Staatssekretär soll genügend "Stimmen finden"

Trump wollte Änderung von Georgia-Wahlergebnis herbeiführen

Montag, 04. Januar 2021 | 04:27 Uhr

“Kriminell”, “gefährlich” und “Machtmissbrauch”: Die Bemühungen des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, seine Wahlniederlage im Bundesstaat Georgia nachträglich abändern zu lassen, haben bei Demokraten Entrüstung hervorgerufen. Trump hatte in einem einstündigen Telefonat Wahlleiter Brad Raffensperger unverblümt aufgefordert, genügend Stimmen für ihn “zu finden” und das Ergebnis “nachzuberechnen”, wie die “Washington Post” am Sonntag berichtete.

Die Zeitung veröffentlichte einen kompletten Mitschnitt des Gesprächs. Später berichteten auch weitere US-Medien unter Berufung auf ihnen vorliegende Mitschnitte über den Inhalt des Gesprächs. Trump schrieb auf Twitter ebenfalls über das Telefonat mit seinem republikanischen Parteikollegen Raffensperger und beschimpfte diesen als “ahnungslos”.

Die gewählte Vizepräsidentin Kamala Harris bezeichnete Trumps Vorgehen in dem Telefonat vom Samstag als “dreisten Machtmissbrauch”, der “die Stimme der Verzweiflung” erkennen lasse. Trump und seine Republikaner hätten in dem Bundesstaat sechs Klagen gegen das Ergebnis eingereicht und seien damit erfolglos geblieben, sagte die Demokratin bei einem Wahlkampfauftritt in Georgia.

Der frühere demokratische Präsidentschaftsbewerber Julian Castro schrieb auf Twitter, “der Präsident der Vereinigten Staaten erpresst die Verantwortlichen der Bundesstaaten, um zu versuchen, die Wahl zu stehlen, die er verloren hat”. Sein Vorgehen sei “kriminell und gefährlich”. Der Abgeordnete Bobby Scott erklärte, Trumps “Verhalten ist eine gefährliche Bedrohung der Demokratie und verdient strafrechtliche Ermittlungen.” Die prominente linke Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez sagte, Trumps Handeln rechtfertige ein Amtsenthebungsverfahren. Selbst der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger nannte Trumps Verhalten auf Twitter “absolut entsetzlich”.

In dem Telefonat warnte Trump Raffensperger, dass er ein “großes Risiko” eingehe und sich womöglich einer Straftat schuldig mache, wenn er nicht gegen Wahlbetrug vorgehe. Trump hatte in Georgia bei der Wahl vom 3. November sehr knapp verloren. Der Demokrat Joe Biden lag dort mit etwa 12 000 Stimmen vorne. Die Ergebnisse wurden dort zwar zweimal nachgezählt, das Endergebnis änderte sich dadurch aber nur geringfügig – es gab keine Hinweise auf größeren Wahlbetrug.

Trump beklagte in dem Gespräch das “falsche” Ergebnis in Georgia. “Ich will nur 11.780 Stimmen finden (…), weil wir den Bundesstaat gewonnen haben”, sagte er dem Mitschnitt zufolge. “Wir haben die Wahl gewonnen, und es ist nicht fair, uns den Sieg so zu nehmen”, sagte Trump. “Es kann nicht sein, dass ich Georgia verloren habe.”. Es seien “Hunderttausende” fragwürdige Stimmen abgegeben worden, behauptete der 74-Jährige. “Tote haben abgestimmt.”

Raffensperger solle die Ergebnisse nochmals prüfen, forderte Trump. Es sei “nichts falsch daran” zu erklären, dass alles neu berechnet worden sei. “Aber prüfen Sie es mit Leuten, die Antworten finden wollen”, sagte Trump. Raffensperger entgegnete dem Mitschnitt zufolge: “Wir müssen zu unseren Zahlen stehen. Wir glauben, unsere Zahlen stimmen.” Er verwies auch darauf, dass die Ergebnisse vor Gericht Bestand gehabt hätten. Auf Twitter schrieb er mit Bezug auf Trumps Behauptungen: “Mit Respekt, Herr Präsident: Was Sie sagen, ist nicht wahr.”

