Trump inszeniert sich als strategisches Genie

Trump nennt US-Abzug aus Nordsyrien “strategisch brillant”

Mittwoch, 16. Oktober 2019 | 23:13 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat seinen auch in der eigenen Partei heftig umstrittenen Syrien-Kurs als “strategisch brillant” verteidigt. Die US-Soldaten seien durch ihren Abzug aus Nordsyrien nun “total sicher”, sagte Trump am Mittwoch in Washington. Die bisher mit den USA verbündeten kurdischen Kämpfer würden nun von Syrien geschützt – “das ist gut”, unterstrich der US-Präsident.

Trump wird nicht nur von den oppositionellen Demokraten, sondern auch aus der eigenen Republikanischen Partei heftig für den Truppenabzug kritisiert, mit dem er den Weg für die türkische Offensive gegen die Kurden in Nordsyrien freigemacht hatte. Dem US-Präsidenten wird unter anderem vorgeworfen, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) verraten und die Gefahr einer Neugruppierung der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) heraufbeschworen zu haben.

Die YPG und die US-Truppen hatten in den vergangenen Jahren gemeinsam erfolgreich den IS bekämpft. Inzwischen redet Trump aber schlecht über die kurdischen Kämpfer. Diese seien “keine Engel”, sagte er am Mittwoch.

Wie der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan schlug Trump einen direkten Bogen von der YPG zu den Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) innerhalb der Türkei. Die PKK, “die Teil der Kurden sind”, sei wahrscheinlich eine “in vielerlei Hinsicht größere terroristische Bedrohung als der IS”, sagte er. Die türkische Regierung stuft die PKK als “Terrororganisation” ein.

Der US-Präsident bestritt jedoch, dass er Erdogan in einem Telefonat drei Tage vor Beginn der türkischen Offensive dafür “grünes Licht” erteilt habe. “Genau das Gegenteil” sei der Fall gewesen, sagte Trump während eines Treffens mit dem italienischen Staatschef Sergio Mattarella im Weißen Haus. Allerdings sei die türkische Invasion schon seit langem geplant gewesen, deswegen habe sie ihn “nicht überrascht”, sagte Trump.

US-Vizepräsident Mike Pence und US-Außenminister Mike Pompeo wollen am Donnerstag nach Ankara kommen, um sich bei Erdogan für einen Stopp der Offensive einzusetzen. Am Montag hatte die US-Regierung Sanktionen gegen die Türkei verhängt.

Trump beschrieb den Konflikt zwischen Syrien und der Türkei allerdings auch als Angelegenheit, welche die USA nichts angehe: “Es ist nicht unsere Grenze, lasst sie ihre eigenen Kriege kämpfen”. Sein Ziel sei es, die US-Truppen aus den “endlosen Kriegen” herauszuholen.

Die Kritik, dass er mit dem Truppenabzug auch eine weitere Stärkung der Rolle Russlands in der Region ermögliche, wies Trump zurück. Moskau unterstützt den syrischen Machthaber Bashar al-Assad im Bürgerkrieg. Der US-Präsident sagte dazu, wenn Syrien “etwas Hilfe von Russland bekommt, ist das in Ordnung”. In Syrien gebe es “viel Sand”, merkte Trump sarkastisch an. “Also gibt es viel Sand, mit dem sie spielen können.”

Mit seinen jüngsten Äußerungen fachte Trump den Streit auch im eigenen Lager um seine Syrien-Politik weiter an. Er fürchte, dass aus diesem Kurs ein “komplettes und heilloses Desaster für die nationale Sicherheit” der USA entstehen könne, schrieb der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham im Kurzbotschaftendienst Twitter. Seine Sorge sei, dass die USA künftig keine Verbündeten in der Region mehr gegen den “radikalen Islam” fänden, der IS neu erstarken könnte und der Einfluss des Iran wachse.

Von: APA/ag.

Kommentare

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11 Kommentare auf "Trump nennt US-Abzug aus Nordsyrien “strategisch brillant”"


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zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
27 Tage 9 h

Mit dem Rückzug der USA aus Nordsyrien kommt der EU eine grössere Verantwortung zu. Vermutlich war genau das gewollt und nun zeigt sich die ganze Unentschlossenheit und Zaghaftigkeit der EU.

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
27 Tage 6 h
Die türkische Volkswirtschaft kann sich das Syrienabenteur schlicht nicht leisten. R. Erdogan muss also, um es zu bezahlen, Geld von seinen Einwohnern nehmen. Das gilt ebenfalls für V. Putin, B. al-Assad. Die Ayatollahs im Iran gehen schon längst am Bettelstab. R. Erdogans Kurden-Phobie lässt ihn jede Vernunft vermissen. V. Putins Anliegen am Mittelmeer Militärbasen zu erhalten, lässt bei ihm zu Hause die Rentner leiden. Die Ayatollahs im Iran müssen die Shiiten in Syrien teuer an der Macht halten. B. al-Assad sorgte zusammen mit den drei anderen Armenhausverwaltern dafür, dass eine halbe Millionen Syrer ermordet wurden, dazu etwa die Hälfte der… Weiterlesen »
Orschgeige
Orschgeige
Universalgelehrter
27 Tage 2 h

Wenn die EU geschlossen auftreten würde, könnte sie Erdogan in kürzester Zeit kalt stellen.  

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
26 Tage 21 h

Immerhin wird jetzt endlich offen ausgesprochen, dass die Aufständischen in Syrien eben doch nicht nur freiheitsliebende Intellektuelle sind, sondern Hardcore-Islamisten. Das passte vor Jahren nicht ins Bild derer, die B. al-Assad zum einzigen bösen Buben in diesem Spiel gemacht haben.
Genauso wird man eines Tages sicherlich auch die Kurden etwas differenzierter beschreiben.
Das ändert aber nichts an den zahlreichen Verfehlungen R. Erdogans, aber man sollte trotzdem objektiv bleiben.

GGP
GGP
Grünschnabel
27 Tage 16 Min

keine ahnung was da abgeht…

elmar
elmar
Superredner
26 Tage 19 h

Der gehört zusammen den Türken vor ein UN Tribunal den Beisein sind Massenmörder

knoflheiner
knoflheiner
Universalgelehrter
26 Tage 13 h

der erdogan…. a gonz gefährlicher monn. do weart die eu nou gonz fest bluatn.

Rechner
Rechner
Universalgelehrter
26 Tage 18 h

Mein Englisch ist mäßig, aber was der so von sich gibt ist total unerträglich. Komplett ohne Zusammenhänge. 

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
25 Tage 21 h

R. Erdogan taktiert sehr geschickt zwischen den USA und Russland, Dazu kann der die Offensive ohne Gesichtsverlust stoppen. Und auch für D. Trump ist diese Waffenruhe innenpolitisch viel wert. Es bleibt die Frage wie das dauerhaft weitergehen soll. Bleiben türkische Truppen in Syrien oder gibt es ein Abkommen mit B. al-Assad?
Die Verlierer sind jedenfalls die Kurden. Für sie wird es kein Kurdistan und keine grössere Autonomie geben, zumindest nicht in den nächsten Jahren.

joe02
joe02
Superredner
24 Tage 18 h

Die Gedanken des Trump sind unergründlich!

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