Trumps Auftritt in Helsinki wurde heftig kritisiert

Trump will sich bei Auftritt mit Putin versprochen haben

Mittwoch, 18. Juli 2018 | 12:53 Uhr

Nach der parteiübergreifenden Kritik in den USA an seinem Auftritt mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin in Helsinki hat sich US-Präsident Donald Trump um Schadensbegrenzung bemüht. Bei einer Erklärung im Weißen Haus am Dienstag schob er seine Aussage vom Vortag auf einen vermeintlichen Versprecher, zugleich bekannte er sich zu den eigenen Geheimdiensten.

Er akzeptiere deren Erkenntnisse, wonach Russland hinter den Hackerangriffen während des US-Wahlkampfs 2016 steckte. Trump fügte jedoch hinzu: “Es könnten auch andere Leute gewesen sein”. Trump hatte bei seinem Gipfel mit Putin am Montag in Helsinki ein klares Bekenntnis zu den Befunden seiner eigenen Geheimdienste zu den russischen Cyberattacken vermieden. Vielmehr attackierte er die US-Bundespolizei und die frühere US-Regierung und machte zugleich deutlich, dass er Putins Ausführungen für überzeugend halte: Der Kreml-Chef sei in seinem Dementi “extrem stark und kraftvoll” gewesen, lobte Trump.

Selbst Unterstützer Trumps aus dem Lager der Republikaner warfen dem Präsidenten daraufhin einen würdelosen Kotau gegenüber dem russischen Staatschef vor. Trump sagte daraufhin am Dienstag, er habe sich bei seiner Pressekonferenz mit Putin lediglich versprochen. Er habe den Satz sagen wollen: “Ich sehe keine Grund (…), warum es nicht Russland sein sollte”, das hinter den Hackerangriffen steckte. Das “nicht” habe er versehentlich weggelassen. Seine umständliche Erläuterung des angeblichen Versprechers wiederholte Trump mehrmals.

Der Chef der oppositionellen Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte, Trump versuche sich nun herauszureden. Seine Erklärung komme “24 Stunden zu spät”.

In seiner Erklärung im Weißen Haus bekundete Trump am Dienstag zwar nachdrücklich sein “volles Vertrauen (…) in unsere großartigen Geheimdienstbehörden”, fügte aber mit Blick auf die Cyberattacken hinzu: “Es könnten auch andere Leute gewesen sein.” Damit wollte er offenbar andeuten, dass neben Russland noch weitere Akteure hinter den Hackerangriffen im Wahlkampf stecken könnten. Wer dies gewesen sein könnte, sagte er allerdings nicht.

Trump beharrte überdies darauf, dass “Russlands Aktionen überhaupt keine Auswirkungen auf den Ausgang der Wahl hatten”. Er versicherte zudem erneut, dass es keinerlei Absprachen mit Russland gegeben habe.

In einem Interview mit dem Sender Fox News trat Trump dem Vorwurf entgegen, er hege zu große Sympathien für Russland. “Ich bin nicht pro-russisch, ich bin für niemanden”, sagte er. “Ich möchte nur, dass das Land (die USA) sicher ist.” Die USA und Russland kontrollierten 90 Prozent aller Atomwaffen, sagte Trump. Mit Russland auszukommen, sei deshalb eine gute Sache und keine schlechte. Auf die Frage, ob er Russland als größten Widersacher der USA sehe, sagte er: “Ich würde nicht einmal das Wort Widersacher benutzen. Wir können alle zusammenarbeiten.” Es könne allen gut gehen und alle könnten in Frieden leben.

In den USA untersucht Sonderermittler Robert Mueller die mutmaßlichen Einmischungen Moskaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 und mögliche diesbezügliche Absprachen mit dem Trump-Team. Vergangene Woche hatte die US-Justiz zwölf Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes unter Anklage gestellt. Ihnen wird vorgeworfen, für Hackerangriffe unter anderem gegen das direkte Umfeld der Trump-Rivalin Hillary Clinton verantwortlich zu sein.

