Widerstand gegen Mobilisierung in Russland

Tote bei Explosionen vor Referenden in besetzten Gebieten

Donnerstag, 22. September 2022 | 15:47 Uhr

Einen Tag vor dem geplanten Beginn von Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland erschüttern Explosionen Marktplätze in den betroffenen ukrainischen Provinzen. Sowohl in Donezk im Osten der Ukraine als auch in der Stadt Melitopol im Südosten gab es Tote. Der ehemalige russische Präsident Dmitri Medwedew drohte unterdessen mit dem Einsatz von Atomwaffen zur Verteidigung annektierter Gebiete in der Ukraine.

Russland sei bereit, alle Mittel einschließlich Atomwaffen zur Verteidigung der Gebiete einzusetzen, sagte Medwedew, der aktuell stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates ist, am Donnerstag. Die von den prorussischen Separatisten geplanten Referenden fänden statt, es gebe “keinen Weg zurück”, sagt Medwedew. “Das westliche Establishment und alle Bürger der NATO-Länder im Allgemeinen müssen verstehen, dass Russland seinen eigenen Weg gewählt hat.”

Am Freitag sollen in den Bezirken Luhansk, Donezk und Cherson Referenden über den Beitritt zu Russland beginnen. In der ostukrainischen Separatistenhochburg Donezk sind durch Artilleriebeschuss um einen Markt mindestens sechs Menschen getötet worden. Sechs weitere seien verletzt worden, teilte der Chef der Donezker Stadtverwaltung, Alexej Kulemsin, am Donnerstag im Nachrichtendienst Telegram mit.

Dem im Exil lebenden Bürgermeister von Melitopol zufolge kamen bei dem Beschuss des vollen Marktplatzes seiner Stadt am Donnerstag drei Soldaten ums Leben. Wie viele Zivilisten unter den Opfern seien, sei unklar. Vertreter Russlands und der Ukraine machten sich gegenseitig für die Explosion in Melitopol verantwortlich. Reuters konnte die Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Melitopol liegt in der Provinz Saporischschja und war eine der ersten Städte nach dem Einmarsch Russlands am 24. Februar, die unter russische Kontrolle gerieten. Die Region Donezk wird bereits seit 2014 von prorussischen Rebellen beherrscht. Sechs Menschen seien bei der Explosion getötet worden und sechs verletzt worden, schrieb der von Russland eingesetzte Bürgermeister von Donezk, Alexej Kulemsin, auf dem Kurznachrichtendienst Telegram am Donnerstag. Das ukrainische Militär beschieße das Zentrum der Stadt.

Von Freitag bis Dienstag (23. bis 27. September) sollen in Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja Volksabstimmungen über einen Beitritt zu Russland abgehalten werden. Die vier Provinzen machen etwa 15 Prozent des ukrainischen Territoriums aus. Die Ukraine und der Westen haben bereits erklärt, dass die Referenden illegal wären und sie die Ergebnisse nicht anerkennen würden. Kiew warnte vor der Teilnahme an den Abstimmungen.

Großbritannien zweifelt unterdessen an Russlands Fähigkeiten zur angeordneten Teilmobilisierung von 300.000 Reservisten für den Krieg gegen die Ukraine. “Russland wird wahrscheinlich mit logistischen und administrativen Herausforderungen zu kämpfen haben, die 300.000 Soldaten auch nur zu mustern”, teilte das Verteidigungsministerium in London am Donnerstag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit.

Die russische Militärführung werde vermutlich versuchen, mit den ausgehobenen Truppen neue Einheiten aufzustellen. Diese seien aber “wahrscheinlich monatelang nicht kampffähig”, hieß es weiter. Das Ministerium wertete die Teilmobilisierung als Zeichen russischer Schwäche. “Der Schritt ist praktisch ein Eingeständnis, dass Russland seinen Vorrat an willigen Freiwilligen für den Kampf in der Ukraine erschöpft hat”, betonte die Behörde. Die Einberufungen dürften zudem sehr unbeliebt in der Bevölkerung sein, hieß es weiter. In der Hoffnung, dringend benötigte Kampfkraft zu generieren, gehe Präsident Wladimir Putin “ein beträchtliches politisches Risiko” ein.

Putin hatte am Vortag die Teilmobilisierung von 300.000 Reservisten angeordnet, um personelle Lücken im Angriffskrieg gegen die Ukraine zu schließen. Russlands Parlamentschef Wjatscheslaw Wolodin rief auch die Abgeordneten der Staatsduma zur Teilnahme am Krieg in der Ukraine auf. “Wer den Anforderungen der Teilmobilmachung genügt, sollte mit seiner Teilnahme bei der militärischen Spezialoperation helfen”, teilte der Duma-Chef am Donnerstag in seinem Nachrichtenkanal bei Telegram mit. “Es gibt keinen Schutz für die Abgeordneten.”