Im Artikel der “Washington Post” hieß es, das “umherschweifende und teilweise unzusammenhängende Gespräch” zeige, wie “besessen und verzweifelt” der Präsident angesichts seiner Wahlniederlage sei. Trump glaube noch immer, dass er das Ergebnis in genügend Staaten ändern könne, um sich eine zweite Amtszeit zu sichern. An dem Telefonat nahmen demnach auch Trumps Stabschef Mark Meadows und Anwälte teil.

In Georgia finden am Dienstag äußerst wichtige Stichwahlen um zwei Senatssitze statt, deren Ergebnis die Mehrheit der Republikaner in der Parlamentskammer in Washington kippen könnte. Trump und Biden wollten am Montag (Ortszeit) noch einmal persönlich in Georgia Wahlkampf machen.

Trump hat die Wahl vor fast zwei Monaten verloren, weigert sich aber weiterhin, Bidens Sieg anzuerkennen. Sein Widersacher soll am 20. Jänner als neuer Präsident vereidigt werden. Biden sicherte sich 306 Stimmen der Wahlleute, deutlich mehr als die für einen Sieg nötigen 270 Stimmen. In Georgia wurden die Stimmen von 16 Wahlleuten vergeben.

Trump hat auch die Ergebnisse in anderen Bundesstaaten infrage gestellt, darunter Pennsylvania mit seinen 20 Wahlleuten. Er und seine Verbündeten haben mit ihren Klagen gegen die Ergebnisse jedoch keinen Erfolg gehabt – selbst von Trump ernannte Richter wiesen Klagen zum Teil mit sehr deutlichen Begründungen zurück.

Im formalen Wahlprozedere der USA steht am Mittwoch (ab 19.00 Uhr MEZ) noch die Zertifizierung der Ergebnisse aus den einzelnen Bundesstaaten im Kongress an. Erst dann wird amtlich sein, wer die Wahl gewonnen hat. Republikaner aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat haben angekündigt, bei der Prozedur Einspruch gegen Resultate einzelner Staaten einzulegen. Die Störaktion kann die Bestätigung von Bidens Wahlsieg um einige Stunden verzögern, hat aber keine Aussicht darauf, tatsächlich etwas am Wahlausgang zu ändern.

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

23 Kommentare auf "Trump wollte Änderung von Georgia-Wahlergebnis herbeiführen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Look_at_Yourself
19 Tage 9 h

Es klingt wie eine Sage,
nur noch 16 Tage.
Dann werden wir alle das unwürdige Schauspiel sehen, wie ein EX-Präsident von vier Sicherheitskräften schreiend und strampelnd aus dem Weißen Haus getragen wird.

luis p
luis p
Tratscher
19 Tage 7 h

darauf freue ich mich

Nuwos
Nuwos
Grünschnabel
19 Tage 5 h

Hoffentlich fällt ihm nicht noch mehr Unsinn ein.

Jiminy
Jiminy
Kinig
19 Tage 2 h

ich habe schon popcorn gerichtet 😅

Ars Vivendi
18 Tage 23 h

Das kommt hoffentlich live im Fernsehen

Ars Vivendi
19 Tage 8 h

Der 🏀 ist nicht nur lächerlich, sondern auch kriminell. Aber Geduld, es geht vorbei und dann bekommt er die “Rechnungen” präsentiert.

