Kaschmir heiß umstritten

Tote am indischen Unabhängigkeitstag in Kaschmir

Montag, 15. August 2016 | 19:00 Uhr

Am indischen Unabhängigkeitstag hat es in Kaschmir am Montag mehrere bewaffnete Zwischenfälle gegeben. In Srinagar, der Hauptstadt des indischen Teils Kaschmirs, töteten Angreifer den Kommandanten einer paramilitärischen Polizeieinheit. Bei anschließenden Gefechten wurden nach Polizeiangaben zwei Rebellen getötet und neun weitere Menschen verletzt.

Darunter seien zwei schwer verletzte Polizisten. Außerdem wurden bei einem Gefecht an der Grenze zu Pakistan fünf Rebellen getötet. Auf den Kommandanten wurde aus dem Hinterhalt geschossen, er erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Laut der paramilitärischen Einheit CRPF handelt es sich bei den anschließend getöteten Rebellen um “Nicht-Einheimische”. Damit sind in der Regel pakistanische Staatsangehörige gemeint.

Bei dem Gefecht im Nordsektor der schwer bewachten Kontrolllinie in Kaschmir, der De-Facto-Grenze zwischen Indien und Pakistan, wurden fünf Rebellen getötet und zwei indische Offiziere verletzt.

Mehbooba Mufti, die Ministerpräsidentin von Kaschmir, Indiens einzigem mehrheitlich muslimischen Teilstaat, rief Neu Delhi und Islamabad bei einer Veranstaltung in einem Sportstadion von Srinagar auf, die Kontrolllinie “überflüssig” zu machen und eine Friedenslösung für die Himalaya-Region herbeizuführen.

Die Politikerin der gemäßigten Partei PDP machte Indien für die derzeitige Krise in Kaschmir verantwortlich. Zugleich appellierte sie an protestierende Jugendliche, an ihre Schulen und Hochschulen zurückzukehren. Aus Anlass des Unabhängigkeitstags rufen die Rebellen die Zivilbevölkerung seit Jahren zu Arbeitseinstellungen aus Protest gegen die indische Herrschaft auf.

Als die Regierungschefin die indische Fahne hissen wollte und diese zu Boden fiel, wurde sie von Zuschauern ausgebuht. Behörden untersuchten, ob der Vorfall auf Sabotage zurückging.

Indiens Premierminister Narendra Modi ging in seiner Rede zum Unabhängigkeitstag nicht direkt auf Kaschmir ein. Er rief allgemein zum Ende der Gewalt auf und sagte, Indien werde “Terrorismus niemals tolerieren”.

Die Sicherheitskräfte in Srinagar sind nach wochenlangen blutigen Unruhen in Kaschmir in höchster Alarmbereitschaft. In der Region wurde eine Ausgangssperre verhängt, nachdem Anfang Juli der beliebte junge Rebellenführer Burhan Wani bei einem Feuergefecht mit den indischen Sicherheitskräften erschossen worden war. Sein Tod führte zu heftigen Protesten, in deren Verlauf mehr als 50 Zivilisten getötet wurden. Es waren die schwersten Unruhen in Kaschmir seit 2010.

Die Bergregion ist seit einem Krieg 1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt, wird aber weiter von beiden Staaten vollständig für sich beansprucht. Seit 1989 kämpfen mehrere Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss an Pakistan. Indiens Armee und Polizei, die in dem Hochgebirgstal mit hunderttausenden Männern präsent sind, gehen mit großer Härte gegen die Aufständischen vor, doch die Rebellion schwelt weiter.

Von: APA/dpa

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