Trump möchte über China sprechen

Trump will G7-Gipfel nun im September und Putin einladen

Sonntag, 31. Mai 2020 | 17:11 Uhr

Nach der Absage von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel für ein Treffen im Juni will US-Präsident Donald Trump den G7-Gipfel in den USA auf September verschieben und das Treffen unter anderem um Russland erweitern. Er habe nicht das Gefühl, dass die “sehr veraltete Gruppe” der sieben großen Industriestaaten das Geschehen auf der Welt richtig abbilde, sagte Trump am Samstagabend (Ortszeit).

Er wolle Russland, Südkorea, Australien und Indien zu dem Treffen einladen, das vorzugsweise im September stattfinden solle. Dies stieß international zunächst auf verhaltene Reaktionen, insbesondere in Moskau.

Dem Pool-Bericht zufolge ließ Trump den genauen Zeitpunkt des geplanten Gipfels offen. Demnach sagte er, das Treffen könnte vor oder nach der UNO-Generalversammlung stattfinden, die Mitte September beginnen soll. Es könnte aber auch auf die Zeit nach der US-Präsidentschaftswahl im November verschoben werden – lieber wäre ihm das Treffen aber vor der Wahl.

Die Aussagen Trumps an Bord der “Air Force One” wurden vom sogenannten Pool verbreitet – der kleinen Gruppe an Journalisten, die den Präsidenten ständig begleiten und die Informationen dann an andere Medien weitergeben. Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte zu Trumps Vorschlag, damit würden traditionelle Verbündete zusammengebracht, um über den Umgang mit China zu diskutieren. Trump wirft China vor, die Ausbreitung des Coronavirus nicht verhindert zu haben. Zur “Gruppe der Sieben” gehören neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan.

Trump ist in diesem Jahr Gastgeber des G7-Gipfels. Ursprünglich war das Treffen für den 10. bis 12. Juni am Landsitz des Präsidenten in Camp David geplant gewesen. Im März hatte die US-Regierung den Gipfel wegen der Corona-Pandemie abgesagt und stattdessen eine Videokonferenz angesetzt. Kürzlich hatte Trump sich dann doch wieder dafür ausgesprochen, das Treffen bald persönlich stattfinden zu lassen – als Zeichen der Erholung in der Corona-Krise. US-Regierungsvertreter hatten als Termin zuletzt Ende Juni genannt.

Die Coronakrise ist dabei keineswegs überstanden. Die USA sind von der Pandemie besonders schwer getroffen, inzwischen verzeichnet das Land mehr als 100.000 Tote. Mehr als 40 Millionen Menschen haben sich in den USA arbeitslos gemeldet. Trump drängt die US-Bundesstaaten dazu, Schutzmaßnahmen zu lockern, damit die Wirtschaft wieder in Gang kommt. Aktuell gelten coronabedingt noch strenge Reisebeschränkungen zwischen den USA und Europa, was zusätzliche Fragen zur Machbarkeit eines Gipfels aufgeworfen hatte.

Merkel hatte am Samstag deutlich gemacht, dass sie wegen der Coronakrise voraussichtlich nicht für einen G7-Gipfel in die USA reisen würde. Die deutsche Kanzlerin dankte Trump für seine Einladung. Zugleich stellte ein Regierungssprecher klar: “Stand heute kann sie in Anbetracht der Pandemie-Gesamtlage ihre persönliche Teilnahme, also eine Reise nach Washington, nicht zusagen.” Zuvor hatte sich Großbritanniens Premierminister Boris Johnson für ein reales G7-Treffen im kommenden Monat ausgesprochen.

Für Diskussionen innerhalb der G7 dürfte Trumps Vorstoß sorgen, Russland einzuladen. Das von Präsident Wladimir Putin regierte Land war nach der Krim-Annexion 2014 ausgeschlossen worden. Beim jüngsten G7-Gipfel in Frankreich im vergangenen August war Trump mit seinem Vorschlag gescheitert, Russland wieder in die Gruppe wichtiger Wirtschaftsmächte aufzunehmen. Zugleich hatte er nicht ausgeschlossen, Putin zu dem Gipfel in die USA einzuladen. Bereits beim G7-Treffen in Kanada 2018 hatte Trump sich nicht mit seinem Vorstoß durchsetzen können, Russland wieder aufzunehmen. Russland ist – anders als die anderen Länder, die Trump einladen möchte – kein traditioneller Verbündeter der USA.

Die internationalen Reaktionen fielen zunächst zurückhaltend aus. Ein deutscher Regierungssprecher sagte, man warte auf weitere Informationen der USA.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Norbert Röttgen, verurteilte die Pläne von Trump für den nächsten G7-Gipfel mit scharfen Worten. “Das Vorgehen des amerikanischen Präsidenten Trump im Hinblick auf den G7-Gipfel ist in Form und Inhalt inakzeptabel”, sagte der CDU-Politiker am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. “Weder die Zusammensetzung noch die Terminplanung des Treffens der führenden westlichen Industriestaaten unterliegen den persönlichen Neigungen oder Wahlkampfüberlegungen von Herrn Trump.”

Trumps Vorschläge würden den Charakter der G7 als Koordinationsgruppe der führenden westlichen Industriestaaten abschaffen, sagte Röttgen. “Auch diesem Vorschlag Trumps für die Selbstabschaffung des Westens sollten die anderen Staaten nicht folgen. Für die Rückgängigmachung des Ausschlusses Russlands, der nach der russischen Annexion der Krim erfolgt ist, bietet die weiterhin aggressive russische Politik keine Grundlage.”

Die US-Zeitung “Politico” berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise, europäische Regierungschefs seien besorgt, dass Trump ihren Besuch vor allem als Fototermin im Wahljahr nutzen wolle – und als Botschaft, dass die Coronakrise dank ihm überstanden sei. Es habe bisher auch kaum inhaltliche Vorbereitungen für das Treffen gegeben.

Das Präsidialamt in Seoul teilte am Sonntag lediglich mit, dass es die Berichte über Trumps Vorstoß kenne. “Wir werden darüber mit den USA diskutieren.” Aus Élyséekreisen in Paris hieß es am Sonntag, es solle in den nächsten Tagen Kontakte auf Ebene der Unterhändler geben, um Details des US-Vorschlags zu erfahren.

Aus Moskau kamen abwartende Töne. Russland sei bereit zu beliebigen Formaten des Dialogs, aber nur auf Augenhöhe mit anderen Teilnehmern, sagte der Außenpolitiker Konstantin Kossatschow am Sonntag der Agentur Interfax. “Ein Platz als Zuschauer passt Russland nicht”, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat. Vor allem erwarte Russland nun Details zu der Initiative, um über eine Teilnahme zu entscheiden. Bei der US-Initiative fehlten China und andere Länder. Wenn Trump vorhabe, ein neues Format einiger Länder “unter sich” zu etablieren als Vereinigung gegen andere Staaten, dann “können wir das nicht annehmen”. Zumindest aber zeige Trumps Vorstoß, dass er das G7-Format selbst für veraltet halte.

Der Kreml hatte immer wieder deutlich gemacht, dass das G7-Format für Russland kaum noch von Interesse sei, weil es das Kräfteverhältnis in der Welt nicht vollständig abbilde. Deshalb bevorzugt Russland das G20-Format der führenden Industrienationen und Schwellenländer.

Das Treffen der führenden Industriestaaten sollte als Zeichen für die Aufhebung der weltweiten Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie und für die Wiederbelebung der Wirtschaft dienen. Thema des Gipfeltreffens soll einer Sprecherin des US-Präsidenten zufolge auch China sein. Derzeit nehmen die Spannungen zwischen den USA und der Volksrepublik wieder zu. Trump wirft China eine Verschleierungstaktik bei dem Ausbruch des Coronavirus vor. Zudem leitete Trump das Ende der Sonderbehandlung Hongkongs in die Wege. Hintergrund ist ein umstrittenes sogenanntes Sicherheitsgesetz Chinas, für das der Volkskongress in Peking am Donnerstag den Weg freimachte. Gegner befürchten den Verlust von Freiheiten, die die ehemalige britische Kronkolonie seit ihrer Rückgabe an China 1997 genießt.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

19 Kommentare auf "Trump will G7-Gipfel nun im September und Putin einladen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Horti
Horti
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Ich verstehe die Amis nicht, das Sie diesen Präsidenten auch noch zujubeln. Dieser Mensch ist für dieses Amt nicht tragbar. Das einzige was der perfekt kann sich die Dinge zurechtbiegen das Er keinen Schaden davonträgt.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@Horti….der kann biegen wie er will, den Schaden, den er hat, biegt sicher niemand weg

raunzer
raunzer
Superredner
1 Monat 4 Tage

Dieses Phänomen kann man auch in Europa beobachten, die Wahlschafe brauchen Vorbilder die sie verstehen wenn diese ihre sinnfreien Sprechblasen entleeren.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 4 Tage

@horti
Weil die Amerikaner in den USA wohnen und sehen was abgeht. Im Gegensatz zu dir! Der beste Präsident seit kennedy. Nicht umsonst waren Trump und JFK jr befreundet.

blumenwiese
blumenwiese
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

@Mistermah Danke,dass es ein paar Leute in Südtirol gibt ,die verstehen was abläuft.

InFlames
InFlames
Tratscher
1 Monat 5 Tage

@mistermah
Welchen Präsident meinst du??? Der Donald kann es bestimmt nicht sein!!!! Nimm endlich die Fanbrille ab, dann siehst du die Realität!!!

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@Mistermah…wer ist JFK jun. ? Außer dem Namen Kennedy qualifiziert den überhaupt NICHTS. Das ist mit ein Grund, warum er mit dem rotblond Gewellten befeundet ist. Es sind die Gemeinsamkeiten, die vielfach die Menschen zusammenbringen.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@blumenwiese…du hast es erfasst. Allerdings hast du vergessen, zu erwähnen, dass es in Südtirol ein paar WENIGE gibt, die……

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

Herr Trump, sie sind (bedauerlicherweise) der Präsident der USA, Gott sei Dank nicht der ganzen Welt. Wie sie eingestehen müssen, reicht zur Verschiebung eines G ?? Gipfels schon die Absage der Bundeskanzlerin des ” kleinen Mückenschiss auf der Weltkarte ” Deutschland.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 4 Tage

Die angela hat nichts mehr zu sagen. Sogar der ramelov, für den sie Demokratische Wahlen annulliert hat, fällt ihr in den Rücken. Denk, denk

Sun
Sun
Superredner
1 Monat 4 Tage

Merkel, sehr gute Entscheidung, dies kratzt wieder an Trumpels Ego.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

@Mistermah…und @blumenwiese…ich freue mich, dass ich in diesem Forum mit so kompetenten Politikkennern wie euch beiden ua. mitdiskutieren darf.

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
1 Monat 5 Tage

Ja Frau Merkel, Hände desinfizieren ,Maske aufsetzen und 1,5 m abstand halten,dann klappt das auch mit dem G7 Gipfel……oder gibts etwa andere Gründe???

nikname
nikname
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Frau Merkel verabschiedet sich so langsam von ihrer Führungsrolle.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 4 Tage

Es gibt andere Gründe. Sie ist entmachtet

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Morgen wird bestimmt eine neue Idee kommen.

Look_at_Yourself
1 Monat 5 Tage

Ich würde vorschlagen,
dass auch Nordkorea, Brasilien, die Türkei, der Iran und Venezuela eingeladen werden.
Dann hätte er, zusammen mit Russland, seine G7

Seine Show Veranstaltung wäre gesichert.

Im Gegenzug könnten ja Länder wie D, I, GB, F zu Hause bleiben und sich das Geld ihrer Steuerzahler sparen.
Eine win, win Situation für alle.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@Look_at_Yourself..👍das wären dann aber nur die G 7 second 😭🙈

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Sollten die derzeit 32 👎 für die Bezeichnung “Mückenschiss…..” sein, das war bildlich gemeint, ein Blick auf (m)einen Globus bestätigt das. Sollten sie jedoch ein Votum “pro Trump” sein, macht mich das nachdenklich

wpDiscuz