Trump und seine Welt: "Wir müssen die Straßen dominieren"

Trump will nach Tod von George Floyd Polizeibehörden stärken

Freitag, 12. Juni 2020 | 06:38 Uhr

Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz hat sich US-Präsident Donald Trump für eine Stärkung der Polizeibehörden in den USA ausgesprochen. Trump machte bei einem Besuch in Dallas (Texas) am Donnerstag deutlich, dass es mit seiner Regierung ein Zusammenstreichen der Finanzierung der Polizei nicht geben werde.

“Wir müssen die Straßen dominieren”, sagte er und fügte hinzu, dass dies mit “Mitgefühl” geschehen müsse. Für eine harte Linie sprach er sich in Hinblick auf das Protestgeschehen in der US-Großstadt Seattle aus, womit er prompt auf Gegenwehr stieß.

Bei den Protesten infolge von Floyds Tod haben Forderungen nach einem “Defunding” (Finanzierung entziehen) der Polizei zugenommen. Dahinter steht vor allem die Idee, die Budgets für Polizeibehörden zu reduzieren und die Gelder an soziale Projekte umzuleiten. In Hinblick auf diese Forderungen sagte Trump: “Sie reden tatsächlich davon, keine Polizeikräfte mehr zu haben. Nun, das wird mit uns nicht geschehen. Wir werden stärkere Polizeikräfte haben.”

Trumps Regierung bestreitet, dass es systematischen Rassismus bei der Polizei gebe. Der Republikaner Trump wirft den Demokraten vor, die Polizei “abschaffen” zu wollen. Tatsächlich fordern die Demokraten im US-Kongress Polizeireformen.

Trump sagte in Dallas, seine Regierung arbeite an Plänen, die dafür sorgen sollten, dass Polizeibehörden Standards für den Einsatz von Gewalt einhielten – darunter seien auch Taktiken zur Deeskalation. Die Ausbildung und Ausrüstung der Polizei müsse verbessert werden. Minderheiten müssten außerdem besseren Zugang zu wirtschaftlicher Entwicklung und zur Gesundheitsvorsorge erhalten. Das Weiße Haus hatte am Mittwoch Pläne Trumps für eine Polizeireform angekündigt, die in den kommenden Tagen vorgelegt werden sollen.

Trump bezeichnete das Vorgehen der Polizei gegen Floyd in einem Fox News-Interview als “Schande”. Er sprach von “mehr als acht Minuten des Horrors”. Ein weißer Beamter hatte dem 46-jährigen Mann am 25. Mai in Minneapolis (Minnesota) fast neun Minuten sein Knie in den Nacken gedrückt – trotz Bitten Floyds, ihn atmen zu lassen. Trump bedauerte, dass ein Vorfall wie dieser auf andere Polizisten abfärbe. “Die meisten Polizisten sind wirklich gute Leute”, sagte Trump. Zuvor hatte Trump betont, es gebe überall schwarze Schafe, und fügte hinzu: “Wir werden keinen Fortschritt machen und keine Wunden heilen, wenn wir Dutzende Millionen anständige Amerikaner fälschlicherweise als Rassisten oder Fanatiker bezeichnen.”

Trump hat Floyds Tod mehrfach verurteilt und das Recht auf friedliche Demonstrationen betont. Ihm wird jedoch vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und nicht genug Verständnis für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land zu zeigen. Die anhaltenden Proteste wegen Floyds Tod hat er bislang vor allem unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit kommentiert.

Dies tat er auch mit Blick auf die Großstadt Seattle. Dort haben Demonstranten nach Tagen des Protests und der Auseinandersetzungen mit der Polizei unweit des Kapitols eine “autonome Zone” eingerichtet. US-Medienberichten zufolge verließ die Polizei am Montag eine Wache in dem Gebiet. Trump schrieb auf Twitter an den Gouverneur des Bundesstaates Washington, Jay Inslee, und Seattles Bürgermeisterin Jenny Durkan gerichtet: “Nehmt JETZT eure Stadt zurück. Wenn ihr es nicht tut, werde ich es tun. Das ist kein Spiel.” Der Präsident verlangte von den beiden Demokraten, “hässliche Anarchisten” unverzüglich zu stoppen. Bei Fox News drohte er erneut: “Wenn sie die Situation nicht wieder in Ordnung bringen, werden wir sie in Ordnung bringen.”

