Kneissl: "Wir stehen als Gesprächspartner für Rom und Bozen zur Verfügung"

Treffen zu Südtiroler Doppelpass

Freitag, 23. März 2018 | 18:45 Uhr

Wien – Außenministerin Karin Kneissl hat sich am Freitag zufrieden mit einem Treffen gezeigt, das zwischen Regierungsabgeordneten und Südtiroler Landtagsabgeordneten zum Thema doppelte Staatsbürgerschaft in Wien stattfand. Alessandro Urzi, Abgeordneter im Südtiroler Landtag, hatte zuvor scharfe Kritik gegen die Maßnahmen geübt, welche “die starke Südtiroler Autonomie gefährden würden”.

Das Gespräch sei erfolgreich gewesen, so Kneissl nach dem Treffen im Außenministerium. “Es ging heute ums Zuhören, es ging um den Gedankenaustausch. Es sind so viele unterschiedliche Positionen da. Die Gesprächsebene soll möglichst offen verlaufen, damit jeder seine Positionen einbringen kann”, sagte Kneissl auf die Frage zur möglichen Spaltung der Gesellschaft durch die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft. Sie bezweifelt, dass es zu einer Spaltung kommen könnte.

“Wir haben überhaupt keinen Zeitdruck. Ich glaube, dass der Brexit anstrengender, dringlicher und komplizierter ist, da bis Oktober Positionen gefunden werden müssen.” Kneissl erinnerte, dass es in Bezug auf doppelte Staatsbürgerschaft drei Adressatenkreise gebe: Südtiroler, österreichische Staatsbürger, die künftig womöglich vom Brexit betroffen werden (das seien etwa 25.000 Personen), und Nachkommen von Holocaust-Überlebenden. “Wir stehen als Gesprächspartner für Rom und Bozen zur Verfügung”, sagte Kneissl. “Natürlich werden auch die italienische Botschaft und die italienischen Behörden zu weiteren Gesprächen sehr willkommen sein.”

Vizekanzler und Heinz-Christian Strache begrüßte das Treffen in einer Aussendung. Der FPÖ-Chef zeigte sich erfreut, “dass mit dieser Initiative dem Wunsch nach einer österreichischen Staatsbürgerschaft für die österreichische Minderheit in Südtirol im Sinne des europäischen Geistes nun entsprochen werden soll.”

Der Südtiroler Landtagsabgeordnete Alessandro Urzi hatte sich zuvor bei einer Pressekonferenz am Vormittag scharf gegen die doppelte Staatsbürgerschaft ausgesprochen: “Es ist ein Schritt gegen Italien, aber auch gegen Südtirol – ein autonomiefeindlicher Schritt.” Urzi, der als einziger italienischsprachiger Besucher an der heutigen Arbeitsgruppe im Außenministerium teilgenommen hätte, sei die Simultanübersetzung ins Italienische verweigert worden. Er fragte sich, warum er bei einem institutionellen Treffen keine Möglichkeit auf eigene Sprache bekommen konnte.

Urzi sei nicht der einzige, der die umstrittenen Maßnahmen nicht begrüße. “Alle Parteien, seien sie links, rechts oder Mitte – im Landtag, aber auch auf nationaler Ebene – haben sich gegen diese Initiative geäußert”, sagte der Gründer und Chef der rechten Partei “Südtirol im Herzen”.

Der italienische Außenminister Angelino Alfano und der italienische Botschafter Sergio Barbanti hätten die Einladung nach Wien abgelehnt. Die Einladung erfolgte zudem Anfang März – kurz vor der Parlamentswahl in Italien. Urzi zitierte Alfanos Pressemitteilung zum Treffen in Wien: “Jegliche Diskussion zu diesem Thema solle nur zwischen Rom und Wien erfolgen. Argumente, die Wien für den Doppelpass gebracht habe, seien haltlos und würden in krassem Gegensatz zur stark entwickelten Südtiroler Autonomie stehen. Dieses Autonomiemodell ist weltweit sehr geschätzt und muss erhalten bleiben.”

Auch Urzi betonte die Wichtigkeit der Südtiroler Autonomie. “Die doppelte Staatsbürgerschaft wäre ein Verräter der Autonomie. Die Autonomie ist die endgültige Lösung der Südtiroler Frage und zwar eine unumkehrbare Lösung.” Damit schließe sie alle anderen Maßnahmen aus.

Bezüglich der Erklärung der Sprachzugehörigkeit war Urzi ebenfalls empört: “Man spricht über eine doppelte Staatsbürgerschaft für Deutsch- und Ladinischsprachige. Soll man eine sprachliche Erklärung abgeben? Gibt es vielleicht eine Kulturprüfung? Oder Blutanalyse?” Urzi befürchtet eine rein ethnische Auswahl und führte ein Zitat des italienischen Journalisten Gian Enrico Rusconi an: “Der 80. Jahrestag des österreichischen Anschlusses ist ein symbolischer Anschluss Südtirols. Dieses ‘Symbol’ ist aber nur scheinbar harmlos.”

Das Angebot einer doppelten Staatsbürgerschaft sei absolut nutzlos, da die Autonomie und die Minderheiten in einem optimalen Zustand seien. “Das würde einen zweideutigen ethnischen Identitätsanspruch schaffen und Österreich wieder an die trübe Zeit des Nationalismus annähern”, so der 51-Jährige.

“Wir würden zu einer italienischen Provinz an der Grenze zu Österreich werden, die von einer absoluten Mehrheit von Österreichern bewohnt wäre”, warnt Urzi. Das würde neue Kräfte für Selbstbestimmung schaffen “und Selbstbestimmung ist gegen die Autonomie. Man soll sich endlich entscheiden: entweder Autonomie oder die österreichische Staatsbürgerschaft. Beides zugleich ist unvereinbar.”

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

32 Kommentare auf "Treffen zu Südtiroler Doppelpass"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
maulwurf
maulwurf
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

Simultanübersetzung… Dass ich nicht lache 😂 Der italienische Staat schert sich übrigens einen Dreck darum, die Sprachbestimmungen einzuhalten. Aber da hört man nichts vom Urzì

Leo 675
Leo 675
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Ich brauch kein doppelpass…bin mit einem zufrieden👌🏽

Mastermind
Mastermind
Superredner
1 Monat 1 Tag

Urzi ist in meinen Augen sowieso ein bildungsferner Populist, denn die Italiener fluchen über die Ausländer und doch waren es die ganzen Tschechen und Slowaken die sich besser integrierten, als die Italiener, weil diese nur denken wir wären irgendwie eine alte Kolonie, die man nach dem 1. Weltkrieg bekommen hat, die wären doch alle froh, wenn es unsere deutsche Minderheit nicht geben würde. Mussolini und Tolomei hätten uns, alle gern verraumt gewusst und viele Italiener wie man an der Wahl gesehen hat, denken in Italien immer noch so.

hage
hage
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

Und wir Südtiroler schaffen es nicht mal 50.000 Unterschriften für den Minority Safe Pack einzutreiben.
Altrocche Doppelpass… lassen wir zuerst und als Minderheit in Europa schützn.

bon jour
bon jour
Superredner
1 Monat 1 Tag

@Mastermind
du lebst noch in den 1950ern

hage
hage
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

der Urzi bemüht sich sehr, deutsch zu sprechen. da kann man ihm nichts vorhalten.

Mastermind
Mastermind
Superredner
1 Monat 1 Tag

@bon jour Wieso denkst du das? Weil ich noch Werte besitze, einiges Hinterfrage und Europa nicht in ein 3. Weltland transformiert sehen will? Ich will gar keine Kinder, deswegen könnte mir es egal sein, aber Leute die denken wie du, lassen nur Chaos und Armut für die nächsten Generationen, darauf verwette ich viel, also kannst du dir deinen Zwischenruf von den billigen Plätzen sparen.

hansl 13
hansl 13
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

@hage Meine Frage :
Wieviel Parteimitglieder hatten die SVP?
Die sollen doch alle ihre Unterschift abgeben,daß müßte reichen.
Neulich ist in meinen Postkasten der Brief eingeworfen worden mit dem Aufdruck :
Gemeinsam sind wir stärker, mit der Unterschrift A. Kompatscher!
Ihr seid es mir nicht wert, daß ich unterschreibe!

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
1 Monat 23 h

@Leo 675   Und warum äußerst du dich dann? Wer nicht will muss ihn nicht nehmen! Er wird NIEMANDEN aufgezwungen, nur wer ihn will, sucht dafür an.
Ich will Natürlich, als Österreicher, keine Frage!

unter
unter
Superredner
1 Monat 20 h

Das wäre eine riesen Blamage, sollten die Unterschriften nicht erreicht werden. Wenn es angeblich so viele gibt die den Österreichischen Pass wollen, dürfte es aber eine Leichtigkeit sein das Limit zu erreichen. Oder doch nicht?

bon jour
bon jour
Superredner
1 Monat 20 h

@Mastermind
aber Leute die denken wie du, lassen nur Chaos und Armut für die nächsten Generationen

ja, ich bin der Teufel in Person. Deine Ferndiagnose ist genial. 

Staenkerer
1 Monat 20 h

@unter tjo, du sogsch es : angeblich!
i zweifel stork ob es wirklich so viele sein de so dafür sein das sie sich deswegn stork mochn! i schätz eher das viele, so wie i, de ochslen schupfn und es ihnen wurst isch ob der kimmt oder nit!

A1a
A1a
Neuling
1 Monat 1 Tag

Urzi meint, wir sollen uns entscheiden: Autonomie oder österreichische Staatsbürgerschaft. Ich bin für die österreichische Staatsbürgerschaft.

Staenkerer
1 Monat 19 h

i nit! für de wiener sein mir italiener de man erst biegen muß, für de italiener sein mir cruchi de man im auge gholtn muaß! schaugn mir amoll wos de neue tegierung bring und lossn mir de doppelpassdebate auf noch de herbstwahlen!

bern
bern
Superredner
1 Monat 1 Tag

Wen interessiert was der Urzi von sich gibt. Er soll sich um die Italiener kümmern, die ihm scharenweise aus Italien davonlaufen.
Bravo Österreich, ich freue mich auf den österreichischen Pass.

Guri
Guri
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Rom interesieren die Belange in Südtirol wenig , Hauptsache unsere Marionetten Regierung hat gute Posten wird weiter gewählt , kriegt gute Renten ….und die Bürger sind ruhig

alla troia
alla troia
Tratscher
1 Monat 1 Tag

der Herr Urzi muss ja nicht darum ansuchen… er kann sich ja vor das Siegesdenkmal stellen und Richtung Norden schauen…

algunder
algunder
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

Wia long miasn mir ins nou aufn kopf ei sch… lossn ????

hage
hage
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

Mei wos mir Südtiroler welche Figur mochn donk sei der SF und den Freiheitlichen: für die einen sammo die Bettler, für die onderen die ewig unzufriedenen.

Bikerboy
Bikerboy
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

Der Urzi will ja nur provozieren! Was braucht der eine Simultanübersetzung wenn er perfekt zweisprachig ist. Der soll jemand anderes vera…schen

Orschgeige
Orschgeige
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Sollte in Rom je eine Regierung zustande kommen, steht die Doppelstaatsbürgerschaft der Südtiroler sicher ganz an oberster Stelle der Prioritäten.

Hahahahaha. Wer’s glaubt wird seelig!

felixklaus
felixklaus
Grünschnabel
1 Monat 22 h

Und wenn sie sich durchringen, dann werden sie sich nicht äussern bis zu den landtagswahlen , wollen ja stimmen abfischen hier!

Tirola
Tirola
Tratscher
1 Monat 21 h

ich denk mir sicher spätestens im Herbst nach den Südtiroler Landtagswahlen versickert der Doppelpass wieder

Staenkerer
1 Monat 16 h

sell glab i a! do geats wie mitn wolf: hoaße luft für a kreuzchen und nor, wenn man sicht das es lei heißluftwahlkampagne wor zoag man ba de wölf erboßt noch brüssel, beim doppelpass entrüstet noch rom und wascht sich die hände in unschuld!

MayerSepp
MayerSepp
Grünschnabel
1 Monat 19 h

Ganz klar: los von Rom. Das historische Unrecht ist wieder gutzumachen.

Schreibabundzu
Schreibabundzu
Grünschnabel
1 Monat 22 h

In do schual hots olm koassn wer wos will soll die hand heben … auf wos wortmer den? Die meisten sogn sie welln … obo lei a poor hebn die hond auf … due svp und italien hot ins still gstellt … leitde aufwochen … hond heben.

Stadtler
Stadtler
Grünschnabel
1 Monat 21 h

Simultanübersetzungen gehören sowieso abgeschafft. Die kostem nur Geld. Wer als Südtiroler nicht beide Landessprachen beherrscht, hat in der Politik nichts verloren, egal welcher Muttersprache er sngehlrt. Ein Zweisprachigkeitsnachweis A sollte Grundvoraussetzung sein, um bei uns überhaupt kandidieren zu dürfen.

unter
unter
Superredner
1 Monat 21 h

Für den Minority Safe Pack schon unterschrieben? Wer nicht, der braucht sich hier nicht aufregen, wenn man nicht einmal 5 Minuten Zeit hat sich für den Minderheitenschutz einzusetzen!

Dolomiticus
Dolomiticus
Tratscher
1 Monat 20 h

Wird eh nix draus – viel zu heikel für beide Seiten (AUT und ITA).

tim rossi
tim rossi
Grünschnabel
1 Monat 11 h

bravo!!! frai mi echt afn zweitn poss. toi toi toi ins olla (zimindischt deis interessioscht)

Tabernakel
30 Tage 10 h

Der hier auch:

Tirola
Tirola
Tratscher
1 Monat 12 h

Die Südtiroler fohrn schon decht noch innsbruck einkaufen wenn sie a net den öst. .. Pass haben wie heute in Dez war bestimmt jedes 6 Auto aus Südtirol

wpDiscuz