Die türkische Armee rückt immer weiter vor

Türkei schickte Spezialkräfte für Städtekampf nach Afrin

Montag, 26. Februar 2018 | 15:21 Uhr

Zur Vorbereitung des Städtekampfs bei der Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG im nordsyrischen Afrin hat die türkische Regierung Spezialkräfte in die Region verlegt. “Im Moment wird der Kampf weit weg von den Städten in Dörfern, Ortschaften und auf dem Land fortgesetzt”, sagte Vize-Ministerpräsident Bekir Bozdag am Montag dem Sender NTV.

Je weiter die Armee aber vorrücke, “desto mehr geht der Kampf in Gebiete über, in denen sich Zivilisten befinden”. Die Spezialkräfte brächten Erfahrung im Kampf in Wohngebieten mit.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei den Spezialkräften handle sich um die Sondereinheiten der Polizei und der Gendarmerie. Sie seien seit Sonntagabend in den bereits eroberten Gebieten im Norden von Afrin stationiert. Die ersten Gefechte in dichter besiedelten Gebieten werden in der Kleinstadt Jindires im Südwesten der Stadt Afrin erwartet. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat angekündigt, die Stadt Afrin zu belagern.

Die Spezialeinheiten der Polizei und der Gendarmerie waren vom Herbst 2015 an auch bei den Operationen gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans PKK in südosttürkischen Städten eingesetzt. Damals war es über Monate hinweg zu schweren Gefechten in Wohngebieten gekommen. Die Türkei sieht in der YPG den syrischen Ableger der PKK. Die türkischen Streitkräfte hatten am 20. Jänner eine Offensive gegen die YPG in Afrin begonnen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte die Türkei auf, ihre Offensive im Nordwesten Syriens gegen die YPG zu stoppen. Macron unterstrich in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan, dass die vom UNO-Sicherheitsrat geforderte Waffenruhe für das ganze syrische Staatsgebiet einschließlich Afrin gilt, wie der Elysee-Palast am Montag mitteilte. Die Regierung in Ankara hatte erklärt, dass sie diese Offensive von der UNO-Resolution ausgenommen sieht.

In der Erklärung aus hieß es weiter, die humanitäre Waffenruhe müsse “überall und von allen ohne Verzögerung” umgesetzt werden, “um die derzeitige Kettenreaktion der Gewalt aufzuhalten, die zu einer regionalen Explosion führen kann”. Macron habe im Gespräch mit Erdogan seine “tiefen Sorgen” über die “anhaltenden Angriffe des syrischen Regimes gegen Zivilisten und Krankenhäuser” in Ost-Ghouta ausgedrückt. Dies sei eine Verletzung der Resolution des UNO-Sicherheitsrats. “Russland als ständiges Mitglied des UNO-Sicherheitsrats muss ab sofort seine volle Verantwortung im Hinblick auf syrischen Regime übernehmen, das es unterstützt.”

Von der Türkei unterstützte Rebellen sind derweil bei ihrer Offensive im kurdisch kontrollierten Gebiet Afrin in Syrien weiter vorgerückt und halten nun große Teile der Grenzregion. Die Truppen nahmen mehrere Dörfer von den kurdischen Einheiten ein und kontrollieren nun 140 Kilometer der gemeinsamen Grenze zwischen beiden Ländern, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag.

In diesen Bereichen hat die Türkei im Nordwesten Syriens damit eine Pufferzone zwischen den kurdischen Volksschutzeinheiten YPG und der türkischen Grenze geschaffen. Bei den Gefechten in Afrin wurden den Menschenrechtlern zufolge am Sonntag auch erstmals Kämpfer der syrischen Regierung getötet. Die Kurden hatten diese um Hilfe im Kampf gegen die Türken gebeten. Regierungseinheiten waren daraufhin vor gut einer Woche in das Gebiet eingerückt.

Von: APA/dpa