Ein spezielles Bombenkommando war im Einsatz

Trump gibt Medien Schuld an hasserfülltem Klima in USA

Donnerstag, 25. Oktober 2018 | 16:32 Uhr

Nach dem Fund von Paketbomben an mehrere prominente Kritiker von US-Präsident Donald Trump hat dieser die Medien für das vergiftete politische Klima im Land verantwortlich gemacht. “Absichtlich falsche und ungenaue Berichterstattung” sorgten für “Wut” in der Gesellschaft, twitterte Trump am Donnerstag mitten im US-Wahlkampf. Die Ermittlungen laufen unterdessen auf Hochtouren.

“Ein sehr großer Teil der Wut, die wir heute in unserer Gesellschaft beobachten, wird verursacht durch absichtlich falsche und ungenaue Berichterstattung der Mainstream-Medien, die ich als Fake News bezeichne”, schrieb Trump auf Twitter. “Es ist so schlimm und hasserfüllt geworden, dass es dafür keine Beschreibung gibt.”

Der US-Präsident hatte am Mittwoch zunächst zur Geschlossenheit aufgerufen, dann aber bereits bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Staat Wisconsin eine Breitseite auf die Medien abgefeuert. Diese müssten ihre “endlose Feindseligkeit und die ständigen negativen und oft falschen Attacken” beenden, forderte Trump in Mosinee. Auf die möglichen Urheber der Paketbombenserie ging er nicht ein.

Seit Trump im Amt ist, wirft der US-Präsident den Medien regelmäßig vor, “Fake News” zu verbreiten, und brandmarkte sie bereits mehrfach als “Feinde des Volkes”. Vor kurzem lobte er einen republikanischen Abgeordneten, der gewaltsam gegen einen Journalisten vorgegangen war.

“Es gibt einen totalen und vollständigen Mangel an Verständnis im Weißen Haus für die Bedeutung der andauernden Angriffe auf die Medien”, sagte CNN-Chef Jeff Zucker, dessen Sender überwiegend kritisch über Trump berichtet und schon mehrfach den Zorn des Präsidenten auf sich gezogen hat. “Wörter wirken.”

Zahlreiche weitere Kritiker bezichtigten Trump, selbst mit seiner oft aggressiven Rhetorik das politische Klima zu vergiften und die Spaltungen in der US-Gesellschaft zu vertiefen. Die demokratischen Spitzenpolitiker Nancy Pelosi und Chuck Schumer warfen Trump vor, wiederholt “physische Gewalt” hingenommen zu haben und “die Amerikaner mit seinen Worten und Taten zu spalten”. Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio erklärte, eine “Atmosphäre des Hasses trägt zu den Entscheidungen bei, die Menschen treffen”. Derzeit liege “sehr viel Hass in der Luft”.

Auch auf Twitter sahen viele Nutzer bei Trump eine Mitverantwortung und verwiesen auf seine wiederholten Angriffe auf die Empfänger der Rohrbomben. Der bisher unbekannte Urheber bekam dort den Spitznamen “MAGA-Bomber” – ein Akronym in Anspielung auf Trumps Wahlkampfslogan “Make America Great Again”.

Die Postsendungen mit Sprengsätzen waren adressiert an den demokratischen Ex-Präsidenten Barack Obama, an die frühere Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sowie den CNN-Experten und früheren CIA-Direktor John Brennan. Letztere Sendung ging im CNN-Gebäude in New York ein. Auch Obamas früherer Justizminister Eric Holder und die demokratische Abgeordnete Maxine Waters sollten Päckchen erhalten.

An Hollywood-Star und Trump-Kritiker Robert De Niro ging ebenfalls ein verdächtiges Päckchen. Ein Mitarbeiter der von De Niro mitbegründeten Produktionsfirma habe die Polizei am Donnerstag alarmiert, sagte ein Behördensprecher. Die Beamten rückten demnach mit einem Kommando zur Bombenentschärfung an und holten die Sendung zur Analyse ab. Mehrere andere Sender berichteten unterdessen, dass auch an den früheren Vizepräsidenten Joe Biden ein verdächtiges Päckchen adressiert worden sei. Der Sender MSNBC berichtete sogar von zwei verdächtigen Sendungen an Biden.

Die Suche nach dem Ursprung der Rohrbomben lief auf Hochtouren. Der New Yorker Polizeichef James O’Neill sagte auf CNN, noch sei unklar, ob ein Einzeltäter oder ein Netzwerk dahinter stehe. Er gehe aber davon aus, dass der oder die Täter in den kommenden Tagen gefasst würden. FBI-Chef Christopher Wray bat die Bevölkerung um Hinweise. “Zögern Sie nicht anzurufen, keine Information ist zu klein, um uns bei dieser Ermittlung zu helfen.”

Reporter ohne Grenzen sieht in der Bombendrohung gegen CNN eine Drohung gegen alle Medien. “Der US-Präsident trägt Verantwortung für Medienhass und Gesellschaftsspaltung, wenn er fortwährend gegen Journalisten und politisch anders Denkende hetzt”, erklärte Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, in einer Aussendung. Seit dem Beginn der Ära Trump hätten Morddrohungen gegen Journalisten zugenommen. Trump toleriere immer wieder Gewalt gegen Journalisten.

Von: APA/ag.

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