber etwa nicht sprechen? Sollen wir dazu nichts sagen?”

Wegen Sicherheitsbedenken untersagte die Stadt Köln kurzfristig eine für Samstag geplante Großveranstaltung von Erdogan-Anhängern zur Eröffnung einer Moschee. Nun sollen nur geladene Gäste in die Ditib-Zentralmoschee kommen dürfen. In Berlin demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen Erdogan und dessen Politik. Der Protest stand unter dem Motto: “Erdogan not welcome”. Die Teilnehmer waren vor allem deutscher, türkischer und kurdischer Herkunft.

Politisch besonders umstritten blieben der Fall Dündar und die Lage zahlreicher politischer Gefangener in der Türkei. Erdogan bestand bei einer Pressekonferenz mit Merkel auf der Auslieferung Dündars. “Das ist unser natürliches Recht”, sagte der Staatschef. Dündar sei ein “Agent”, der “Geheimnisse des Staates preisgegeben” habe. Für den türkischen Staat sei er ein “Verbrecher” und dafür zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Der frühere Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung “Cumhuriyet” war wegen eines Artikels zu Waffenlieferungen des türkischen Geheimdiensts nach Syrien verurteilt worden und lebt in Deutschland im Exil.

Sein Fall drohte sich zu einem Eklat auszuwachsen, weil Dündar zunächst an der Pressekonferenz Merkels und Erdogans teilnehmen und dem Präsidenten kritische Fragen stellen wollte. Er verzichtete aber auf die Teilnahme, nachdem es aus der Erdogan-Delegation Drohungen gab, die Pressekonferenz platzen zu lassen.

Allerdings kam es dort dann zu einem Zwischenfall: Der Journalist Ertugrul Yigit, der ein T-Shirt mit der Aufschrift “Gazetecilere Özgürlük – Freiheit für Journalisten in der Türkei” trug, wurde von Sicherheitsleuten hinausgeführt.

Die türkische Regierung hatte bereits vor Erdogans Besuch in Deutschland die Auslieferung unter anderem von Dündar gefordert, wie die regierungsnahe Zeitung “Yeni Asir” berichtete. Dazu sei eine “Terrorliste” mit 69 Namen übergeben worden.

Erdogan forderte von Deutschland einen entschlosseneren Kampf gegen den Terrorismus. In Deutschland hielten sich “Tausende Mitglieder der PKK-Terrororganisation” auf. Zudem seien “Hunderte” Anhänger der Gülen-Bewegung in Deutschland. Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich.

Beide Seiten betonten aber auch gemeinsame Interessen. “Wir haben vieles, was uns eint”, sagte Merkel und nannte die Partnerschaft in der NATO, Fragen der Migration und den Kampf gegen Terrorismus. Die Türkei leiste “Herausragendes”, indem sie mehr als drei Millionen Flüchtlinge aus Syrien beherberge. Zur Lage in dem Bürgerkriegsland kündigte die Kanzlerin ein Vierertreffen mit den Präsidenten Frankreichs, Russlands und der Türkei noch für Oktober an.

Der türkische Präsident warb für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland. Zugleich forderte er “Respekt” für die türkische Justiz. “Weder habe ich das Recht, das Rechtssystem Deutschlands oder seine Gerichte zu kritisieren, noch haben Sie das Recht, das türkische Rechtswesen zu kritisieren. Denn die Justiz ist unabhängig, und ihre Urteile gilt es zu respektieren”, sagte er.

Beim Staatsbankett würdigte er die deutsch-türkischen Beziehungen und bezeichnete bestehende Differenzen als überwindbar. “Es gibt kein Problem, das sich der türkisch-deutschen Freundschaft und den gemeinsamen Interessen in den Weg stellen könnte”, sagte Erdogan.

Das Verhältnis beider Länder war nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor zwei Jahren an einen Tiefpunkt gekommen – unter anderem wegen der Verhaftung deutscher Staatsbürger. Erdogan ist aber um Entspannung bemüht, nachdem er sich mit US-Präsident Donald Trump angelegt hatte und die Türkei unter wirtschaftlichen Druck geraten ist.

