Die USA fühlen sich der Allianz verpflichtet

Trump bekennt sich trotz scharfer Kritik zur NATO

Donnerstag, 12. Juli 2018 | 21:12 Uhr

Trotz seiner scharfen Kritik an der NATO hat sich US-Präsident Donald Trump grundsätzlich zum transatlantischen Bündnis bekannt. Die USA fühlten sich der Allianz verpflichtet, sagte Trump zum Abschluss des zweitägigen NATO-Gipfels in Brüssel am Donnerstag. Zuvor wurde eine Krisensitzung einberufen, nachdem der US-Präsident bei Gesprächen erneut höhere Verteidigungsausgaben gefordert hatte.

Nun hätten sich die anderen Mitgliedstaaten zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben über das Ziel von zwei Prozent der Wirtschaftsleistung hinaus verpflichtet, erklärte Trump. Die NATO sei nun stärker als noch vor zwei Tagen.

Zwischenzeitlich hatte es Berichte gegeben, wonach Trump mit dem Austritt der USA aus dem Bündnis gedroht habe. Dies wurde dann unter anderem von der litauischen Präsidentin Dalia Grybauskaite dementiert. Trump sagte dennoch in seiner Abschluss-Pressekonferenz, er gehe davon aus, dass er auch ohne Zustimmung des Kongresses die NATO verlassen könne. Das sei aber nicht nötig. Zugleich entkräftete der US-Präsident seine zuvor geäußerte Kritik an Deutschland etwas. Er habe großen Respekt für Deutschland, sagte Trump, bekräftigte aber seine Forderung, die Regierung in Berlin müsse mehr Geld in den Verteidigungshaushalt investieren.

“Der amerikanische Präsident hat das gefordert, was ja seit Monaten diskutiert wird – dass die Lastenteilung sich verändert”, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. “Ich habe für mich deutlich gemacht, andere haben das auch deutlich gemacht, dass wir auf diesem Weg sind und dass dies in unserem eigenen Interesse ist.” Auf Nachfrage erklärte sie: “Ich kann nur zusammenfassen, was das Ergebnis ist: Klares Bekenntnis aller zur NATO und eine deutliche Bereitschaft aller auch, angesichts veränderter Sicherheitslagen den eigenen Beitrag auch zu leisten.”

Trump habe gefordert, dass alle NATO-Staaten schneller die Selbstverpflichtung umsetzen sollten, zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben, sagte Grybauskaite. Bisher ist vorgesehen, dass die Mitgliedstaaten den Anteil bis zum Jahr 2024 auf annähernd zwei Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhen. Trump sagte, sei dieses Ziel erreicht, müsse der Anteil auf vier Prozent steigen. Merkel betonte, Deutschland wisse, dass es mehr für Verteidigung leisten müsse. Dies setze die Bundesregierung aber auch um. “Die Trendwende ist längst eingeleitet.”

Mit harten Worten hatte Trump eine Krisensitzung der Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel in Brüssel ausgelöst. Über Trumps genaue Wortwahl gab es unterschiedliche Angaben. “Die Sprache war heute viel schärfer”, sagte ein Insider am Donnerstag. “Er hat sich mehrere Länder herausgepickt, vor allem aber Deutschland.” In der Arbeitssitzung, in der die Politiker eigentlich über die Lage der Ukraine beraten wollten, habe Trump das Wort ergriffen und erneut das Thema Wehrausgaben auf den Tisch gebracht. “Angela, Du musst das ändern”, habe er gesagt. Daneben sei er Spanien und Belgien direkt angegangen.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat indes der Forderung von Trump nach höheren Rüstungsausgaben anderer NATO-Partner zugestimmt. “Die Art, wie er (Trump) die Forderung äußerte, war vielleicht politisch nicht ganz korrekt. (…) In der Substanz ist seine Forderung aber meiner Ansicht nach völlig korrekt”, sagte Tsipras von Brüssel aus am Donnerstagabend im Staats-TV ERT.

Es könne nicht sein, dass Griechenland, das 25 Prozent seines Wohlstands durch die Finanzkrise verloren habe, seine NATO-Verpflichtungen erfülle und andere Staaten, die sogar eine Waffenindustrie besäßen, die Erfüllung ihrer Verpflichtungen in die Zukunft verlegen, monierte Tsipras. Einer der Gründe für die griechische Finanzkrise sei die Erfüllung seiner NATO-Verpflichtungen, sagte Tispras weiter. Griechenland ist einer der wenigen NATO-Staaten, die mehr als zwei Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Verteidigung ausgeben.

Lob für Trumps Engagement für höhere Verteidigungsausgaben der NATO-Partner gab es von Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Alliierten hätten noch einmal zugesagt, ihre Anstrengungen weiter hochzuschrauben. Trump habe beim Thema Verteidigungsausgaben Handlungsdruck erzeugt, erklärte Stoltenberg. Seit dem Amtsantritt von Trump hätten Kanada und die europäischen Alliierten bereits 41 Mrd. US-Dollar (34,94 Mrd. Euro) zusätzlich für Verteidigung ausgegeben.

