Teile des Konvois passierten den Grenzübergang Karkamis

Türkei verstärkt offenbar Truppen an der syrischen Grenze

Sonntag, 23. Dezember 2018 | 17:13 Uhr

Die Türkei verstärkt Berichten zufolge seine Truppen in der Grenzregion zu Syrien. In einem Konvoi von rund 100 Fahrzeugen würden Panzer, Haubitzen, Maschinengewehre und Elitetruppen in die Grenzregion Kilis gebracht, meldete die Nachrichtenagentur DHA am Sonntag. Indes will Israel nach dem Abzug der US-Streitkräfte aus Syrien dort notfalls noch stärker gegen eine iranische Präsenz vorgehen.

Einige türkische Einheiten sollten auf türkischer Seite stationiert werden, andere hätten bereits die Grenze überquert. Der TV-Sender TRT World zeigte Bilder, wie Teile des Konvois den Grenzübergang Karkamis passierten, der 35 Kilometer nördlich der Kurden-Hochburg Manbij liegt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte eine Offensive gegen die syrische Kurdenmiliz YPG angekündigt, diese nach Bekanntgabe des Abzugs der US-Truppen aus Syrien aber zunächst verschoben.

Laut TRT World sollen die türkischen Einheiten in Gebiete gebracht werden, die von der verbündeten Freien Syrischen Armee (FSA) kontrolliert werden. Mit Unterstützung der FSA hat die türkische Armee in den vergangenen beiden Jahren die Offensiven “Euphrat-Schild” und “Ölzweig” gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) und die von den USA unterstützte YPG unternommen.

Danach seien knapp 300.000 Syrer in ihr Heimatland zurückgekehrt, sagte Innenminister Süleyman Soylu in einer am Samstag verbreiteten Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Die Türkei hat über 3,5 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen. Viele Türken betrachten die Flüchtlinge als Belastung und unliebsame Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt.

Israel will unterdessen in Syrien weiterhin stark gegen eine iranische Präsenz vorgehen. “Die Entscheidung, 2.000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen, wird unsere konstante Politik nicht ändern”, sagte der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu am Sonntag nach Angaben seines Büros.

“Wir werden weiter gegen den Versuch des Irans vorgehen, sich dauerhaft militärisch in Syrien zu etablieren, und wenn nötig werden wir unseren Einsatz dort noch ausweiten.” US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch überraschend den vollständigen Abzug der US-Truppen aus Syrien angekündigt – mit der Begründung, der IS sei dort besiegt. Nach heftiger Kritik änderte Trump am Samstag seine Aussage in “weitgehend besiegt”.

Wegen des von Trump angekündigten Abzugs hat der US-Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition Brett McGurk nach Medienberichten sein Amt aufgegeben. Die “New York Times” zitierte aus einer E-Mail an dessen Mitarbeiter: Die Entscheidung sei ein Schock und eine totale Umkehr der bisherigen Politik, heißt es. Sie habe Koalitionspartner konfus und ausländische Mitkämpfer perplex gemacht. US-Verteidigungsminister James Mattis hatte wegen grundlegender Meinungsverschiedenheiten mit Trump in dieser wie auch in anderen Fragen bereits zuvor seinen Rücktritt angekündigt.

Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat den angekündigten Rückzug der USA aus Syrien kritisiert. “Ein Verbündeter ist es sich schuldig, verlässlich zu sein”, sagte Macron am Sonntag. Die USA hatten erst am Mittwoch ihren Truppenabzug aus Syrien angekündigt, wo Frankreich ebenfalls militärisch im Antiterror-Kampf engagiert ist.

Er bedauere zutiefst die Entscheidung der USA, sagte Macron nach einem Treffen mit seinem Amtskollegen aus dem Tschad, Idriss Deby, in N’Djamena. Er lobte zudem den US-Verteidigungsminister James Mattis, der Ende Februar seinen Posten verlassen will. Macron hatte erst am Samstag die nach seinen Worten “beispielhafte Zusammenarbeit” seines Landes mit den USA im Sahel-Gebiet hervorgehoben. Der Staatschef hatte im Tschad französische Truppen besucht, die gegen islamistische Terroristen in der Region kämpfen. Nach einem Abzug der US-Truppen wächst das Gewicht anderer Staaten, die in den nun fast acht Jahre langen Syrien-Konflikt eingegriffen haben – wie Russland, die Türkei und der Iran.

Von: APA/dpa