Reporterlegende Woodward knöpft sich US-Präsident Trump vor

Trump wütet wegen Woodward-Buchs erneut gegen Medien

Mittwoch, 05. September 2018 | 19:51 Uhr

Ein Zustand des permanenten “Nervenzusammenbruchs” – so beschreibt der legendäre US-Reporter Bob Woodward in seinem neuen Buch die Präsidentschaft von Donald Trump. Auf erste Auszüge reagierte Trump in gewohnt drastischer Manier. So warf er Woodward nicht nur die gezielte Verbreitung von Unwahrheiten vor, Trump forderte am Mittwoch auch eine Verschärfung der Gesetze gegen Verleumdung.

“Ist es nicht eine Schande, dass jemand einen Artikel oder ein Buch schreiben, Geschichten völlig frei erfinden und ein Bild von einer Person schaffen kann, das buchstäblich das genaue Gegenteil der Fakten ist, und damit ohne Strafe oder Kosten davonkommen kann?”, verschaffte sich der US-Präsident via Twitter Luft.

Trump sagte, er könne nicht verstehen, dass die “Washingtoner Politiker” die Gesetze zur Verleumdung nicht änderten. Das kam praktisch einem Appell an den Kongress gleich, die Gesetzgebung zu verschärfen. Trump hatte bereits zu Jahresbeginn als Reaktion auf ein anderes Enthüllungsbuch über seine Präsidentschaft – “Feuer und Zorn” von Michael Wolff – die geltenden Gesetze gegen üble Nachrede als zu lasch angeprangert.

Woodward beschreibt Trump in seinem Buch “Fear: Trump in the White House” (“Angst: Trump im Weißen Haus”) als zornigen und paranoiden Ignoranten. Ein Großteil seiner Mitarbeiter ist demnach damit beschäftigt, ihn davon abzuhalten, das Welthandelssystem zu zerstören, die nationale Sicherheit zu untergraben und Kriege anzuzetteln.

Negativbeschreibungen der Zustände in Trumps Regierung gibt es zwar bereits zuhauf. Doch Woodwards Schilderungen haben besonderes Gewicht, schließlich stammen sie von einem der angesehensten Journalisten des Landes. Zusammen mit dem “Washington Post”-Kollegen Carl Bernstein hatte Woodward durch seine Enthüllungen zur Watergate-Abhöraffäre maßgeblich zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon 1974 beigetragen.

Seither veröffentlichte Woodward zahlreiche Bücher – auch über US-Präsidenten, darunter George W. Bush und Barack Obama. Sein 448-seitiges Werk über Trump soll am kommenden Dienstag in den USA erscheinen. Erste Auszüge wurden im Voraus von der Zeitung “Washington Post” veröffentlicht, welcher der 75-Jährige weiterhin beruflich verbunden ist.

Trump bemühte sich, in einer Serie von Tweets die Glaubwürdigkeit Woodwards zu untergraben. Dessen Buch sei “totale Fiktion”, “langweilig” und “unwahr”. Der Präsident veröffentlichte auch Erklärungen von Verteidigungsminister Jim Mattis, Stabschef John Kelly und Pressesprecherin Sarah Sanders, in der sie die ihnen zugeschriebenen Zitate zurückwiesen.

Trump unterstellte Woodward zudem eine parteipolitische Agenda. Er beschrieb den Journalisten als “Agenten” der oppositionellen Demokraten und deutete an, das Erscheinungsdatum des Buches drei Monate vor den US-Kongresswahlen könne kein Zufall sein.

Woodward nennt in dem Buch zwar die meisten seiner Quellen nicht. Er führt aber ins Feld, zahlreiche Interviews mit aktuellen und ehemaligen Trump-Mitarbeitern geführt zu haben. Insgesamt über Hunderte Stunden Material sei so zustande gekommen.

Zu seinen brisantesten Schilderungen gehört eine angebliche Aufforderung Trumps an Mattis, nach einem mutmaßlich von syrischen Regierungstruppen verübten Giftgasangriff im April 2017 Machthaber Bashar al-Assad töten zu lassen. “Lasst ihn uns verdammt noch einmal töten”, soll Trump gesagt haben. Mattis habe zunächst zugestimmt, dann aber “gemäßigtere” Schritte eingeleitet.

Laut Woodward wurden Trumps Anweisungen manchmal sogar regelrecht sabotiert. So berichtet er über Ex-Wirtschaftsberater Gary Cohn, dieser habe eine Anweisung vom Schreibtisch des Präsidenten verschwinden lassen. Hätte Trump sie unterschrieben, wäre das Handelsabkommen der USA mit Südkorea dem Buch zufolge aufgelöst worden.

Trumps Reaktion auf das Buch dürfte die Sorgen in Teilen der US-Öffentlichkeit verstärken, dass Trump eine Einschränkung der Pressefreiheit anstrebt. Allerdings hat der Präsident wenige Befugnisse, dies selbst zu tun – deshalb sein Appell an den Kongress.

Von: APA/dpa/ag.