In der Rhetorik sind beide Seiten äußerst aggressiv

Trump kontert Nordkoreas Angriffsdrohung

Sonntag, 24. September 2017 | 14:06 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat auf Nordkoreas jüngste Angriffsdrohung mit eigenen Drohungen und Schmähungen gegen Machthaber Kim Jong-un und dessen Außenminister Ri Yong-ho reagiert und Kim erneut als “Raketenmann” bezeichnet. “Ich habe gerade den Außenminister von Nordkorea bei der UN sprechen hören. Wenn er die Gedanken des kleinen Raketenmannes wiederholt, werden sie nicht mehr lange hier sein!”

Das schrieb Trump am Samstagabend (Ortszeit) im Kurznachrichtendienst Twitter. Er hatte Kim bereits am Dienstag bei seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen als “Raketenmann auf einer selbstmörderischen Mission” bezeichnet.

Ri hatte vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen gesagt, Raketen auf das US-Festland abzufeuern sei nach den jüngsten Verbalattacken von Trump unausweichlich geworden. Der Minister unterstrich, dass Trumps Rede bei der UNO, in der er auch mit der völligen Vernichtung Nordkoreas gedroht hatte, unverantwortlich gewesen sei. Er sei selbst auf einer “Selbstmordmission”.

Trotz der Sorge um Nordkoreas Atomprogramm lehnen unterdessen zwei Drittel der US-Amerikaner einer Umfrage zufolge einen Präventivschlag gegen Nordkorea ab. 72 Prozent der gut 1.000 Befragten vertrauen zudem eher auf die Führung des US-Militärs als auf Präsident Donald Trump, mit dem Konflikt verantwortungsvoll umzugehen, wie die US-Zeitung “The Washington Post” nach einer gemeinsamen Umfrage mit dem TV-Sender ABC am Sonntag berichtete. Vergleichsweise wenige 37 Prozent setzen dabei auf Trump.

Lediglich acht Prozent der Befragten trauen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ein verantwortungsvolles Handeln zu. Insgesamt lehnen 57 Prozent die Arbeit von Trump ab, während 39 Prozent diese gutheißen.

Die Umfrage fand zwischen dem 18. und dem 21. September statt und fiel damit zeitlich zusammen mit der Rede Trumps vor den Vereinten Nationen. Dabei hatte der Präsident Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un am Dienstag unter anderem als “Raketenmann auf einer selbstmörderischen Mission” bezeichnet. Damit habe er einen “Krieg der Worte” entfesselt, der möglicherweise ein neues gefährliches Kapitel im Konflikt geöffnet haben könnte, schreibt die Zeitung.

Etwa drei Viertel der Befragten befürworten ferner Wirtschaftssanktionen als Druckmittel, um den weitgehend isolierten kommunistisch regierten Staat zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen.

In Nordkorea wurden unterdessen Zehntausende von Bürgern in Pjöngjang zu einer Kundgebung gegen die USA mobilisiert. Mehr als 100.000 Menschen aus allen Gesellschaftsschichten hätten sich am Samstag auf dem Kim-Il-Sung-Platz der Hauptstadt “in dem vollen Geist versammelt, die Feinde auszulöschen”, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Alle Parteimitglieder und Bürger von Pjöngjang seien entschlossen, “die US-Imperialisten, den eingeschworenen Feind, vollständig von der Erde zu beseitigen”, rief demnach der Vizevorsitzende des Stadtkomitees der herrschenden Arbeiterpartei, Choe Hak-chol, als einer von mehreren Rednern der Menge zu. Solche Massenkundgebungen sind in Nordkorea nicht unüblich, um die Unterstützung der Bürger für die Politik der kommunistischen Regierung zu demonstrieren.

Nach Einschätzung der russischen Regierung haben Nordkoreas Raketen- und Atomtests bereits eine abschreckende Wirkung. “Die Amerikaner werden Nordkorea nicht angreifen, weil sie genau wissen, dass diese eine Atombombe haben”, sagte Außenminister Sergej Lawrow dem russischen Fernsehsender NTW am Sonntag.

Sollten die USA dennoch angreifen, könne dies zu einer völlig unvorhersehbaren Lage führen, warnte Lawrow. Unter den Folgen eines Krieges würden Hunderttausende Menschen leiden, nicht nur auf der koreanischen Halbinsel, sondern auch in Japan, China und Russland. Die USA und Nordkorea überziehen sich seit Wochen mit immer schärferen Anfeindungen und offenen Kriegsdrohungen.

Von: APA/dpa/ag.