Der Start der türkischen Großoffensive vergangene Woche

Türkei beschoss Kurden in Syrien und im Nordirak

Montag, 29. August 2016 | 19:55 Uhr

Das türkische Militär hat sowohl im Nordirak als auch in Syrien Ziele kurdischer Milizen beschossen. Im Irak habe die Luftwaffe am Montag Verstecke der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bombardiert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Im Gebiet um die nordsyrische Stadt Jarablus habe die Armee in den letzten 24 Stunden 20 Ziele von “Terroristen” beschossen.

In der Region rücken von der Türkei unterstützte Rebellen gegen das von der Kurdenmiliz YPG angeführte Militärbündnis Demokratische Kräfte Syriens (SDF) vor. Die Türkei betrachtet sowohl die PKK als auch deren syrischer Ableger YPG als Terrororganisation.

Die türkischen Streitkräfte gehen seit einigen Tagen zudem mit der Offensive “Schutzschild Euphrat” gegen Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien vor. Die syrischen Kurden wollen in ihrem angestammten Siedlungsgebiet ein eigenes Autonomiegebiet schaffen. Die türkische Regierung will dies verhindern, weil sie fürchtet, dass dadurch die Autonomiebestrebungen der Kurden in der Türkei Auftrieb bekommen. Ankara fordert, dass sich die Kurden hinter das östliche Ufer des Euphrat zurückziehen.

Die türkische Armee war am vergangenen Mittwoch zusammen mit den Rebellenverbänden in Nordsyrien einmarschiert und hatte zunächst die Stadt Jarablus von der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) eingenommen. Inzwischen rücken sie gegen die SDF vor, die mit den USA verbündet sind. Am Wochenende waren bei zwei Angriffen der türkischen Luftwaffe in Nordsyrien Dutzende Menschen ums Leben gekommen.

Die Angriffe gegen die PKK in ihrem Rückzugsgebiet im Irak richteten sich gegen Stellungen in der Gegend von Gara in den Kandil-Bergen. Zuletzt hatten türkische Kampfflugzeuge im Juli Ziele der PKK im Nordirak angegriffen, dabei wurden laut Anadolu 20 kurdische Kämpfer getötet. Seit im Juli 2015 nach zweieinhalb Jahren der Waffenstillstand zwischen der PKK und der türkischen Regierung zerbrach, gehen die türkischen Sicherheitskräfte mit großer Härte gegen die Kurdenmiliz vor.

Die Türkei setzt ihren Kampf gegen die Kurdenmiliz dabei ungeachtet von Kritik fort. Die türkische Armee werde die YPG so lange bekämpfen, bis diese sich wieder östlich des Euphrat zurückziehe, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag. Die US-Regierung rügte Gefechte zwischen türkischen Soldaten und den von Washington unterstützten syrisch-kurdischen Kämpfern als “inakzeptabel”.

Cavusoglu forderte die YPG-Kämpfer auf, sich “so schnell wie möglich” an das Ostufer des Euphrats zurückzuziehen. “So lange sie das nicht machen, stellen sie für uns ein Ziel dar”, fügte Cavusoglu nach einem Treffen mit seinem niederländischen Kollegen Bert Koenders in Ankara hinzu.

Der Minister warf der Kurdenmiliz “ethnische Säuberungen” in den von ihr eroberten Gebieten vor. Es gehe der Kurdenmiliz um die Vertreibung der Araber aus der Region um Manbij. Die YPG versuche, die Rückkehr geflüchteter arabischer Bewohner in die kürzlich von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zurückeroberte Stadt zu verhindern. Die YPG vertreibe aber auch andersdenkende Kurden. “Die Menschen, die diese Region verlassen mussten, müssen dort angesiedelt werden, sie müssen dort leben”, sagte Cavusoglu.

Der Sonderbeauftragte von US-Präsident Barack Obama für den Kampf gegen den IS, Brett McGurk, bezeichnete Gefechte zwischen türkischen Soldaten und kurdischen Kämpfern sowie deren arabischen Verbündeten nahe des Grenzorts Jarablus am Montag als “inakzeptabel”. Auch Pentagonsprecher Peter Cook erklärte, die Gefechte seien für die US-Regierung ein “Grund zu großer Sorge”. Die Zusammenstöße bei Jarablus, wo der IS nicht mehr vertreten sei, seien mit der US-Armee nicht abgesprochen “und wir unterstützen sie nicht”, fügte Cook hinzu.

Unterdessen wurde die südtürkische Grenzstadt Kilis erneut aus Gebieten unter IS-Kontrolle in Syrien mit Raketen beschossen. Unter sechs Verletzten seien zwei Kinder, meldete die Nachrichtenagentur DHA. Insgesamt seien am Montagabend drei Raketen in Kilis eingeschlagen, zwei davon auf freiem Gelände, eine auf einer Straße. Seit Jänner wurden bei Raketenbeschuss nach Angaben von DHA mehr als 20 Menschen in Kilis getötet.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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2 Kommentare auf "Türkei beschoss Kurden in Syrien und im Nordirak"


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Jogl
Tratscher
26 Tage 19 h

Die Türken scheren sich um keine Grenzen, marschieren in ein anderes Land ein, führen Krieg gegen die Kurden, verschonen den IS, bzw unterstützen sie heimlich.
Beste Voraussetzung für eine EU Vollmitgliedschaft. Junker, Merkel,
und andere Ignoranten:  “Noch immer Fans von Erdogan?????”😡

MartinG.
Grünschnabel
26 Tage 20 h
Es gang für die Türken nie gegen den IS. Die Türkei wird niemals einen Kurdenstaat an seiner Grenze akzeptieren, der dann auf die “türkischen Kurden” wie ein Magnet wirkt. Die Kurden haben Pech. Es ist Konsens aller Nachbarn,Iran, Irak, Türkei, keinen Kurdenstaat zu wollen. Den mafiösen Ölstaat im Nordirak kann man akzeptieren, ist er doch vollkommen von der Türkei abhängig, weil er sonst sein Öl nicht verkaufen kann. Aber in Nordsyrien wird es keinen Kurdenstaat geben. Erdogan ist unendlich entschlossen diesen Flecken Erde einzunehmen; komme was wolle. Dem Westen sind die Kurden egal, Willen einzugreifen hatte man in Syrien 5… Weiterlesen »
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