20 Luftangriffe gegen Talibanstellungen

Tote und Verletzte bei Taliban-Offensive in Afghanistan

Montag, 10. Oktober 2016 | 15:41 Uhr

Nach der Taliban-Offensive auf die nordafghanische Provinzhauptstadt Kunduz haben die radikalen Islamisten eine weitere große Stadt ins Visier genommen. Am Montag griffen sie die Hauptstadt der südafghanischen Provinz Helmand, Lashkargar, an, so der Sprecher des Innenministeriums, Sadiq Sadiqi: “Die Taliban haben Sicherheitsposten im zweiten Distrikt angegriffen, konnten aber nicht durchdringen.”

Die Gefechte dauerten an. Mitarbeiter einer Klinik sagten am Nachmittag, es seien bisher 30 verletzte Zivilisten und Militärangehörige eingeliefert worden. Nach offiziellen Angaben sind außerdem bei der Explosion eines Sprengsatz an einer Straße “14 Menschen getötet und verletzt” worden.

Die Taliban meldeten über viele Kanäle auf den sozialen Medien, dass ihre Kämpfer in die Stadt eingedrungen seien. Ihre Angaben sind oft übertrieben.

Die Aufständischen versuchen, in der wichtigen Südprovinz einen Staat im Staat für sich zu erkämpfen. Helmand ist das Herz der milliardenschweren Drogenindustrie, die auch die Kriegskasse der Taliban füllt. Die Extremisten kontrollieren bereits mindestens fünf der 14 Bezirke vollständig und mindestens weitere sechs in weiten Teilen.

In den vergangenen Tagen hatten die Taliban außerdem Orte in der nordafghanischen Provinz Baghlan sowie in der westafghanischen Provinz Farah überfallen.

Fast 24.000 Menschen sind unterdessen in den vergangenen Tagen aus der umkämpften nordafghanischen Provinzhauptstadt Kunduz geflohen. Das berichteten die Vereinten Nationen in einer Sonntagnacht versandten Stellungnahme. Nach Angaben des humanitären Arms der UNO, OCHA, kommen die meisten Binnenflüchtlinge in der Nachbarprovinz Takhar an, andere gingen nach Balkh, Sar-e Pul und Kabul.

Sie bräuchten ein Dach über dem Kopf, Essen, sanitäre Einrichtungen und medizinische Hilfe. Laut afghanischem Flüchtlingsministerium könnten es bis zu 100.000 Flüchtlinge werden.

Die Kämpfe in der wichtigen Provinzhauptstadt dauern auch nach einer Woche noch an. Die Innenstadt ist nach Regierungsangaben gesichert. Gefechte seien vor allem am Stadtrand im Gange, sagte Polizeisprecher Mafosullah Akbari am Montag. Ein Provinzratsmitglied, Saied Assadullah Sadat, sagte jedoch, insgesamt habe sich in einer Woche wenig geändert. Spezialkräfte befreiten Gegenden in der Nacht von den Taliban, die aber in der Früh wieder zurückschlugen.

Nach Medienangaben haben US-Jets in den vergangenen Tagen mehr als 20 Luftangriffe gegen Talibanstellungen geflogen, um den afghanischen Streitkräften zu helfen.

Vor acht Tagen hatten die radikalislamischen Taliban die Stadt von mehreren Seiten aus angegriffen. Kunduz ist die viertgrößte Stadt des Landes. Bis 2013 war dort auch die Bundeswehr stationiert.

Von: APA/dpa