Trumps Entgleisungen brachten auch parteiinterne Kritik

Trump wird nun auch von US-Kriegsveteranen kritisiert

Dienstag, 02. August 2016 | 11:09 Uhr

Nach seinen Entgleisungen rund um die Familie eines getöteten US-Soldaten bekommt der Republikaner Donald Trump nun auch heftigen Gegenwind von US-Kriegsveteranen. Die Veterans of Foreign Wars (VFW) erklärten am Montag, die Organisation werde es auch in einem Wahljahr “nicht tolerieren”, dass Angehörige getöteter Soldaten beschimpft würden, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausübten.

Trump habe mit seinen Äußerungen zur Familie Khan eine Grenze überschritten. Khizr Khan, der Vater des 2004 im Irak gefallenen US-Soldaten Humayun Khan, hatte am Donnerstag beim Parteitag der Demokraten eine bewegende Rede gehalten. Darin hielt er Trump vor, im Gegensatz zu ihm “nichts und niemanden geopfert” zu haben. Der republikanische Präsidentschaftskandidat replizierte, dass er auch “Opfer” gebracht habe. Außerdem äußerte er sich abfällig über Khans Frau.

Am Montag legte Trump im Internetdienst Twitter nach: Khan, der ihn persönlich gar nicht kenne, habe ihn von der Bühne des Demokraten-Parteitags aus “bösartig angegriffen”, beklagte Trump. “Nun macht er überall im Fernsehen weiter – wie nett!”

Auch die Familien von 23 ebenfalls getöteten US-Soldaten kritisierten den Rechtspopulisten für dessen “abstoßende und persönlich beleidigende” Äußerungen. Sie forderten Trump auf, sich “bei den Khans, allen Gold-Star-Familien und allen Amerikanern zu entschuldigen”. Als Gold-Star-Familien werden Angehörige bezeichnet, die ein Familienmitglied bei einem Militäreinsatz verloren haben. Humayun Khan war 2004 bei einem Selbstmordattentat im Irak getötet worden.

Auch der ehemalige republikanische Gouverneur des Bundesstaats Florida, Jeb Bush, bezeichnete Trumps erneute Entgleisungen als “unglaublich respektlos”. Der republikanische Parteichef Reince Priebus sagte im Sender CNN, die Familie Khan müsse für Angriffe “tabu” sein. Zuvor hatte bereits der weithin respektierte republikanische Senator und Vietnamkriegsveteran John McCain den Präsidentschaftskandidaten zurechtgewiesen.

Der durch diese Kritik in die Defensive geratene Trump versuchte sich am Montag mit einem verbalen Frontalangriff auf seine Kontrahentin Hillary Clinton Luft zu verschaffen. Clinton sei “der Teufel”, sagte Trump am Montag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Mechanicsburg im Ostküstenstaat Pennsylvania, der bei dem Urnengang im November möglicherweise wahlentscheidend ist. Dabei kritisierte er Clintons Mitbewerber Bernie Sanders, weil er im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur aufgegeben habe. “Er hat einen Deal mit dem Teufel gemacht. Sie ist der Teufel”, sagte Trump.

Bisher hatte er ihr im Wahlkampf das Attribut “korrupt” (“crooked”) umgehängt. Schon im Vorwahlkampf der Republikaner etikettierte er seine Kontrahenten mit wenig schmeichelhaften Eigenschaftsworten wie “lügnerisch” (“Lying Ted Cruz”), “klein” (“Little Marco Rubio”) oder “ausgelaugt” (“Low Energy Jeb Bush”).

In weiteren Äußerungen baute Trump auch schon einer möglichen Niederlage bei der Präsidentenwahl vor. “Um ehrlich zu sein: Ich befürchte, die Wahl wird gefälscht”, sagte er bei einem Wahlkampfauftritt im ebenfalls heftig zwischen Demokraten und Republikanern umkämpften Staat Ohio. In einem Interview für den konservativen TV-Sender Fox bekräftigte er später seine Befürchtung und rief die Republikaner auf, bei der Wahl “genau hinzuschauen, sonst wird sie uns weggenommen”.

Von: APA/ag.

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