Erdogan traf am Freitag mehr als 20 deutsche Wirtschaftsbosse. Das Thema steht auch bei einem zweiten Treffen mit Merkel am Samstagvormittag im Mittelpunkt. Danach reist der Präsident zur Eröffnung der Moschee nach Köln weiter.

Die dort geplante Außenveranstaltung darf nach Angaben der Stadt nicht stattfinden. Es sei kein ausreichendes Sicherheitskonzept seitens der Türkisch-Islamischen Union Ditib vorgelegt worden, sagte die Kölner Bürgermeisterin Henriette Reker. Die Eröffnungszeremonie mit Erdogan darf damit nur mit geladenen Gästen stattfinden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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38 Kommentare auf "“Tiefgreifende Differenzen” zwischen Deutschland und Türkei"


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Sag mal
Sag mal
Kinig
20 Tage 4 h

Deutschland, was ist nur aus Dir geworden??😪

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
20 Tage 19 Min

@sag mal….Ein politisches Sklavenland !

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 21 h

@Blitz einmal ist aber genug.Diese Wiedergutmachung in der ganzen Welt und von wegen Erbe.Was hätte da Russland wieder gut zu machen!!!!

Staenkerer
19 Tage 21 h

noch außen hui,
im konzleromt pfui!

lenzibus
lenzibus
Tratscher
19 Tage 20 h

@Staenkerer wie in Italien!😂

hoglsturm
hoglsturm
Tratscher
19 Tage 11 h

@Sag mal amerika warscheinlich nich mehr

Spamblocker
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Grünschnabel
19 Tage 7 h

Die So geliebte Merkel hat es Ruiniert!!

Martinus
Martinus
Grünschnabel
19 Tage 6 h

Was aus Deutschland geworden ist?
Ist mir scheissegal,weil es sowieso nicht mein Land ist!

OrB
OrB
Universalgelehrter
20 Tage 55 Min

Deutschland, mittlerweile wohl mit Abstand der dämlichste Staat Europas.
Danke an Frau Merkel!

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 21 h

wer hatt Diese Frau beraten oder stammt das alles von Ihr?! Abwählen.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
19 Tage 19 h

@Sag mal

Die müssen wir noch eine Weile haben. Ich glaube, die will uns ärgern.

Staenkerer
19 Tage 18 h

ober von de wos kemmen heart man decht ollm, ” bei uns ist es besser. .. billiger …. schöner …” allso welln se es jo, so wie es laft!

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 7 h

@Staenkerer istWohl noch nie in D gewesen????

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 7 h

@Staenkerer Da die m.ausFlachland od.Grosstadt kommen gefallen Ihnen die Berge.A….ber hier leben .🤔😏😏

Martinus
Martinus
Grünschnabel
19 Tage 6 h

@Staenkerer
Wie recht du hast👍

zockl
zockl
Superredner
20 Tage 4 h

der Herr Steinmeier hofiert einen brutalen Diktator – Merkel gibt Küsschen an ihren Migrationshelfer

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 8 h

Gehts noch?!!!!!Mit so Einem ist nicht zu verhandeln u schon gar nicht ein zu laden . Raten Sie den Deutschen nicht in die Türkei zu reisen ,Herr Steinmeier u.ko.Journalisten Die man dort gefangen nimmt Sind dann selber schuld .Ihr habt DAS nicht nötig für Alle unfähigen,respektlosen Ländern Geld und Kopf hin zu halten .

luis p
luis p
Grünschnabel
20 Tage 1 h

die kriechen diesem Diktator alle hinten rein.. nur noch zum Lachen

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 7 h

Er braucht Sie und nicht umgekehrt.

m69
m69
Universalgelehrter
19 Tage 5 h

@Sag mal 

sagen wir mal so, 
die 2 brauchen sich gegenseitg, 
sie können ohne einander nicht mehr….

