Ein mit Sprengstoff beladener Krankenwagen explodierte

Trauer und Alarmbereitschaft nach Anschlag in Kabul

Sonntag, 28. Januar 2018 | 13:30 Uhr

Nach dem verheerenden Selbstmordanschlag in Kabul hat die afghanische Hauptstadt um die mehr als hundert Todesopfer getrauert. Der Attentäter hatte am Samstag im Stadtzentrum einen mit Sprengstoff beladenen Krankenwagen in die Luft gesprengt, bis Sonntag stieg die Zahl der Todesopfer auf mindestens 103.

Die afghanische Regierung rief einen nationalen Trauertag aus. Weltweit wurde der Anschlag verurteilt. US-Präsident Donald Trump forderte ein “entschiedenes Handeln” gegen die Taliban.

Wie der afghanische Innenminister Wais Barmak am Sonntag mitteilte, wurden bei dem Anschlag mindestens 103 Menschen getötet und 235 weitere verletzt. Am Samstag war die Zahl der Todesopfer noch mit 95 beziffert worden. Einige Verletzte seien im Krankenhaus gestorben, erklärte Barmak.

Kabul war am Sonntag immer noch in höchster Alarmbereitschaft. Der Präsidentenpalast rief einen nationalen Trauertag aus, Flaggen wehten auf halbmast. Im Zentrum der afghanischen Hauptstadt war es ungewöhnlich ruhig. Die Sicherheit an Kontrollpunkten wurde verstärkt, besonders in der Nähe des Anschlagsortes.

Der Attentäter hatte laut Behördenangaben einen Rettungswagen genutzt, um an Sicherheitskontrollen vorbei zu kommen. An einem ersten Kontrollpunkt sei er durchgewunken worden, weil er angegeben habe, einen Patienten zum nahegelegenen Jamuriate-Krankenhaus zu bringen. An einem zweiten Kontrollpunkt sei er aber “erkannt” worden. Dort habe er dann seinen Sprengsatz gezündet.

Der Anschlag erschütterte gegen 13.00 Uhr Ortszeit eine belebte Straße, an der das ehemalige afghanische Innenministerium liegt. In der Nähe befinden sich auch die Vertretung der Europäischen Union, das Kabuler Polizeipräsidium und der Sitz des Hohen Friedensrats zur Aussöhnung mit den radikalislamischen Taliban.

Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban. Das afghanische Innenministerium machte das mit den Taliban verbündete Haqqani-Netzwerk für die Tat verantwortlich. Nach Angaben des Ministeriums wurden vier Verdächtige festgenommen. Es war das folgenreichste Attentat in Kabul seit einem Anschlag auf das Diplomatenviertel im Mai, bei dem mehr als 150 Menschen getötet worden waren.

Die Attacke sorgte international für Entsetzen. “Ich bin erschüttert”, teilte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit. Das Vorgehen der Attentäter sei “hinterhältig und grausam”. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich stehe nach “dem schändlichen Attentat” an der Seite der Afghanen.

Papst Franziskus verurteilte beim Angelus-Gebet am Sonntag den Anschlag. “Wie lange wird das afghanische Volk diese unmenschliche Gewalt aushalten müssen?”, fragte der Papst. Die auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen bat der Pontifex um Gebete für die Opfer und ihre Familien. Zugleich bat er um Gebete für diejenigen, die sich für den Frieden in Afghanistan einsetzten.

US-Präsident Donald Trump ließ in einer Stellungnahme mitteilen, der “mörderische Anschlag erneuert unsere Entschlossenheit”. Alle Länder müssten jetzt “entschieden gegen die Taliban” und ihre Unterstützer vorgehen. Die USA fühlten sich einem “sicheren Afghanistan ohne Terroristen” verpflichtet, hieß es weiter. Trump hatte 2017 weitere US-Truppen an den Hindukusch entsandt und verstärkt Luftangriffe zur Unterstützung afghanischer Einheiten angeordnet.

Die Taliban wiederum bezeichneten den Anschlag vom Samstag als Antwort auf diesen Kurs. Der US-Präsident könne nicht erwarten, dass die Afghanen friedlich auf seine Politik der Aggression reagierten, erklärte ein Taliban-Sprecher.

In Kabul hat die Zahl der Anschläge zuletzt stark zugenommen. Die afghanische Hauptstadt gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in Afghanistan. Vor einer Woche hatten Kämpfer der Taliban das Intercontinental-Hotel angegriffen und mindestens 25 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Ausländer.

Von: APA/dpa/Ag.