Forderung nach einheitlicher Straßenmaut auf Brennerroute

Transit: Tirol, Südtirol und Bayern mit Korridormaut-Brief an EU

Freitag, 19. August 2022 | 09:50 Uhr

Bozen – Tirol, Südtirol und Bayern machen in Sachen Transit nun auch schwarz auf weiß gemeinsam Druck für die Korridormaut, der Einführung von höheren Lkw-Mauten auf der Brennerstrecke. Tirols LH Günther Platter (ÖVP), Südtirols LH Arno Kompatscher (SVP) sowie Bayerns Europaministerin Melanie Huml (CSU) schickten ein Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie die Verkehrsminister von Österreich, Italien und Deutschland, in dem sie sich dafür aussprachen.

Dies berichtete die “Tiroler Tageszeitung” in ihrer Freitagsausgabe. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe davor grünes Licht gegeben. Söder hatte sich bereits Anfang des Jahres für eine höhere Lkw-Maut auf der Strecke von München bis Verona ausgesprochen.

In dem Brief fordern die Länder – für eine aktive Verlagerungspolitik und der damit verbundenen Erreichung der Klimaziele – eine “verursacherbezogene Bepreisung”. “Die Einführung einer Korridormaut auf der Autobahn als wesentlicher Teil einer einheitlichen Verkehrspolitik entlang der Brennerroute ist dazu unumgänglich. Wir fordern daher die Ministerien auf, die Schritte hin zu einer einheitlichen Straßenmaut auf der Brennerroute schnellstmöglich einzuleiten”, wurden Platter, Kompatscher und Huml zitiert. Die Brennerroute als “Flaschenhals” des ScanMed-Korridors sei “im alpenquerenden Vergleich ‘Alpentransversalen’ der am stärksten belastete Korridor.” “Aufgrund der massiven Belastung für Mensch, Natur, aber auch der bestehenden Straßeninfrastruktur selbst, dürfe jedoch nicht auf die Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels im Jahr 2032 und seiner Zulaufstrecken gewartet werden”, betonten die Politiker.

Kompatscher mahnte indes direkte Gespräche der drei Staaten über eine langfristige Verkehrsbeschränkung auf der Brennerachse ein. Es würde nämlich nicht ausreichen, wenn nur die Maut erhöht werde, so Kompatscher gegenüber der “TT”. Der Südtiroler Landeshauptmann brachte erneut ein kombiniertes Modell von Umweltmaut, Bepreisung der Lkw-Frequenzen – wer mehr fährt, zahlt auch mehr – sowie Buchbarkeit (Slot-System) ins Spiel. Das Konzept einer “digitalisierten Brennerautobahn” hatte Kompatscher bereits Anfang des Jahres im APA-Interview aufs Tapet gebracht.

Tirols FPÖ-Obmann Markus Abwerzger nannte eine mögliche Maut-Anhebung indes “kein Patentrezept”. “Die Korridormaut oder eine eventuelle Aufgabe des Dieselprivilegs werden wenig bewirken. Wohin soll der Transit denn auch ausweichen”, meinte Abwerzger in einer Aussendung und forderte Gesamtrezepte ein. Gleichzeitig griff der sich im Landtagswahlkampf befindliche FPÖ-Chef die Grünen scharf an. Deren “permanente Forderung nach einer allgemeinen Temporeduktion auf Autobahnen ” sei “ein Irrsinn”. “Denkt eigentlich bei den grünen notorischen Autohassern noch irgendwer an die Situation der Pendlerinnen und Pendler in Tirol”, fragte Abwerzger. Die Tiroler Grünen hatten tags zuvor klargemacht, dass sie weiter für Tempolimits im Ortsgebiet, auf Freilandstraßen und Autobahnen von 30/80/100 km/h eintreten.

Unterstützung zur Einführung einer Korridormaut kam indes erwartungsgemäß von den Tiroler Grünen in Person des Verkehrssprechers Michael Mingler. Dieser wertete “kleine Schritte” positiv, mahnte aber, dass “Appelle und gemeinsam verfasste Briefe” nicht darüber hinwegtäuschen dürften, “wie geduldig Papier ist”. Man dürfe sich “nach Jahren des Vertröstens und Verzögerns” nicht mehr darauf verlassen, dass “die Korridormaut je das Licht der Welt erblicken” werde. “Wir müssen vielmehr selbst das Heft in die Hand nehmen”, so Mingler in einer Aussendung. Er sah in “permanenten und lückenlosen Lkw-Kontrollen” das “Mittel der Wahl, um die Transitroute unattraktiv zu machen”. Dafür würden jedoch 100 zusätzliche Polizistinnen und Polizisten benötigt.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Transit: Tirol, Südtirol und Bayern mit Korridormaut-Brief an EU"


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PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Die Brennerroute sollte für Lkw nur noch an acht Stunden am Tag und ausserdem hoch limitiert befahrbar sein.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Sobald er BBT fertig ist, alles ohne Außnahme, was von München Richtung süden unterwegs ist und erst nach Bozen halt macht gehört dann auf die Schiene umgekehrt aber auch!

BBT =) fertig um das Jahr2030 – 2035?

Faktenchecker
1 Monat 14 Tage

4 Meter sind zu viel?

marher
marher
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Befürchte dass der BBT zur grössten Flaute wird und das Problem in keinster Weise löst.

TirolerSued
TirolerSued
Tratscher
1 Monat 14 Tage

@ischJOwurscht wird sicher nicht passieren, da inzwischen die Struktur nicht mehr zeitgemäß ist

Markuskoell
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

Die 🚛. Auf die Schienen und die Autobahn so wie der BBT bauen und danach wenn der Bau fertig ist diese alte Autobahn abreißen 😉

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