Es ist Zeit für einen "pro-amerikanischen Lehrplan"

Trump plädiert für “patriotischen” Unterricht an US-Schulen

Freitag, 18. September 2020 | 08:38 Uhr

Mitten in der Debatte über Rassismus und Diskriminierung in den USA wirbt Präsident Donald Trump für “patriotische” Unterrichtsinhalte an den Schulen seines Landes. Er will daher eine Kommission zur Förderung “patriotischer Bildung” einsetzen. Die Ausschreitungen in US-Städten in den vergangenen Monaten seien ein Ergebnis von “Jahrzehnten linker Indoktrination in unseren Schulen”, sagte Trump.

Dabei werde versucht, Schüler dazu zu bringen, sich für die Geschichte des Landes zu schämen. Das sei “eine Form des Kindesmissbrauchs”, sagte Trump. Die per Präsidentenerlass gebildete Kommission für patriotische Bildung solle das ändern.

“Unserer Jugend wird beigebracht werden, Amerika mit ihrem ganzen Herzen und ihrer ganzen Seele zu lieben”, sagte Trump. “Wir wollen, dass unsere Söhne und Töchter wissen, dass sie Bürger der außergewöhnlichsten Nation der Weltgeschichte sind.”

In Amerika gibt es schon länger eine Debatte darüber, ob Rassismus in Institutionen und Alltag verankert ist – und darüber, inwieweit die frühe Geschichte der Vereinigten Staaten von der Sklaverei geprägt wurde. Die Kontroverse spitzte sich in den vergangenen Monaten nach dem Tod schwarzer Amerikaner durch Polizeigewalt und den zum Teil gewalttätigen Protesten dagegen zu.

Vor der Präsidentenwahl am 3. November beziehen Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden klar Position auf verschiedenen Seiten der Debatte. Biden sprach Anfang des Monats davon, dass sich Amerika seiner “Ursünde” der Sklaverei und ihrer Folgen stellen müsse. Trump verneinte stets, dass es systematischen Rassismus in den USA oder in Institutionen wie der Polizei gebe.

In seiner Rede am Donnerstag griff der Präsident speziell das “1619”-Projekt der “New York Times” an. Die Zeitung nahm das Eintreffen des ersten Schiffes mit Sklaven aus Afrika in einer englischen Kolonie in Nordamerika – in Virginia – in dem Jahr zum Anlass, die Rolle der Sklaverei im Werdegang der USA zu analysieren. Trump sprach von einem Kreuzzug gegen die amerikanische Geschichte – “toxische Propaganda, ideologisches Gift”, die das Land zu zerstören drohten.

Die Sklaverei war in den USA erst nach dem Bürgerkrieg mit dem 13. Zusatz zur US-Verfassung 1865 abgeschafft worden. Unter den Gründervätern der USA 1776 waren mehrere Sklavenhalter.

Von: APA/ag.