Trump ist von China enttäuscht

Trump wirft China im Konflikt mit Nordkorea Passivität vor

Sonntag, 30. Juli 2017 | 16:54 Uhr

Nach dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest erhöht US-Präsident Donald Trump den Druck auf China. Er warf Pjöngjangs wichtigstem Verbündeten vor, nichts gegen die fortwährenden Provokationen Nordkoreas zu unternehmen. “Ich bin sehr enttäuscht von China”, erklärte Trump am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Als Warnung an Nordkorea hielten die USA mit ihren Verbündeten Südkorea und Japan gemeinsame Militärmanöver ab. Trump warnte Peking mit den Worten: “Wir werden das nicht länger zulassen. China könnte dieses Problem leicht lösen.” Seine Vorgänger hätten zugesehen, wie Peking “hunderte Milliarden Dollar jährlich durch Handel” erwirtschaftet habe, schrieb Trump offenbar in Bezug auf die US-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. “Aber bisher tun sie nichts für uns mit Nordkorea, sie reden nur.”

Nordkorea hatte nach US-Angaben am Freitag zum zweiten Mal innerhalb eines Monats eine Interkontinentalrakete abgefeuert. Machthaber Kim Jong-un sagte, der Test zeige, dass Nordkorea “jederzeit” das gesamte Festland der USA treffen könne.

Der erneute Raketentest war bereits der zweite innerhalb eines Monats und erfolgte nur wenige Stunden nach einem Sanktionsbeschluss des US-Senats gegen die Führung in Pjöngjang. Bereits am 4. Juli hatte Nordkorea verkündet, es habe in einem “historischen Durchbruch” als “Geschenk” an die USA erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete getestet.

Die internationale Gemeinschaft verurteilte den jüngsten Raketenabschuss. Trump bezeichnete den Test als “rücksichtslos und gefährlich”. Die EU warf Pjöngjang “eine ernsthafte Bedrohung des internationalen Friedens” vor. Auch der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, Nordkorea habe “erneut in skrupelloser Weise gegen geltendes Völkerrecht verstoßen und den regionalen und internationalen Frieden bedroht”.

Die Regierung in Peking verurteilte den erneuten Raketentest ebenfalls. Zugleich rief das chinesische Außenministerium alle Parteien zur Zurückhaltung auf, um eine weitere Zuspitzung des Konflikts zu vermeiden. China gilt als wichtigster Verbündeter der international weitgehend isolierten Führung in Pjöngjang.

Die USA pochen seit langem darauf, dass Peking den Druck auf Nordkorea erhöht. US-Außenminister Rex Tillerson warf China und auch Russland am Samstag vor, sie trügen eine “eindeutige und besondere Verantwortung” für die Verschärfung des Konflikts, indem sie Nordkoreas Raketenprogramm wirtschaftlich ermöglichten.

Als Warnung an Nordkorea hielten die USA und Südkorea ein gemeinsames Militärmanöver ab. Nach Angaben der US-Armee feuerten die Streitkräfte am Samstagmorgen Kurzstreckenraketen vor der Ostküste Südkoreas ins Meer. Außerdem überflogen US-Langstreckenbomber sowie südkoreanische und japanische Kampfflugzeuge bei einer mehrstündigen Übung die koreanische Halbinsel. Zudem erörterten die USA und Südkorea laut Pentagon “mögliche militärische Antwortoptionen”.

Ebenfalls kurz nach dem nordkoreanischen Test erprobten die USA erneut ihr Raketenabwehrsystem THAAD in Alaska. Eine über dem Pazifik abgefeuerte Mittelstreckenrakete sei von dem in Alaska stationierten Abwehrsystem erfolgreich abgefangen worden, teilte die US-Raketenabwehr-Behörde MDA am Sonntag mit. Das Abwehrsystem ist darauf ausgelegt, Kurz- und Mittelstreckenraketen in der letzten Flugphase zu zerstören. Interkontinentalraketen sollen durch ein anderes System abgefangen werden.

Von Nordkorea gehe weiterhin die größte Gefahr für die regionale Stabilität aus, sagte US-Luftwaffengeneral Terrence O’Shaughnessy. Falls die USA dazu gezwungen würden, seien sie bereit, “mit überwältigender Kraft” zuzuschlagen.

Nordkorea arbeitet seit Jahren an der Entwicklung von Atomwaffen sowie Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe womöglich bis in die USA getragen werden könnten. Der UN-Sicherheitsrat verhängte mehrfach Sanktionen gegen das international weitgehend isolierte Land.

Von: APA/ag.

Kommentare

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4 Kommentare auf "Trump wirft China im Konflikt mit Nordkorea Passivität vor"


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Lingustar
Lingustar
Tratscher
20 Tage 23 h

Alles nur immer dasselbe BlaBlaBla….  Wieso stoppt Trump nicht per Dekret sofort den gesamten Handel mit China?? Erstens ist das die einzige Möglichkeit China zum agieren gegen Nord-Korea zu bewegen, und Zweitens würde er dadurch Millionen Jobs in den USA schaffen, die in den letzten Jahrzehnten nach China “exportiert” wurden. Er kann dann seine IPhones oder was auch immer irgendwo in Ohio zusammenschrauben und seine Käppies werden dann in Louisiana genäht. Dass die Chinesen ihm dann aber auch nix mehr abkaufen, ist für Trump allerdings eher zweitrangig.

Feli
Feli
Grünschnabel
20 Tage 18 h

So viel ist es ja auch nicht was die chinesen der USA abkaufen…

wolke5
wolke5
Superredner
20 Tage 18 h

Das ist es nicht was Trump will.Was der will ist Macht über die Welt= Krieg. Wenn der Rest der Welt nicht kapiert, dass all seine Drohungen gezielte Provokationen sind, wird es über kurz oder lang genau dazu kommen.

Neumi
Neumi
Superredner
19 Tage 18 h

Anders als Trump gehen die Chinesen mit ihrer Politik nicht hausieren und twittern ständig darüber. Sie sind eher die stillen Politiker, die nur etwas sagen, wenn sie das Gefühl haben, dass jemand von außen sich in ihre innteren Angelegenheiten einmischt (oder aber sie erobern wieder mal ein kleines Land, aber auch das kündigen sie nicht an).
Keiner – auch Trump nicht – weiß, was die wirklich machen, wie weit sie wirklich mit Nordkorea in Kontakt sind.

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