Syrien bestreitet Einsatz von Giftgas

Trump lässt Militäreinsatz in Syrien offen

Montag, 09. April 2018 | 23:08 Uhr

US-Präsident Donald Trump hält sich nach dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff auf die Rebellenenklave Duma bei Damaskus die Option eines Militärschlags gegen Syrien offen. “Nichts ist ausgeschlossen”, sagte Trump am Montag bei einer Kabinettssitzung auf eine entsprechende Frage. In einer Sicherheitsrat-Sitzung warnte Russland den Westen vor militärischen Reaktionen.

Derzeit werde die Lage analysiert und auch mit den Militärs besprochen. Wahrscheinlich werde er noch am Montag eine Entscheidung treffen. “Wir werden herausfinden, ob es Russland, Syrien, Iran oder alle zusammen waren”, sagte Trump, der von einem abscheulichen Angriff auf Zivilisten sprach.

Trump hatte schon am Sonntag mit Vergeltung für den Angriff in Duma gedroht. Für den C-Waffen-Angriff werde “ein hoher Preis zu zahlen” sein, sagte er. Bei dem Angriff wurden nach Angaben von Zeugen und Hilfskräften 60 Menschen getötet und rund 1.000 verletzt.

Russland hat den Westen vor einer militärischen Reaktion gewarnt. Bewaffnete Angriffe “unter dem lügnerischen Vorwand, sich gegen Syrien zu richten”, würden “schwere Folgen” haben, sagte der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Wassily Nebensja, am Montag bei einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats in New York.

“Wir fordern den Westen auf, seine kriegerische Rhetorik zu unterlassen”, fügte Nebensja hinzu. Moskau habe Washington gewarnt, dass es keine Gefährdung russischer Soldaten auf syrischem Boden dulden werde.

Die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, wiederholte in der Sicherheitsratssitzung die Drohung ihrer Regierung mit einer militärischen Reaktion. “Wir haben den Punkt erreicht, an dem die Welt sehen muss, dass in Syrien der Gerechtigkeit genüge getan wird”, sagte sie. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor eine rasche Antwort auf den mutmaßlichen Giftgasangriff angekündigt. Seine Regierung werde diese Entscheidung innerhalb der nächsten 48 Stunden treffen, sagte Trump am Montag.

Russland stellt hingegen die Echtheit des mutmaßlichen Giftgasangriffs nahe Damaskus, bei dem Aktivisten zufolge mehr als 150 Menschen getötet und rund 1.000 verletzt wurden, infrage. Russische Ermittler hätten keine Belege für einen solchen Angriff gefunden, sagte Nebensja in der Dringlichkeitssitzung. Rebellen hätten den Angriff lediglich inszeniert.

Die Berichte aus der von Rebellen kontrollierten Stadt Duma in Ost-Ghouta über einen Angriff seien “fake news”. Nicht ein einziger Bewohner habe bestätigt, dass ein Chemiewaffenangriff stattgefunden habe. Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sollten umgehend in die Region reisen, um sich ein eigenes Bild von der Lage vor Ort zu machen, forderte Nebensja. Die russischen und syrischen Truppen würden ihnen Zugang zu der Region ermöglichen.

Den USA und deren Verbündeten Frankreich und Großbritannien warf Nebensja Versagen im Nahen Osten vor. “Was auch immer Sie anfassen, Sie hinterlassen nur Chaos”, sagte Nebensja. Den Regierungen in Washington, Paris und London warf er “Beleidigungen, Erpressung, Sanktionen und flegelhaftes Verhalten” vor. Russland werde auf unentschuldbare Weise und noch stärker als zu Zeiten des Kalten Krieges bedroht. Die Berichte über den mutmaßlichen Giftgasangriff seien der Versuch des Westens, vom Fall des vergifteten russischen Doppelagenten Sergej Skripal abzulenken.

Der UNO-Sicherheitsrat beriet am Montag auf Antrag der USA, Frankreichs, Großbritanniens und sechs weiterer Länder über den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Duma. Das Weiße Haus beschuldigte Moskau und Teheran am Montag erneut, für “diese Taten” mit verantwortlich zu sein. “Sie wären nicht möglich ohne ihre materielle Unterstützung”, sagte Pressesprecherin Sarah Sanders. Die syrische Regierung sowie ihre Verbündeten Russland und Iran haben die Verwendung chemischer Waffen abgestritten.

Von: APA/dpa/ag.