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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14 Kommentare auf "Tote bei Explosionen vor Referenden in besetzten Gebieten"


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hundeseele
hundeseele
Universalgelehrter
9 Tage 10 h

Medwedew sollte erstmal versuchen sein Hirn zu nutzen,soweit vorhanden.

Doolin
Doolin
Kinig
9 Tage 9 h

….dort wo Menschen Hirn haben, befindet sich bei ihm Stroh…der Hascher möchte halt seinem Boss imponieren…

N. G.
N. G.
Kinig
9 Tage 9 h

Gehts bei dem Ganzen um Hirn? Es geht um das was diese Herrn wollen. Woran appellierst du, wenn du selbst sagst sie haben Keines?
Man kann doch nem Irren nicht erklären er hätte gefälligst normal zu sein , oder?
Was nützen dann all die Verurteilungen des Westens wenn Putin nicht normal tickt, was frage ich?
UN, EU, jedes demokratisch regierte Land verurteilt Putin. Was nützne, ich sage NÜTZEN, Diese, wrnn Putin das nicht versteht!
Heiße LUFT da er das sowieso nicht höhrt! Oder sind diese Ausagen nur für UNS?

N. G.
N. G.
Kinig
9 Tage 8 h

@Doolin Man kann Putin einen Esel nennen, verwirrt, krank, kriminell, despotisch, tyrannisch, manipulativ, krank, psychisch krank, imperialistisch, geldgierig, nen Oligarchen, Lügner, Manipulateur und das jeden Tag, was ändert es? Das du dich durch die Äusserungen gut fühlst?l Ohne je irgendwie sonstig Stellung zu beziehen weil du absolut jede Gegenmassnahme ohne zu hinterfragen gut findest?
Ich, nein, einige andere haben zumindest kritische FRAGEN! Keine zu haben ist armselig!

xXx
xXx
Kinig
9 Tage 3 h

@N. G. du bist doch derjenige der immer wieder Predigt das man verhandeln soll. Mit jemanden der all das ist was du gerade aufgezählt hast…
Das du kein normales Deutsch verstehst wissen wir, aber das du nichtmal verstehst was du selber von dir gibst 🤷🏻‍♂️🤦🏻‍♂️

OrB
OrB
Kinig
9 Tage 11 h

Jetzt dreht der russische Hitler total durch.
Das eigene Volk wird sich den Kriegstreiber holen.

N. G.
N. G.
Kinig
9 Tage 9 h

Dann träum weiter! Deun Wunsch wäre zwar die ultimative Lösung aber daran glaube ich nicht!

OrB
OrB
Kinig
9 Tage 6 h

@N. G.
Lass mich doch ein wenig träumen. 😉

Faktenchecker
8 Tage 14 h

NG Glauben musst Du in der Kirche!

Dagobert
Dagobert
Kinig
9 Tage 11 h

Hon i mir a glei gedenkt, wie des logistisch funktionieren soll? Miessn sich diese Soldoten donn wieder im Supermarkt selbst bedienen, wennse nit derhungern welln 😂😂

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
9 Tage 9 h

Solche Drohungen mit dem Einsatz von Waffen, die letztendlich die Vernichtung der Menschheit herbeiführen sollen, sind an und für sich schon ein ungeheuerliches Verbrechen. Meines Wissens hat es sowas in einer derart expliziten Art und ohne selbst ins Visier eines ernsthaften Angriffs seit dem 2. Weltkrieg noch nie gegeben, nicht einmal während der Kubakrise. Alleine schon diese Ankündigungen müssten zu einer Dringlichkeotssitzung des Weltsicherheitsrates und zu einer Einberufung einer UN Vollversammlung führen. Wenn ein ständiges UN Sicherheitsrat-Mitglied derartiges droht, hat es auch keinen Platz in der Völkergemeinschaft und sollte auch bis auf Weiteres kein Stimmrecht haben.

Dagobert
Dagobert
Kinig
9 Tage 10 h

Das Schoßhündchen möchte wiedereinmal seinem Herrchen imponieren!

ieztuets
ieztuets
Superredner
9 Tage 12 h

I glab weniger, dass de vorher nou long “gemustert” wearn, sofort einruckn!

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Grünschnabel
9 Tage 10 h

Medwedew der Dampfplauderer.
Kann ja sein dass die Ukrainer 1994 ein paar Atomwaffen zur eigenen Sicherheit behalten haben.
Mit dem Sperrvertrag kann man sich ja bekanntlich den Hintern abwischen. Dann hat das Papier mindestens einen Zweck erfüllt.

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