US-Soldat in Afghanistan

Trump zieht weitere Truppen aus Afghanistan und dem Irak ab

Mittwoch, 18. November 2020 | 05:13 Uhr

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hat US-Präsident Donald Trump den Abzug weiterer US-Truppen aus Afghanistan und dem Irak angeordnet. Bis zum 15. Jänner werde die Zahl der Soldatinnen und Soldaten auf jeweils auf etwa 2.500 reduziert, erklärte der geschäftsführende Verteidigungsminister Christopher Miller am Dienstag (Ortszeit) im Pentagon. Der Teilabzug würde damit unmittelbar vor der Amtseinführung des gewählten Präsidenten Joe Biden am 20. Jänner umgesetzt.

Das Verteidigungsministerium machte keine Angaben dazu, wie viele US-Soldaten derzeit noch in Afghanistan und im Irak stationiert sind. US-Medien zufolge sind es 4.500 in Afghanistan und 3.000 im Irak. Miller erklärte, die USA träten in eine neue Phase im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Er habe internationale Verbündete informiert, darunter NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Afghanistans Präsident Ashraf Ghani.

Führende Demokraten kritisierten die Ankündigung als politisch motiviert und sprachen von übereilten Abzugsplänen. “Wir können es uns nur schwer leisten, die hart erkämpften Fortschritte bei den Themen Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Regierungsführung in Afghanistan zu verlieren”, warnte die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Die Senatorin und Irak-Veteranin Tammy Duckworth erklärte, die Entscheidung eines Abzugs müsse “sorgfältig geplant und sicher durchgeführt werden”. Mit der jüngsten Entscheidung fielen die USA den Verbündeten in den Rücken und setzten womöglich sowohl den Friedensprozess aufs Spiel als auch die US-Truppen größerer Gefahr aus, erklärte die Senatorin.

Nach seiner Wahlniederlage gegen Biden hatte Trump vergangene Woche Verteidigungsminister Mark Esper gefeuert, was wiederum die Neubesetzung hochrangiger Positionen im Pentagon mit Trump-Befürwortern nach sich zog. US-Medien hatten berichtet, dass sich Esper nach Beratungen mit führenden Militärs vor seiner Entlassung gegen einen weiteren Abzug von Truppen aus Afghanistan ausgesprochen hatte, da die Bedingungen mit Blick auf die Sicherheitslage noch nicht erfüllt seien.

Die USA hatten mit den militant-islamistischen Taliban Ende Februar ein Abkommen unterzeichnet, das den schrittweisen Rückzug aller US- und NATO-Streitkräfte bis Ende April 2021 in Aussicht stellt. Die Taliban verpflichteten sich zu Friedensgesprächen mit der Regierung in Kabul, die im September aufgenommen wurden. Der Prozess geriet im Streit um Verfahrensfragen jedoch ins Stocken.

Trump hatte bereits im Wahlkampf 2016 versprochen, Truppen aus dem Ausland abzuziehen – insbesondere aus Afghanistan. Medienberichten zufolge war er zuletzt wegen des schleppenden Tempos frustriert.

Im Kongress meldeten sich selbst einige Republikaner kritisch zu Wort. Der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, warnte, ein überstürzter Rückzug aus Afghanistan und dem Irak wäre ein “Fehler”. Es sei “extrem wichtig”, dass es in den kommenden Monaten keine “weltbewegenden Veränderungen” mit Blick auf die Verteidigung und die Außenpolitik gäbe.

Der Krieg in Afghanistan ist der längste in der Geschichte der USA. Seit 2001 sind amerikanische Soldaten in dem Land. Nach den Anschlägen vom 11. September jenes Jahres waren von den Amerikanern angeführte Truppen dort einmarschiert.

NATO-Generalsekretär Stoltenberg hatte am Dienstag betont, dass das Bündnis den Einsatz zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte fortsetzen werde. Zugleich gilt, dass die NATO den Einsatz bei einem vollständigen US-Rückzug beenden müsste, weil die übrigen Alliierten militärisch nicht in der Lage sind, ihn alleine fortzuführen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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6 Kommentare auf "Trump zieht weitere Truppen aus Afghanistan und dem Irak ab"


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andr
andr
Universalgelehrter
18 Tage 9 h

Der will nur Steine in den Weg legen eine trotzphase er ist und bleibt ein kind

Doolin
Doolin
Grünschnabel
18 Tage 4 h

…ja der orange Bengel sollte mal schnell die Segel streichen…
😄

brunner
brunner
Universalgelehrter
18 Tage 9 h

Die NATO hat leicht reden….wenn die Usa am meisten Soldaten stellen….was ist mit den anderen NATO Partnern?

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
18 Tage 7 h

@brunner…die USA haben 4.500 und die Bundeswehr 1.000 Soldaten in Afghanistan. Ich kann da kein Missverhältnis erkennen.

M_Kofler
M_Kofler
Universalgelehrter
17 Tage 17 h

Fakten interessieren diesen User leider wenig …….. Zumindest in Afghanistan gibt es kein Missverhältniss der dort stationierten Soldaten.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
18 Tage 11 h

Sollte der 🏀 das noch durchziehen, können die Soldaten ihre “Seesäcke” gleich gepackt lassen……

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