Die US-Truppen werden aus Syrien abgezogen

Trump will keinen fixen Zeitplan für Syrien-Abzug festlegen

Mittwoch, 02. Januar 2019 | 22:24 Uhr

US-Präsident Donald Trump will sich nicht auf einen Zeitplan zu dem von ihm angekündigten Abzug der US-Truppen aus Syrien festlegen. “Ich habe nie schnell oder langsam gesagt”, sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten am Rande einer Kabinettssitzung im Weißen Haus. “Ich habe nie gesagt, dass ich morgen rausgehe.”

Er wies Berichte zurück, den angekündigten Abzug aller US-Soldaten aus Syrien binnen vier Monaten abschließen zu wollen. Er habe niemals über diese kolportierte Frist gesprochen, sagte Trump am Mittwoch vor Journalisten. Tatsächlich würden die Militärs “über eine gewisse Zeitspanne hinweg” abgezogen.

Seinem Vorgänger Barack Obama warf Trump vor, dieser habe Syrien aufgegeben. “Syrien wurde vor langer Zeit verloren.” In Syrien gehe es nicht um “gewaltigen Reichtum”, sagte Trump. “Wir reden über Sand und Tod.”

Kurz nach Trumps umstrittener Entscheidung für den Truppenabzug aus Syrien hatte Verteidigungsminister James Mattis seinen Rücktritt angekündigt. Der 68-Jährige, der über Parteigrenzen hinweg Respekt genoss, hatte am Montag seinen letzten Arbeitstag. Trump sagte am Mittwoch: “Wie Sie wissen, hat ihn Präsident Obama gefeuert, und im Grunde habe ich das auch getan.” Unter Obama war General Mattis von seinem Posten im Central Command entbunden worden.

Trump kritisierte Mattis am Mittwoch besonders für den Einsatz in Afghanistan. “Ich bin nicht glücklich damit, was er in Afghanistan getan hat.” Zugleich forderte Trump andere Verbündete auf, sich stärker militärisch in Afghanistan zu engagieren. Pakistan warf er offenbar mit Blick auf die Taliban vor, “den Feind” zu beherbergen.

Trump hatte am 19. Dezember den Rückzug der 2000 US-Soldaten aus Syrien bekanntgegeben, was heftige Kritik auslöste. Damals war von einem Abzug innerhalb von 30 Tagen die Rede. Die “New York Times” hatte später berichtet, Trump habe sich dazu bereit erklärt, dem Militär vier Monate Zeit zu geben.

Trump sagte am Mittwoch, er habe nicht von vier Monaten gesprochen. Man wolle die verbündeten Kurden schützen. Der Abzug an sich stehe aber fest. “Wir gehen raus aus Syrien. Wir wollen Syrien nicht.”

Bei heftigen Kämpfen zwischen rivalisierenden Rebellen sind unterdessen im Nordwesten Syriens mehr als 30 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Zivilisten. Die Gewalt brach zwischen der Al-Kaida-nahen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) und der von der Türkei unterstützten Nationalen Befreiungsfront (NLF) aus, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch meldete.

Den HTS-Kämpfern gelang es demnach, den Ort Darat Isa einzunehmen. Dieser liegt im Norden der von Regierungsgegnern kontrollierten Region um die Stadt Idlib, der letzten großen Rebellenhochburg des Bürgerkriegslandes. Bereits in den vergangenen Monaten hatte es dort immer wieder Spannungen zwischen konkurrierenden Gruppen gegeben. Die HTS-Miliz zählt in der Region um Idlib zu den stärksten bewaffneten Kräften. Die früher unter dem Namen Al-Nusra-Front bekannte Gruppe hat sich offiziell vom Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt.

Aktivisten berichteten, HTS-Anhänger hätten den Abzug von NLF-Kämpfern Richtung Norden ausgenutzt. Die Türkei hat gedroht, im Norden Syriens gemeinsam mit verbündeten syrischen Rebellen eine Offensive auf von Kurden kontrollierte Gebiete zu beginnen.

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz