Die Türkei bildet Kämpfer gegen den IS aus

Türkei will Truppen nicht aus Nordirak abziehen

Donnerstag, 06. Oktober 2016 | 15:52 Uhr

Die Türkei will im Streit mit dem Irak seine Truppen nicht aus dem Norden des Bürgerkriegslandes abziehen. Die türkischen Einheiten würden die Bevölkerungsstruktur in der Region zu erhalten, daher werde man das Land nicht verlassen, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim in Ankara. Zuvor hatte Bagdad die UNO um die Einberufung des Sicherheitsrates gebeten, um Ankara zum Rückzug zu zwingen.

Die “Verstöße und Einmischungen der türkischen Seite” müssten vor dem Sicherheitsrat diskutiert werden, teilte der Sprecher des irakischen Außenministeriums am Donnerstag in Bagdad mit. Es handle sich um eine Verletzung der irakischen Souveränität.

Die Türkei bildet in der Nähe von Mossul – im kurdisch kontrollierten Gebiet – sunnitische Kämpfer und kurdische Peschmerga für den Kampf gegen den IS aus. Ein Streit darüber hatte bereits im vergangenen Jahr die Beziehungen zwischen beiden Ländern schwer belastet. Der Irak wolle nicht in einen Krieg mit der Türkei schlittern, hatte Ministerpräsident Haider Al-Abadi zuletzt gesagt.

Der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte in einem Interview am Wochenende gesagt, nach der Befreiung Mossuls von der Terrormiliz Islamischer Staat dürften dort nur sunnitische Araber, Turkmenen und sunnitische Kurden leben. Das stieß im mehrheitlich von Schiiten bewohnten Irak auf scharfe Kritik. Die Türkei und der Irak hatten bereits am Mittwoch gegenseitig den Botschafter des anderen Landes einbestellt.

Unterstützt von einer US-geführten Militärkoalition hatten irakische Regierungseinheiten und kurdische Verbände den IS in den vergangenen Monaten immer weiter zurückgedrängt. In den kommenden Wochen wird mit dem Beginn einer Offensive auf Mossul – zusammen mit Al-Rakka in Syrien die bedeutendste Stadt der Jihadisten – gerechnet.

Von: APA/dpa