Angeblich war ein Mordkomplott gegen Erdogan geplant

Türkei-Putsch: 34 Angeklagte zu “lebenslang” verurteilt

Mittwoch, 04. Oktober 2017 | 15:35 Uhr

Wegen eines angeblichen Mordkomplotts gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Putschnacht im Juli 2016 sind am Mittwoch 34 Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht im südtürkischen Mugla verurteilte die Beschuldigten zu jeweils vier Mal lebenslang, wie türkische Nachrichtensender berichteten. Ein früherer Offizier sei freigesprochen worden.

Das Gericht entschied zudem, den Prozess gegen drei Verdächtige auszugliedern, darunter der islamische Prediger Fethullah Gülen, der für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird. Insgesamt waren in Mugla 47 Menschen angeklagt, in der Nacht des gescheiterten Militärputsches vom 15. Juli 2016 versucht zu haben, den Staatschef in einem Hotel in Marmaris zu ermorden.

Erdogan, der sich in der Putschnacht mit seiner Familie in einem Luxushotel der südtürkischen Küstenstadt zum Urlaub befand, gab später an, in Marmaris nur um Minuten dem Tod oder der Gefangennahme durch die Putschisten entgangen zu sein. Allerdings gibt es Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussage, da die Putschisten das Hotel erst stürmten, als Erdogan es längst verlassen hatte.

Ihr Kommando traf nach offiziellen Angaben erst um 03.20 Uhr in dem Hotel ein. Zu diesem Zeitpunkt war Erdogan längst im Flugzeug auf dem Weg nach Istanbul. Als ein Helikopter das Hotel um 04.40 Uhr unter Beschuss nahm, war der Präsident bereits seit einer Stunde in Istanbul gelandet. Warum die Putschisten das Hotel trotzdem attackierten, gehört zu den bisher ungeklärten Fragen der Putschnacht.

Die Putschisten töteten 249 Menschen bei ihrem Versuch, die Macht in der Türkei an sich zu reißen, darunter zwei in Marmaris. Seit dem Putschversuch wurden zehntausende mutmaßliche Gülen-Anhänger inhaftiert oder aus dem Staatsdienst entlassen. Derzeit läuft eine ganze Reihe von Prozessen gegen mutmaßliche Putschbeteiligte. In dem meisten Verfahren stehen die Urteile noch aus.

Von: APA/ag.