Trump will Truppen bald aus Syrien abziehen

Trump nährt Spekulationen über Ende des Syrien-Einsatzes

Samstag, 31. März 2018 | 18:27 Uhr

Nach seiner Ankündigung eines Truppenabzugs aus Syrien nährt US-Präsident Donald Trump weiter Spekulationen über ein baldiges Ende des Militäreinsatzes in dem Bürgerkriegsland. Das Weiße Haus wies das Außenministerium an, mehr als 200 Millionen US-Dollar (162 Mio. Euro) für den Wiederaufbau Syriens einzufrieren, berichtete das “Wall Street Journal” am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman forderte Trump zugleich auf, die US-Truppen in Syrien zu lassen. Das “Wall Street Journal” meldete weiter, Trump habe Berichte gelesen, dass die US-Regierung kürzlich zusätzliche 200 Millionen Dollar für den Wiederaufbau zugesagt hatte, und daraufhin die Streichung veranlasst. Der kürzlich entlassene Außenminister Rex Tillerson hatte die Gelder im Februar in Kuwait bei einem Treffen der internationalen Anti-IS-Koalition zugesagt.

Die USA sind seit 2014 an der Spitze des Bündnisses in Syrien und im Irak im Einsatz, um die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu bekämpfen. Jets fliegen regelmäßig Luftangriffe gegen die Extremisten. Truppen am Boden unterstützen zudem die Kurdenmiliz YPG, die große Gebiete im Norden und Osten Syriens vom IS erobert hat. Das Pentagon hatte im Dezember erklärt, dass sich etwa 2.000 US-Soldaten in Syrien befinden.

Trump hatte am Donnerstag bei einer wahlkampfartigen Rede im US-Staat Ohio überraschend einen baldigen Rückzug aus dem Bürgerkriegsland angekündigt. “Übrigens, wir machen den IS echt fertig”, sagte Trump. “Wir kommen (…) sehr bald aus Syrien raus.” Andere sollten sich nun um den Konflikt kümmern, fügte der US-Präsident hinzu.

Unklar ist, warum Trump seine Ankündigung zum jetzigen Zeitpunkt machte und ob es überhaupt schon konkrete Planungen seines sicherheitspolitischen Apparates gibt. Der Präsident steht damit im Widerspruch sowohl zum Außen- als auch zum Verteidigungsministerium in Washington.

Pentagon-Chef James Mattis hat in den vergangenen Monaten wiederholt signalisiert, dass er den Einsatz noch längst nicht für beendet hält. Erst am Dienstag erklärte er, dass dieser weitergehe. Ende Dezember hatte der Verteidigungsminister zudem gesagt, dass die USA mehr diplomatisches Personal in das Bürgerkriegsland entsenden würden und dass das US-Militär für den Schutz dieser zivilen Mitarbeiter zuständig sein werde.

Ein Grund für Trumps Haltung könnte sein, dass er die IS-Terrormiliz in Syrien für besiegt hält, nachdem sie in dem Bürgerkriegsland nur noch sehr wenige Gebiete kontrolliert.

Die US-Unterstützung für die YPG stößt auch auf massive Kritik der Türkei. Diese stuft die Kurdenmiliz wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen kurdische Arbeiterpartei PKK als Terrororganisation ein. Türkische Truppen und syrische Verbündete eroberten die bisher von der YPG kontrollierte Region Afrin im Nordwesten Syriens. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte, die Offensive fortsetzen zu wollen. Trumps Ankündigung weckt nun bei den Kurden Befürchtungen, die USA könnten ihr Bündnis mit der YPG aufgeben.

Der saudische Kronprinz sprach sich hingegen für einen Verbleib der US-Truppen in Syrien aus. “Wir glauben, dass amerikanische Truppen zumindest mittelfristig, wenn nicht sogar langfristig bleiben sollten”, sagte Mohammed bin Salman dem US-Magazin “Time”.

Der Monarch erklärte, die US-Präsenz in Syrien sei der letzte Versuch, den Iran davon abzuhalten, seinen Einfluss in der Region auszudehnen. Der Iran wolle vom Libanon über Syrien und den Irak bis in seine Hauptstadt Teheran eine Landverbindung errichten. Das sunnitische Saudi-Arabien ist ein Erzfeind des schiitischen Iran. Auch Trump will den Druck auf Teheran eigentlich erhöhen.

Mohammed bin Salman pflegt enge Beziehungen zum US-Präsidenten. Am Donnerstag hatte er in einem “Wall Street Journal”-Interview gewarnt, in zehn bis 15 Jahren drohe ein Krieg mit dem Iran, wenn nicht mehr Druck auf das “Regime” in Teheran ausgeübt werde.

Unterdessen berichteten syrische Staatsmedien, die vorletzte Rebellenenklave in der Region Ost-Ghouta nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus sei geräumt. Die Gebiete Jobar, Arbin, Samalka und Ain Terma seien “sicher und vom Terrorismus geleert”, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Samstag, nachdem die letzten Busse mit Kämpfern und Zivilisten die Region verlassen hatten. Die Verhandlungen mit der letzten in der Region verbliebenen Rebellengruppe Jaish al-Islam über die Übergabe der Stadt Duma stockten allerdings zuletzt.

Die syrische Armee hatte Mitte Februar mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine groß angelegte Offensive auf Ost-Ghouta gestartet. Dabei eroberte sie inzwischen mehr als 90 Prozent des Gebiets an den Toren der Hauptstadt. Die Einnahme von Ost-Ghouta hat für den syrischen Machthaber Bashar al-Assad wegen ihrer Nähe zu Damaskus besondere strategische und symbolische Bedeutung.

Von: APA/ag.