Das Weiße Haus veröffentlichte am Dienstag Angaben dazu, wie die USA sich “gegen Russlands bösartige Aktivitäten verteidigten”. Auch Trump sagte am Dienstag im Weißen Haus, die US-Regierung tue alles, was in ihrer Macht stehe, um eine erneute russische Intervention bei den Kongresswahlen im November zu verhindern.

Kurz darauf zeigte sich Trump dagegen bei Twitter wieder angriffslustig: “Das Treffen von Präsident Putin und mir war ein großer Erfolg, nur nicht in den Fake-News-Medien!”, twitterte der republikanische US-Präsident.

Der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, der Republikaner Paul Ryan, sagte bei einer Pressekonferenz in Washington am Dienstag: “Wladimir Putin teilt nicht unsere Interessen, Wladimir Putin teilt nicht unsere Werte.” Russland habe sich in die US-Wahl 2016 eingemischt, das sei nach einem Jahr Ermittlungsarbeit “wirklich klar”.

Trump rechnet nach eigenen Aussagen mit “großen Ergebnissen” seines umstrittenen Treffens mit Russlands Präsident Wladimir Putin. “So viele Menschen mit höherer Intelligenz haben meine Leistung bei der Pressekonferenz in Helsinki gut gefunden”, twitterte Trump am Mittwoch. Er habe mit Putin über viele wichtige Themen gesprochen. “Wir haben uns gut verstanden und das hat viele Hasser geärgert, die einen Boxkampf sehen wollten.” Russland habe zugesagt, im Atomstreit mit Nordkorea zu helfen.

Von: APA/Ag.

Kommentare

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10 Kommentare auf "Trump will sich bei Auftritt mit Putin versprochen haben"


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Leonor
Leonor
Tratscher
28 Tage 15 h

Trump wird mir zunehmend peinlicher!

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
28 Tage 14 h

Trump hat sich sicher nicht versprochen. Er muss vor dem dummen amerikanern selbst den dummen spielen. Es gibt nichts vernünftigeres als wenn sich die Supermächte friedlich gesinnt sind und man die Wogen glättet. Das man dafür in der Heimat noch absurde Ausreden suchen muss, weil kriegsgeile mächte im Hintergrund Panik streuen, ist eine Schande.

gapra
gapra
Superredner
28 Tage 9 h

@Mistermah Na ja, viel spielen muss er da nicht…

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
28 Tage 8 h

@gapra
Zumindest hat ihn seine scheinbare Dummheit bis an die Spitze der drittgrößten macht der Erde gebracht. Seine Twitterneldungen erregen die Gemüter weltweit. Wir kämpfen hier um ein paar grüne und rote Däumchen 😂

Dublin
Dublin
Kinig
28 Tage 44 Min

…versprochen ist versprochen…

gapra
gapra
Superredner
27 Tage 10 h

@Mistermah Jetzt verstehe ich erst Ihre Kommentare. Es ist also der tägliche Kampf um farbige Däumchen. Bei wieviel Punkten gibt es denn die Prämien?

andr
andr
Superredner
28 Tage 18 h

Er ist geplagt von Intelligenz man sieht es ihm regelrecht an 👌😂

gwin
gwin
Tratscher
28 Tage 14 h

ein dialog mit russland sollte und muss möglich sein, so wie mit allen anderen ländern auch. den amerikanern sollte nicht der dialog missfallen, sondern der präsident, der so tut als würde er mehr mit sich selbst sprechen als mit anderen.

Supergscheider
Supergscheider
Grünschnabel
28 Tage 11 h

Ein Narzisst sagt immer was er denkt ,weil ihm der Rest der Welt am Allerwertesten vorbei geht.

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
28 Tage 5 h

Der Mann bringt einfach keinerlei Voraussetzungen mit die mächtigste Nation der Welt zu repräsentieren. Er ist einfach unberechenbar. Er handelt weder weitsichtig noch nach einem langfristigen Konzept sondern nach persönlichen, momentanen Empfindlichkeiten.

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