Trump bringt Außenministerium in Bedrängnis

Trump überrascht mit Ankündigung von baldigem Syrien-Abzug

Freitag, 30. März 2018 | 19:08 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat mit der Ankündigung eines raschen Endes des Syrien-Einsatzes für Verwunderung gesorgt. “Wir werden sehr bald aus Syrien abziehen”, sagte Trump am Donnerstag in einer Rede vor Industriearbeitern in Ohio. Trump hatte die Ankündigung offenbar nicht mit der Regierung abgestimmt: Das Außenministerium wusste nach eigenen Angaben nichts von einer entsprechenden Entscheidung.

Die US-Soldaten sollten “zurück in unser Land kommen, wo sie auch hingehören”, sagte der Präsident der Vereinigten Staaten. In seiner von populistischen Tönen durchzogenen Rede zog Trump eine verheerende Bilanz der US-Interventionen im Nahen Osten: “Wir haben sieben Billionen Dollar (5,68 Bill. Euro) im Nahen Osten ausgegeben – und was haben wir dafür bekommen? Nichts.”

Am Donnerstagabend waren zwei Angehörige der US-geführten Anti-IS-Koalition in Syrien bei einer Bombenexplosion getötet worden. Einer der Getöteten ist ein US-Bürger, wie ein Vertreter des amerikanischen Militärs sagte. Der zweite getötete Mann sei ein Brite, bestätigte das Verteidigungsministerium in London.

Trump sagte, um Syrien sollten sich nun “andere Leute” kümmern. Wen er damit meint, sagte der US-Präsident aber nicht. Neben den USA haben noch Russland und der Iran größere Truppenkontingente in Syrien stationiert, beide unterstützten allerdings den syrischen Machthaber Bashar al-Assad und sind erklärte politische Gegner der USA.

Trump rechtfertigte einen Rückzug der US-Truppen auch damit, dass das von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ausgerufene “Kalifat” weitgehend besiegt sei. In seiner streckenweise unzusammenhängenden Rede sagte er: “Sehr bald – sehr bald kommen wir raus. Wir werden hundert Prozent des Kalifats haben, wie sie es nennen – manchmal auch bezeichnet als ‘Land’ – holen alles zurück schnell, schnell.”

Mit dem Außenministerium hat Trump seine Abzugspläne offenbar nicht abgestimmt. Auf die Frage, ob sie über die Pläne im Bilde sei, sagte Ministeriumssprecherin Heather Nauert: “Bin ich nicht, nein. Nein.”

Die IS-Miliz hatte im Juni 2014 ein “Kalifat” in großen Teilen Syriens und des Irak ausgerufen. Durch den Einsatz einer von den USA angeführten Militärkoalition verlor der IS seitdem aber stark an Boden. Im Osten Syriens sind zudem mehr als 2000 US-Soldaten im Einsatz, die den Kampf diverser Milizen gegen den IS unterstützen.

Im Jänner hatte der damalige Außenminister Rex Tillerson noch angekündigt, den US-Militäreinsatz in Syrien auszuweiten, um die IS-Miliz weiter zu bekämpfen und Assad aus dem Amt zu drängen. Trump hat Tillerson Mitte März entlassen.

Von: APA/ag.