Vollwertige Mitgliedschaft angestrebt

Türkei hält an EU-Beitrittsplänen fest

Freitag, 19. August 2016 | 06:58 Uhr

Die Türkei will ihrem EU-Botschafter zufolge spätestens in sechs Jahren Mitglied der Europäischen Union werden. Bevor die türkische Republik im Jahr 2023 hundert Jahre alt werde, wolle das Land der Union beitreten, sagte der Diplomat Selim Yenel der deutschen Zeitung “Die Welt”. “Es wäre die Krönung für mein Land, dann Mitglied der Europäischen Union zu sein.”

Sein Land strebe eine “vollwertige Mitgliedschaft” an. Yenel weiter: “Für uns wäre es langfristig nicht akzeptabel, nicht zur EU zu gehören. Der EU-Beitritt ist sehr wichtig für uns.” Eine EU-Mitgliedschaft würde nach Angaben Yenels die Standards in der Türkei in allen Bereichen, also in politischen und wirtschaftlichen Fragen, aber auch beim Verbraucher- und Gesundheitsschutz, erhöhen.

Im Hinblick auf die geplante Visa-Liberalisierung verlangte Yenel Zusicherungen der EU: “Wir haben große Zweifel, dass die EU die Visumspflicht für Türken wirklich aufheben wird, wenn wir alle dazu notwendigen 72 Bedingungen erfüllt haben”, sagte er. “Wir wollen jetzt von der EU Garantien, dass sich Brüssel auch wirklich an die Absprachen hält.” Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte zuletzt am Montag auf eine Visafreiheit für alle Türken ab Oktober gepocht. Andernfalls drohe das Flüchtlingsabkommen zu platzen.

EU-Botschafter Yenel forderte in der “Welt” nun die Visa-Liberalisierung noch vor Jahresende. “2017 wäre nicht akzeptabel”, sagte er. Doch selbst Oktober sei immer noch zu schaffen. Er glaube zudem nicht, dass die Vereinbarung scheitern wird. “Wir werden einen Ausweg finden, weil das Abkommen für beide Seiten sehr wichtig ist.”

Yenel forderte zudem nach dem gescheiterten Putschversuch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere europäische Spitzenpolitiker auf, unverzüglich nach Ankara zu reisen. “Sie würden damit die Demokratie in der Türkei unterstützen und zeigen, dass sie verstanden haben, dass die Demokratie bewahrt wurde”, sagte er.

Merkel hat unterdessen ihr Engagement für gute Beziehungen zur Türkei trotz der aktuellen Spannungen bekundet. “Auch gegenüber der Türkei gilt: Ein gutes Verhältnis ist einem angespannten vorzuziehen, und in diesem Geist führe ich die Gespräche mit Präsident Erdogan”, sagte Merkel in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Ungeachtet der derzeitigen Probleme sehe sie “eine besondere Verbindung” zwischen Deutschland und der Türkei. “Das wird auch so bleiben”, fügte sie hinzu.

“Was das deutsch-türkische Verhältnis besonders macht, sind die über drei Millionen türkischstämmigen Menschen, die in Deutschland leben”, sagte die Regierungschefin. Es gebe zwar enttäuschende Beispiele offenbar nicht gelungener Integration. “Andererseits wäre es ganz falsch, davon auf alle drei Millionen Türkischstämmigen in Deutschland zu schließen.”

Der versuchte Putsch sei für die Türkei ein schlimmer Einschnitt gewesen, räumte Merkel ein. Die Türkei sei als NATO-Mitglied ein wichtiger Partner und sei für die Lösung bestimmter Konflikte wichtig: “Ich denke vor allem an das Drama, das sich in Syrien abspielt.” Die Türkei habe drei Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen, sagte Merkel. “Das ist eine große Leistung. Sie ist damit das Land, das den größten Beitrag zur Lösung der humanitären Katastrophe von Syrien leistet.”

Die Beziehungen zwischen Ankara und Berlin waren unter anderem wegen der repressiven Reaktion der türkischen Regierung auf den Putschversuch abgekühlt. In den vergangenen Tagen hatte eine interne Einschätzung des deutschen Innenministeriums zu türkischer Unterstützung für Islamisten für weiteren Ärger in Ankara gesorgt.