Durkan und Inslee reagierten bereits am Mittwoch auf erste Tweets von Trump. “Ein Mann, der überhaupt nicht regieren kann, sollte sich aus den Angelegenheiten des Staates Washingtons heraushalten”, schrieb der Gouverneur. Durkan schrieb: “Bring uns alle in Sicherheit. Geh zurück in deinen Bunker.” Damit spielte sie darauf an, dass Trump während wütender Proteste in der Hauptstadt Washington Ende Mai zeitweise im Bunker des Weißen Hauses war. Trump hatte die Darstellung zurückgewiesen, sich dort aus Sicherheitsgründen aufgehalten zu haben.

Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, kündigte Unterstützung für ein von Abgeordneten in seinem Bundesstaat vorgeschlagenes Reformpaket an, das es unter anderem leichter machen soll, Polizisten bei kritischen Vorfällen zur Verantwortung zu ziehen. “Diese Reformen wurden seit langer Zeit gebraucht”, sagte der Demokrat am Donnerstag. Die Menschen forderten einen Wandel. “Die vergangenen drei Wochen sind einige der turbulentesten und schmerzhaftesten in Minnesotas Geschichte gewesen.”

Unterdessen sorgte der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, mit Aussagen zu seinen Erwartungen an die Wahl im November für Aufsehen. “Dieser Präsident wird versuchen, die Wahl zu stehlen”, sagte der Ex-Vizepräsident am Mittwochabend in der “Daily Show” des Senders Comedy Central mit Blick auf Trump.

Die US-Republikaner haben ihren Parteitag im Sommer wegen zu strenger Corona-Auflagen im Bundesstaat North Carolina zum Teil nach Florida verlegt. Florida sei nicht nur der Staat, in dem US-Präsident Donald Trump zu Hause sei, sondern auch entscheidend für den Sieg bei der Wahl im November, erklärte die Vorsitzende der Republikanischen Partei, Ronna McDaniel, am Donnerstagabend (Ortszeit) auf Twitter.

Trump soll auf dem Nominierungsparteitag offiziell zum Kandidaten der Republikaner für die Präsidentenwahl am 3. November gekürt werden. “Offizielle Angelegenheiten” des Parteitags sollen wie ursprünglich geplant in Charlotte stattfinden, wie aus einer Mitteilung der Republikaner hervorgeht. Die erneute Nominierung als Präsidentschaftskandidat soll Trump dann in Jacksonville in Florida annehmen, auch die damit verbundene Feier finde in Florida statt. Die Republikaner kündigten an, mehr Details zum genauen Programm in den kommenden Wochen zu veröffentlichen.

Auf die Frage, ob er in Betracht gezogen habe, dass dieser sich weigern könnte, das Weiße Haus im Fall einer Niederlage zu verlassen, antwortete Biden: “Ja, das habe ich.” Er fügte hinzu, er sei “absolut überzeugt” davon, dass das Militär Trump dann hinaus eskortieren würde. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, nannte Bidens Äußerungen eine “Verschwörungstheorie”. Der Republikaner Trump bewirbt sich bei der Wahl im November für eine zweite Amtszeit.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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25 Kommentare auf "Trump will nach Tod von George Floyd Polizeibehörden stärken"


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Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

Schon die Forderung: “Wir müssen die Straßen dominieren” löst bei mir einen Brechreiz 🤮 aus. Immer feste drauf, das schafft Ruhe und Frieden im Land der unbegrenzten (Un)Möglichkeiten.

Mrs_Pocahontas
1 Monat 1 Tag

Fändest du es besser, wenn die Straßen von einem plündernden Mob dominiert würden?

