Rishi Sunak oder Liz Truss - wer wird neuer britischer Premier?

Tory-Mitglieder beginnen Wahl von Johnson-Nachfolger

Montag, 01. August 2022 | 16:26 Uhr

Zum Auftakt der Mitgliederabstimmung in der Konservativen Partei über die Nachfolge des britischen Premierministers Boris Johnson hat die Favoritin Liz Truss weitere namhafte Unterstützung erhalten. Finanzminister Nadhim Zahawi sprach sich in der Zeitung “The Telegraph” offiziell für die Außenministerin als nächste Parteivorsitzende – und damit als künftige Regierungschefin – aus. Ihr Konkurrent Rishi Sunak kündigte unterdessen eine Senkung der Einkommenssteuer an.

Der Ex-Finanzminister kommt einer YouGov-Umfrage zufolge bei der Parteibasis auf 24 Prozentpunkte weniger Rückhalt als Truss. Auch die 47-jährige Ministerin hat eine Steuersenkung versprochen. Die beiden Spitzenpolitiker hatten sich in den vergangenen Wochen gegen eine Reihe anderer Bewerber um Johnsons Nachfolge durchgesetzt.

Der amtierende Premier Johnson hatte am 7. Juli nach beispiellosem Druck aus seinem Kabinett seinen Rückzug angekündigt. Vorausgegangen waren mehrere Skandale.

Für die Stimmabgabe durch die Mitglieder der Konservativen Partei ist nun Zeit bis zum Nachmittag des 2. September. Die Entscheidung kann bis dahin beliebig oft geändert werden. Das Ergebnis der Wahl zum Parteivorsitz soll am 5. September verkündet werden. Die Siegerin oder der Sieger zieht dann auch in den Regierungssitz in der Londoner Downing Street ein.

Wahlberechtigt sind alle Mitglieder, die spätestens am 3. Juni in die Tory-Partei eingetreten sind. Für Kritik sorgt wie bei früheren Stichwahlen, dass nur ein kleiner Kreis über die Person an der Regierungsspitze eines Landes mit etwa 67 Millionen Einwohnern entscheidet. Die Partei macht keine Angaben zur Zahl ihrer Mitglieder. Als 2019 Johnson gewählt wurde, stimmten rund 160.000 Menschen ab, etwa 0,3 Prozent der gesamten Wählerschaft.

Die Außenministerin werde “die veraltete wirtschaftliche Orthodoxie aufheben und unsere Wirtschaft auf konservative Weise führen”, schrieb Finanzminister Zahawi in seinem Beitrag für den “Telegraph” (Montag-Ausgabe). “Liz versteht, dass der Status quo in Krisenzeiten keine Option ist.” Zahawi hatte selbst für das Amt des Premierministers kandidiert, war aber schon im ersten Wahlgang der konservativen Parlamentsfraktion ausgeschieden. Zuvor hatte sich unter anderem bereits der populäre Verteidigungsminister Ben Wallace für seine Kabinettskollegin ausgesprochen.

In einem Versuch, seinen Rückstand aufzuholen, kündigte Sunak an, die Einkommenssteuer bis zum Ende der 2020er-Jahre deutlich von derzeit 20 auf dann 16 Prozent zu kürzen. Die Steuerpolitik ist eines der wichtigsten Themen in dem Wahlkampf. Viele Konservative werfen Sunak vor, dass in seiner Amtszeit die Steuerlast auf den höchsten Stand seit 70 Jahren gestiegen sei. Der 42-Jährige verweist darauf, dass die Maßnahmen im Kampf gegen die Folgen der Corona-Pandemie nötig gewesen seien.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz