Kampfflugzeuge attackierten

Trotz neuer Waffenruhe Luftangriffe bei Damaskus

Sonntag, 23. Juli 2017 | 16:00 Uhr

Die syrische Luftwaffe hat nach Angaben von Aktivisten am Sonntag Ziele in der Region um Damaskus angegriffen – ungeachtet der am Vortag angekündigten Waffenruhe. Laut der in Großbritannien ansässigen “Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte” attackierten Kampfflugzeuge mindestens sechs Mal Gebiete rund um die Ortschaft Ain Tarma sowie zwei Mal das Zentrum und die Umgebung der Stadt Douma.

Auch die Umgebung der Stadt Jissrin sei getroffen worden. Über Opfer verlautete seitens der Beobachtungsstelle zunächst nichts. Die von Rami Abdel Rahman betriebene Einrichtung bezieht ihre Informationen über ein Netz von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden. Rahman erklärte, in den bombardierten Gebieten hätten sich keine jihadistischen Kämpfer befunden.

Die syrische Armee hatte am Samstag ein Ende der Kämpfe in der von ihr belagerten Rebellenhochburg Ost-Ghouta (Ost-Ghuta) bei Damaskus angekündigt. Die Streitkräfte würden aber auf jede Verletzung der Waffenruhe reagieren, hieß es in einer Erklärung. Das Schweigen der Waffen gelte für “einige Gebiete” von Ost-Ghouta – welche genau, gab die Armee nicht bekannt.

Stunden zuvor hatte Syriens Verbündeter Russland mitgeteilt, sich mit “gemäßigten” Rebellen auf Regelungen zu Ost-Ghouta geeinigt zu haben. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, das entsprechende Abkommen sei nach Gesprächen unter Vermittlung Ägyptens in Kairo unterzeichnet worden.

Von den in Ost-Ghouta aktiven islamistischen Rebellengruppen erklärte keine, das Abkommen unterzeichnet zu haben. Es betrifft den Zuschnitt der Deeskalationszone in Ost-Ghouta und die Stationierung von Soldaten zur Überwachung der Vereinbarungen. Zudem wurden Routen für Hilfslieferungen und die Ausreise von Zivilisten festgelegt. In den “kommenden Tagen” sollen Moskau zufolge die ersten humanitären Konvois und der Abtransport von Verletzten organisiert werden.

Ost-Ghouta ist eine von vier Deeskalationszonen in Syrien, auf deren Einrichtung sich Russland, der ebenfalls mit Syrien verbündete Iran und die Türkei im Mai verständigt hatten. Die Türkei unterstützt in Syrien bewaffnete Regierungsgegner. Die vier Zonen umfassen von Rebellen kontrollierte Gebiete in Ost-Ghouta, in den Provinzen Idlib und Homs sowie im Süden des Landes.

In ihnen sollen eine Flugverbotszone sowie eine Waffenruhe zwischen Regierung und Rebellen gelten. Verhandlungen der drei Garantiemächte über Detailfragen waren bei Gesprächen im kasachischen Astana aber zuvor ergebnislos verlaufen. Anfang Juli war eine Waffenruhe für die Deeskalationszone im Süden des Landes ausgerufen worden. Für die nordwestliche Provinz Idlib und die zentrale Provinz Homs gibt es noch keine entsprechenden Abkommen.

Der Syrien-Konflikt hatte im Frühjahr 2011 mit zunächst friedlichen Protesten gegen die Regierung des Präsidenten Bashar al-Assad begonnen. Seither wurden Schätzungen zufolge mehr als 330.000 Menschen getötet und Millionen Syrer in die Flucht getrieben.

Von: APA/ag.

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