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

@Mrs_Pocahontas…nein, von friedlichen Bürgern, aber nicht von der Staatsmacht, denn nichts anderes meint der Herr Trump

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
1 Monat 1 Tag

Mrs_Pocahontas
seigt kein Mensch, nicht irgendjeamnd …. BITTE BEI GESAGTEM BLEIBEN und nicht deine Version herauslesen.
Es geht um die Rethorik des Präsidenten; wenn man nach solchen Wochen so eine Rethorik an den Tag legt, sind gemischte Reaktion ganz klar.

Mrs_Pocahontas
1 Monat 1 Tag

@guenni In einer Welt voller friedlicher Bürger bräuchte es keine Polizei, da gebe ich dir Recht

Mrs_Pocahontas
1 Monat 1 Tag

@guenni In einer Welt voller friedlicher Bürger bräuchte es keine Polizei, da gebe ich dir Recht

Mrs_Pocahontas
1 Monat 1 Tag

M_Kofler Ich stimme dir zu, dass Trump seine Aussage etwas unglücklich formuliert hat. Ich kann aber seine Reaktion auf die Proteste nachvollziehen

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
1 Monat 8 h

Na klar, kann ich auch. Die Plünderungen sind auch sehr zu verurteilen und diese haben (zum Glück !) nach kurzer Zeit aufgehört, oder lese ich andere Medien, die das verschweigen?
“Straße dominieren” bedeutet immer Gewalt und dies hat er durch die Polizei ja gezeigt, oder?
Denken wir an die Räumung vor dem weißen Haus, wenn die Polizei will, “dominiert” sie ja die Straßen, wie es auch du findest.

traktor
traktor
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

alles was er macht ist laut medien schlecht. ich glaube den medien kein wort und hoffe die amys lassen sich nicht blenden znd wählen ihn wieder

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
1 Monat 1 Tag

das beste überhaupt bei dir: “Ich glaube keinen Medien der Welt” aber hier auf dem warscheinlich kommerzielsten Portal Südtirols tagtäglich sein 🙂 🙂
Dann bitte glaube doch deinen Kanälen und sei froh, dass du anscheinend so viel besser bescheid weist wie wir alle

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

ohje traktor! eine zweite Amtszeit des dümmsten Präsidenten aller Zeiten währe oberpeinlich! Jemand der vor laufenden Kameras z.B. sagt man müsse prüfen ob man Corona mit der Einnahme von Desinfektionsmittel eindämmen kann …… ist nicht nur peinlich sondern einfältig!

65xzensiert
65xzensiert
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@traktor

Dank Internet ist man nicht mehr auf die abhängigen Medien angewiesen. Bei selbständigem Recherchieren kommt oft das genaue Gegenteil heraus von dem was veröffentlcht wird. Erschreckend.

65xzensiert
65xzensiert
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@Tantemizzi

Die Geschichte mit dem Desinfektionsmittel ist ein typisches Beispiel, wie wichtig es ist, selbst zu recherchieren und nicht treuherzig und blind glauben, was einem die abhängige und gleichgeschaltete Presse vorsetzt.

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

65zensierer

Für Dich bestens geeignet:

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InFlames
InFlames
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@traktor
Man muss ihm nur zuhören, um zu urteilen!!! Dafür reichen rudimentäre Englischkenntnisse aus.
Die Mär, dass für jeden Blödsinn, den der Donald so von sich gibt, die ach so böse Lügenpresse schuld sei, zieht echt nicht mehr. Und wenn mich etwas interessiert, dann informiere ich mich dem entsprechend, um mir eine Meinung bilden zu können und nehm nicht das, was ich in der erstbesten Quelle finde.
Frage an dich: warum sollte der Donald wiedergewählt werden???

Ratziputz
Ratziputz
Grünschnabel
28 Tage 1 h

@traktor🤔no comment, anscheinend versammeln sich in diesem Forum in der Mehrheit Trump – Befürworter. Was dieser Ignorant von sich gibt, ist nicht mehr zu toppen, aber anscheinend kapieren das die wenigsten. Gewalt erzeugt immer Gegengewalt und dass in den USA schon seit jeher die schwarze Minderheit als minderwertig behandelt wird sieht jeder, der ein wenig die Geschehen verfolgt

Mrs_Pocahontas
1 Monat 1 Tag

Ich finde Trumps Herangehensweise, wie sie im Artikel beschrieben wird, recht vernünftig. Verstehe nicht, wieso er deshalb angefeindet wird?

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
1 Monat 1 Tag

Jeder hat halt seine Meinung und wenn du überzeugt davon bist, dass die Polizei die Straße “dominieren” muss, ist es doch tolle dass du das auch so kund tun kannst.
jedem die seine Meinung

Mrs_Pocahontas
1 Monat 1 Tag

Seine Wortwahl ist zwar provokant aber das ändert meiner Meinung nichts daran, dass ein starker Polizeiaparat der für Recht und Ordnung sorgt sehr wichtig für einen funktionierenden Staat ist.

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
1 Monat 8 h
Eine Polizei wird es weiterhin auch geben und glaube es wird ganz wenige geben, die sagen wir brauchen keine gut funktionierende Polizei. Aber wenn man nicht nur an der Oberfläche an diesem Thema kratzt, kann man schon erkennen dass es um die aktuellen Polizeistrukturen in den USA geht, die wie manche sagen “nicht mehr reformierbar” seien und deshalb ganz police disctricts neu organisiert werdne sollen. Dazu kann man stehen wie man will, ich warte mal ab bis hier genaue Details folgen. Dass die USA zu gewissen Teilen ein Polizeigewaltproblem hat, diesen Fakt werden jetzt wohl die meisten erkennen. Da neu… Weiterlesen »
Missx
Missx
Kinig
1 Monat 1 Tag

Das Problem ist, diese 2 Klassengesellschaft (Weiße-Schwarze) will aufrecht erhalten werden. Das Denken, dass es unterschuedliche bessere und schlechtere “Rassen” gibt ist so tief in den Gedanken der Menschen verankert. Man denke an den Holocaust, der war gefühlt erst vorgestern. Solche Aktionen wie die ethnische Säuberungen Hitlers finden zwar in der Form nicht mehr statt, aber der Mensch lässt weiterhin zu, dass Bomben fallen, Kinder erhungern, Völker ausgerottet werden. Für mich besteht da kein so großer Unterschied.

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

Trump hat vollkommen Recht, den Chaoten u. Gänstern frühzeitig die Grenzen aufzuzeigen .

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag
Nichts rechtfertigt es, jemanden während einer Verhaftung zu töten! genauso wenig Verständnis habe ich dafür dass man jemandem bei einer Verfolgung in den Rücken schießt – Wer gibt aber nun einer “aufgebrachten” Menge das Recht zu plündern? Floyds Tot als Rechtfertigung dafür zu missbrauchen finde ich unter aller S…! Dass dagegen vorgegangen wird ist mehr als richtig! trotzdem hoffe ich sehr, dass Herr Tramp seine Köfferchen im weißen Haus packen muss! So ein Präsident ist nicht nur peinlich, er ist untragbar! und das hat recht wenig mit dem Tot des armen Floyd zu tun sondern mit den absurden Äußerungen während… Weiterlesen »
liebenswertnachgefragt
29 Tage 23 h

Ich habe hier wirklich den Eindruck, das Thema Rassismus wird von den Medien total aufgebauscht und ich glaube, es wird hier schon fast Werbung für solche Demos gemacht wird. So hatte ich heute diesen Eindruck als ich darüber bei einem Südtiroler Radiosender mit sämtlichen Details erfahren habe. Bisher wurden alle Veranstaltungen öffentlichen Lebens total abgesagt. Wenn ich denke: alles ist abgesagt (gesellschaftlich, kirchlich, sportlich, usw.) und auf einmal dürfen solche Großdemostrationen abgehalten werden und werden teilweise noch gefördert. Wo ist hier die Angst und Sorge einer Corona-Infektion und der angebliche Schutz für die Bevölkerung? Liebe Leute, läuft hier was falsch?

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Superredner
1 Monat 1 Tag

So macht man das in gods own country.

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