Das russische Präsidialamt wies unterdessen die Beschreibung Trumps zurück, Deutschland sei ein “Gefangener” Russlands. “Was die Abhängigkeit Deutschlands als großer Gas-Käufer angeht, können wir mit dieser Ansicht nicht übereinstimmen”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die Lieferung von Gas durch Pipelines führe nicht dazu, dass ein Staat von einem anderen abhängig sei, sondern zu einer vollständigen gegenseitigen Abhängigkeit. “Das ist die Garantie für Stabilität und die künftige Entwicklung.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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16 Kommentare auf "Trump bekennt sich trotz scharfer Kritik zur NATO"


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denkbar
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Kinig
8 Tage 2 h

Der amerikanische Präsident Donald Trump ist ein interessantes Lebewesen, das hat er am Nato-Gipfel in Brüssel einmal mehr bewiesen. Am Mittwoch morgen machte er Deutschland grösste Vorwürfe, weil es für die Verteidigung zu wenig Geld ausgebe und mit Russland zweifelhafte Deals eingehe. Wenige Stunden später saß er neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und sprach von einer «sehr, sehr guten Beziehung». Wie das zusammenpasst, weiß Trump allein. 

Firewall
Firewall
Grünschnabel
7 Tage 23 h

Das ist Politik vom Feinsten, Diplomatie Pur, nie jemand Anwesenden beleidigen zu Hause ist er wieder der Alte, Super Trump

Dagobert
Dagobert
Superredner
7 Tage 23 h

Trump sollte mal Hilfe von einem Spezialisten in Anspruch nehmen.

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
6 Tage 23 h

@Firewall UND Er hatt recht.

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
8 Tage 2 h

Nach 73 Jahren Besatzungsmacht, wäre es an der Zeit, dass die Europäer ihre Verteidigung selbst in die Hand nehmen und die Amerikaner vor die Türe setzen! 

gwin
gwin
Grünschnabel
7 Tage 20 h

orschgeige da bin ich deiner meinung: europa sollte sich zusammen tun, der arabische raum, asien, afrika- die regionen sollten sich zusammentun, regional die besten lösungen suchen und global die hegemonialpolitik beenden und die amerikaner überall raus werfen.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
7 Tage 10 h

Jep, sage ich schon lange. Europa wird erst stark, wenn es wirklich unabhängig ist.

Kropfli
Kropfli
Grünschnabel
8 Tage 2 h

Natürlich bleibt Trump der NATO treu! Schliesslich macht die USA Milliarden Umsätze in der Militärindustrie, welche bekanntlich auch immer fleissig im Wahlkampf die Kandidaten unterstützt.
Und nebenbei: ist doch gut, tausende atomare Sprengköpfe in der EU zu stationieren – dort die Front aufzubauen – als auf eigenem Boden.
Und das Weltkriegsgezeichnete Europa sagt schön Danke dazu, denn schliesslich werden wir ja vor Russland geschützt. Ob das notwendig ist fragt keiner. Aber das Gas kaufen wir den Russen dann doch ab. Was für ein Kasperletheater…

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
7 Tage 10 h

Besser wäre Russland würde uns schützen. Sie haben uns das letzte mal den arsch gerettet und die Nazis vernichtend geschlagen. Die Russlandfront brachte die Wende.

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
8 Tage 1 h

Was grenzt an Dummheit? Kanada und Mexiko …😀

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
7 Tage 10 h

Würde es nicht als Dummheit bezeichnen. Da steckt sehr wohl Kalkül dahinter. Egozentrik triffts wohl besser

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
8 Tage 1 h

Trump kennt nur die Strategie des Kartoffelhändlers:
Wenn 2 dein Zielpreis ist, verlange 4, damit der Käufer am Ende bei 1,8 seinen Zuschlag gibt!     

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Tratscher
7 Tage 10 h

Er sagte nochwas…….US-Präsident Trump hat Europa zu äußerster Vorsicht in der Flüchtlingspolitik geraten. “Die Einwanderung übernimmt Europa”, sagt Trump.

ivo815
ivo815
Kinig
6 Tage 4 h

Wenn Trump das sagt kann man getrost davon ausgehen, dass es totaler Nonsense ist

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Tratscher
7 Tage 9 h

Trump forder 2 prozent…..und junker liefert 2 promille. Schaut mal auf daily mail oder in vielen anderen medien gibts ein video wie sich der häuptling von europa schwertut sich auf den beinen zu halten. Dieser mann soll europa repräsentieren? Eine peinliche gestalt….aber vielleicht passend zu den momentanen zustand europas

ivo815
ivo815
Kinig
6 Tage 23 h

Junker sollte nach einem Unfall eigentlich im Rollstuhl sitzen. Er wollte aber nicht im Rollstuhl zum Fototermin, sondern ist gelaufen. Wacklig zwar, aber immerhin. Du und alle die sich darüber lustig machen, sollten sich schämen.

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