Mistermah
Mistermah
Kinig
19 Tage 22 h

Warum klagt man die Pressefreiheit in der Türkei an, wenn die eigene nicht besser ist 😂

ivo815
ivo815
Kinig
19 Tage 7 h

Woher kommt deine Einschätzung? Hat man dir Sputnik und Russia Today abgedreht?

m69
m69
Universalgelehrter
19 Tage 5 h

@ivo815 

wir wissen jetzt, der ivo ist neuer Russland bzw., Russia Today Experte geworden, einfach so, über Nacht! 😉

gapra
gapra
Universalgelehrter
19 Tage 5 h

@m69 Das kann Ihnen nicht passieren, dass Sie mal über Nacht zum Experten werden. Da arbeiten Sie zwar dran, aber…..

Mistermah
Mistermah
Kinig
19 Tage 1 h

@ivo
Allein das du das schon erwähnst, bedeutet wie viel du von Pressefreiheit hälst. Und nur so nebenbei, was ist falsch daran wenn ich mich aus mehreren Quellen informiere? Es sind auch welche sus den arabischen Raum dabei. Diese mein lieber lassen den Westen ganz anders aussehen, da sind deine oben zitierten noch sehr höflich und objektiv. Meist im Ergebnis eine Mittelweg zwischen westen und islamischer Welt.

denkbar
denkbar
Kinig
19 Tage 23 h

Die türkische Wirtschaft steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Trump hat Erdogan auch gegen sich aufgebracht, der prompt schmerzhafte Zölle gegen Ankara verhängte. Erdogans Willkürherrschaft hat Investoren, auch aus Deutschland, abgeschreckt. Deswegen kommt Erdogan nun als Bittsteller nach Berlin und kann das Provozieren doch nicht lassen. Aber gleichzeitig mit Trump und mit Europa zu streiten, kann sich Erdogan schlicht nicht leisten.

Eppendorf
Eppendorf
Universalgelehrter
19 Tage 18 h

Siemens spekuliert auf einen Milliardendeal mit der türkischen Bahn und Merkel leistet Schützenhilfe.
Nebenbei darf der Flüchtlingsdeal nicht kippen, da Erdogan dann 3 Millionen Leute aus dem Land werfen würde.

ivo815
ivo815
Kinig
19 Tage 7 h

@Eppendorf sind mittlerweilen knapp 4 Mio

m69
m69
Universalgelehrter
19 Tage 5 h

@ivo815 

der ivo ist immer an vordester Front dabei…..

puschtro
puschtro
Grünschnabel
19 Tage 22 h

In Deutschland ist man schon nur ein Brauner, wenn man das Wort “Obergrenze” sagt…aber diesen Kerl einladen. Die deutsche Regierung ist ja schon seit langer Zeit nicht mehr ernst zunehmen. Sieht man ja auch bei den Grenzkrontellen in Kufstein zum Beispiel.

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
20 Tage 21 Min

Zu Widerlich isch der deut Regierungspartei; wohl äberhaupt nix ! Ob mit der unglaubwürding Merkel-Seehofer-Nahles,Tragödie !

Aurelius
Aurelius
Superredner
19 Tage 19 h

Erdogan ist ein Diktator auf schlimmste Art

hoglsturm
hoglsturm
Tratscher
19 Tage 11 h

und merkel will diktator werden.fast geschaft

Mistermah
Mistermah
Kinig
19 Tage 1 h

Ich sehe auch wenig Differenzen zwischen beiden. Nur eine ist bald Geschichte

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
18 Tage 21 h

@hoglsturm
Schon geschafft.

Paul
Paul
Universalgelehrter
19 Tage 21 h

die Gier hat die letzten grauen Zellen zerfressen , nur noch peinlich , alle beide

nok
nok
Tratscher
19 Tage 21 h

so woe eh und je….

zombie1969
zombie1969
Superredner
17 Tage 20 h

Erdogan und seine Anhänger sind sauer, weil ihnen Araber und Afrikaner die fette deutsche Beute streitig machen.

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