Scheinfirma sollte millionenschwere Geschenke verschleiern

Trump half Eltern offenbar bei Steuervermeidung

Mittwoch, 03. Oktober 2018 | 20:46 Uhr

US-Präsident Donald Trump soll einem Zeitungsbericht zufolge in millionenschwere Steuertricksereien seiner Familie verwickelt sein, die bis hin zu Betrug reichten. Er habe in den 1990er-Jahren seinen Eltern bei der Umgehung von Steuern geholfen, berichtete die “New York Times” am Dienstag unter Berufung auf “einen großen Fundus” an vertraulichen Steuererklärungen und Finanzunterlagen.

Dazu habe Trump mit seinen Geschwistern eine Scheinfirma gegründet, um millionenschwere Geschenke seiner Eltern zu verschleiern. Zudem sei er daran beteiligt gewesen, den Wert der elterlichen Immobilien herabzusetzen. Dies habe zu einer um Hunderte Millionen Dollar reduzierten Steuerlast geführt, als diese Immobilien auf ihn und seine Geschwister übertragen worden seien.

Das Weiße Haus wies den Bericht der “New York Times” zurück. “Es ist ein absolut falscher Angriff, basierend auf einer alten, recycelten Geschichte”, sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. “Es gab keinen Betrug und keine Steuervermeidung.”

Das einzig Wahre an der Geschichte sei, dass Trumps Vater seinem Sohn sehr vertraute, sagte Sanders. Trump habe viele gemeinsame Geschäfte in die Wege geleitet. Laut Sanders hat Trumps Vater über seinen Sohn gesagt: “Alles was er anfasst, wird zu Gold”.

Der Zeitung zufolge soll alleine der heutige Präsident von seinem Vater Fred Trump Werte aus dessen Immobiliengeschäft im heutigen Wert von mindestens 413 Millionen Dollar bekommen haben. Ein Großteil davon gehe auf die dubiose Steuervermeidungshilfe für seine Eltern zurück. Trump hatte im Wahlkampf erklärt, er habe sein Immobilien-Imperium allein aufgebaut und als Starthilfe nur einen “sehr kleinen” Kredit seines Vaters erhalten. Anders als vorherige Präsidentschaftskandidaten und Präsidenten in den vergangenen Jahrzehnten hat Trump eine Offenlegung seiner Steuererklärungen verweigert.

Die Eltern des Präsidenten, Fred und Mary Trump, sollen laut der Zeitung ihren Kindern weit über eine Milliarde Dollar an Vermögen übertragen haben. Darauf wären demnach gemäß der Erbschaftsteuer von 55 Prozent mindestens 550 Millionen Dollar an Steuern fällig gewesen. Gezahlt worden seien aber lediglich rund 52 Millionen oder etwa fünf Prozent.

Trumps Steuererklärungen gingen der Zeitung zufolge nicht in die Recherchen ein. Sie stützte sich vielmehr auf Steuererklärungen von Fred Trump, dessen Unternehmen und Partnern. Zudem beruft sich die Zeitung auf Gespräche mit früheren Angestellten und Beratern Fred Trumps sowie auf mehr als 100.000 Seiten Unterlagen zu den Verflechtungen von dessen Firmenimperium.

Anwalt Harder wies die Vorwürfe einer Beteiligung des Staatschefs in die Steuerangelegenheit zurück. “Präsident Trump war praktisch in keiner Weise in diese Sachen verwickelt”, sagte er der “New York Times”. “Um die Angelegenheiten kümmerten sich andere Mitglieder der Trump-Familie.” Diese seien keine Experten gewesen und hätten sich auf anerkannte Profis verlassen, um die Einhaltung von Gesetzen voll und ganz zu gewährleisten. Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders erklärte, die US-Steuerbehörde habe die Steuererklärungen vor vielen Jahrzehnten geprüft und abgezeichnet. Reuters konnte den Bericht der “New York Times” zunächst auch nicht verifizieren.

Ein Sprecher der New Yorker Steuerbehörde erklärte, die Vorwürfe würden geprüft. Die Zeitung zitierte Experte, wonach Trump wohl wegen der Verjährungsfrist keine Strafverfolgung drohe. Es gebe jedoch keine zeitliche Begrenzung für zivilrechtliche Geldstrafen bei Steuerbetrug.

Von: APA/ag.