Der deutsche Grünen-Politiker Jürgen Trittin forderte hingegen eine härtere Haltung gegenüber Ankara und sieht den Flüchtlingspakt mit der Türkei skeptisch. “Die Bundesregierung muss sich klarmachen, dass die reale Politik der Türkei gerade dabei ist, das Flüchtlingsproblem eher zu vergrößern”, sagte er der “Nordwest-Zeitung”. Das fange in Libyen an, gelte aber auch für die Türkei im Innern. “Der Abbau demokratischer Rechte, die willkürlichen Verhaftungen, die Eskalation im Kampf gegen die Kurden – wenn das anhält, werden auch Menschen aus der Türkei in die EU fliehen”, so Trittin.

Von: APA/ag.

Kommentare

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8 Kommentare auf "Türkei hält an EU-Beitrittsplänen fest"


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Alpenrepuplik
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Ein Land welches die Todesstrafe wieder einführen will, ein Land das Sex mit Kindern legalisiert, ein Land das nach einem Putschveruch, tausende verhaftet und foltert, ein Land das die IS unterstützt gehört definitiv NICHT in die EU, die Türkei entwickelt sich gerade zurück ins Mittelalter. Wäre die Türkei in der EU würden die Probleme und der Krieg hierher transportiert und das wollen wir nicht und brauchen wir nicht…

tippex
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Der Beitritt von Bulgarien und Rumänien war schon falsch und eine rein politische Entscheidung. Die Türkei übertrifft schon die wirtschaftlichen Kriterien für einen Beitritt dieser Länder.
Die EU sollte nach Jahrzehnten beschämender Hinhaltetaktik den Türken ehrlich und endgültig klarmachen, dass sie niemals Vollmitglied der EU werden.
80 Millionen weitere Muslime, die sich in der EU frei bewegen und niederlassen können mit all den bekannten Problemen? Nein Danke!

Sepp44
Neuling
1 Monat 9 Tage

So so. 3 Mio. Türken, die sich in D aufhalten.
Sind das Gäste oder Kolonisten?
Ich finde, sie sollten nach Hause gehen, um ihr Land zu retten.
Mit islamischen Ländern gibt es kein normales Verhältnis.
Islam ist uneuropäisch. Kein solches Land sollte Teil einer wie auch immer gearteten EU werden,
es sei denn man möchte die Hölle in Europa ausbreiten.

Konfuze sagt: “Melkel muss weg.”

elmar
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

und Frau Merkel die ja bekanntlich die Wasserträgerin der Türkei ist wird ‘s schon richten ……

zombie1969
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage
R. Erdogan hatte bereits eine Verzögerung der Visa-Freiheit von sich aus ins Gespräch gebracht. Man hat sich immer gefragt warum er so wenig konstruktiv ist, warum er nicht zumindest jetzt versucht Anlässe zu vermeiden, der EU die Visa-Freiheit zu verweigern. Die Antwort schein inzwischen klar. Alle Punkte bis auf die Terrorgesetze sind so gut wie durch. R. Erdogan macht jetzt Tabula Rasa. Unbequeme Journalisten wegräumen, ein wenig die Opposition abschaffen, die Verfassungsreform und das Präsidialsystem durchbringen, hart gegen die Kurden vorgehen. Und dann, wenn diese Agenda abgearbeitet ist, dann kann er der EU entgegenkommen und seinen Wählern die Visa-Freiheit präsentieren.… Weiterlesen »
WM
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Die türkei kann ohne probleme zur eu kommen hon nix dagegen lei bitte ohne die türken dei brauchen mir net in europa

brunner
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Es ist schon skandalös wie ruhig und totschweigend Deutschland und Europa auf die EU Beitrittsforderung reagiert….nach all den Vorkommnissen und Entwicklungen hin zu einem totalitaerem Regime müsste die Antwort einhellig und klar NEIN NIEMALS heissen! Europa und vor allem Merkel lässt sich aber mit der Flüchtlingspolitik erpressen……sollte die Türkei jemals in die EU kommen …na dann Gute Nacht! Schon die Visafreiheit wird tausende und abertausende unterdrückte Kurden nach Europa schwemmen!!

enkedu
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

Es ist schon erschreckend. Die Bevölkerung der Eu möchte die Türken sicher nicht haben und trotzdem wird weiter diskutiert. Haben sich unsere politischen Vertreter und diese abgehobene Junckerkommission völlig selbständig gemacht? Wo ist die Notbremse?

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