Tirolisimo
Tirolisimo
Tratscher
19 Tage 7 h

Meinen Sie diese Rechnung Hr Ars, die mit den Nebenverdiensten?
https://www.bbc.com/news/world-54553132
Und kennen Sie die Hapsburg-Group?
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hapsburg_Group

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
18 Tage 6 h

interessant … in dem Beitrag geht es rein um die Audiosequenz und über das demokratisch gefitige Geschrei Trumps, auch von Ars wird über nichts anderes gesprochen, aber als Gegenargument wird zu 0,00% auf die Hauptthematik eingegangen und lieber ganz ein anderes Thema aufgegriffen. 
Aber wird halt auch schwierig, zu dieser Audiosequenz noch ein Gegenargument zu finden. 
Was nicht heißen soll, dass die angesprochenen Themen von Hunter und Hapsburg Group falsch sind ….. 

Ars, deiner Meinung kann ich nur beipflichten, die Rechnung wird ihm früh genug präsentiert, die Audiosequenz ist einfach nur erschreckend und wohl auch kriminell, es könnte zumindest zu einer Prüfung kommen: 
https://www.theguardian.com/us-news/2021/jan/04/trump-georgia-phone-call-democrats-ask-fbi-investigate

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Grünschnabel
19 Tage 19 h

Trump kann nicht verlieren! ;-))))))

Doolin
Doolin
Tratscher
19 Tage 17 h

…iaz isch es lei mehr an oranges heiterle…
😆

Einheimischer
Einheimischer
Tratscher
19 Tage 12 h

Trampeltier eben….

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
19 Tage 8 h

Das ist unmöglich, was der Mensch alles will.

pingoballino1955
19 Tage 6 h

Wie dumm und narzistisch und kriminell kann man sein-Trump ist alles in Einem!!!😡😡😡

Ratziputz
Ratziputz
Tratscher
19 Tage 6 h

Solche Ignoranten gehören weggesperrt

xXx
xXx
Universalgelehrter
19 Tage 6 h

Trump kann es tatsächlich schaffen als 1. Präsident der USA vom Weißen Haus direkt ins Gefängnis zu kommen 😅

sophie
sophie
Universalgelehrter
19 Tage 5 h

Einfach mur lächerlich dieser HAMPELMANN

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
19 Tage 5 h

Langsam wird es peinlich. 🤨

Jiminy
Jiminy
Kinig
19 Tage 2 h

schon längst peinlich!

Peerion
Peerion
Grünschnabel
19 Tage 6 h

Unter den Waffen schweigen die Gesetze.
Man kann zwar davon ausgehen, dass D. Trump keinen hinreichend mächtigen General bei den US-Streitkräften findet, der mit seinen Truppen einen Coup durchzieht. Aber wenn er einen fände, dann würde es erstmal keine Rolle spielen, dass der Coup widerrechtlich wäre. Das wird dann erst wieder relevant, wenn er niedergeschlagen worden ist.

Grantelbart
Grantelbart
Superredner
19 Tage 3 h

Ich glaube er wurde falsch verstanden, eigentlich wollte er einen Wechsel der Staatsform hin zur Bananenrepublik vorschlagen.

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
19 Tage 4 h

So, mit diesem “wertvollen” Beitrag Trumps brauchen wir wohl nicht mehr über dieses Hirngespenst Wahlbetrug sprechen. Was zu erwarten war ….. 
Die Audiosequenz zeigt auch ziemlich klar, wie verzweifelt er ist, von Schmeicheleien, bis Drohung ist alles dabei, hauptsache der Herr “folgt” ihm. Traurig, aber leid tun mir die US Amerikaner auch nicht

Sextenersonnenuhr
Sextenersonnenuhr
Grünschnabel
18 Tage 22 h

So langsam wird es Zeit das der 🤡 endlich von der Bildfläche verschwindet, Er ist einfach nur noch lächerlich und peinlich !!!

InFlames
InFlames
Tratscher
18 Tage 21 h

Eines muss man dem Donald lassen: wenn es darum geht, sein eigenes, eh schon tiefes Niveau noch meterweit zu unterbieten, dann kennt die Kreativität keine Grenzen. Man darf gespannt sein, was ihm bis übermorgen noch so für Schnapsideen einfallen. Vielleicht ruft er ja jemand an, damit ihm sein Gesprächspartner gefälligst welche flüstert….

wpDiscuz