Dritter Angriff auf syrische Armee binnen 48 Stunden

Türkische Luftwaffe tötete 36 regimetreue Kämpfer in Syrien

Samstag, 03. März 2018 | 17:55 Uhr

Die türkische Armee hat nach Angaben von Aktivisten bei Luftangriffen in der nordsyrischen Region Afrin mindestens 36 Kämpfer regierungstreuer Einheiten getötet. Die Angriffe am Samstag hätten sich gegen das Dorf Kfar Janna gerichtet, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Es sei das dritte Mal innerhalb von 48 Stunden gewesen, dass die türkische Armee Stellungen der Regierungstruppen bombardierte. Bereits am Freitag waren nach Angaben der Beobachtungsstelle bei einem Luftangriff auf das Dorf Jamma 14 regierungstreue Milizionäre zu Tode gekommen. Für Medien sind die Zahlen der Organisation, die ihren Sitz in London hat, meist nicht zu überprüfen.

Die türkische Armee geht seit Jänner mit verbündeten syrischen Rebellen in Afrin gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) vor. Die Türkei betrachtet die Präsenz der YPG an ihrer Grenze als Bedrohung, da die Gruppe eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Auf Bitten der kurdischen Regionalverwaltung entsandte die syrische Regierung kürzlich Truppen, um der YPG zu Hilfe zu kommen.

Syrische Regierungstruppen sind unterdessen nach Informationen einer oppositionsnahen Gruppe in der Rebellen-Enklave Ost-Ghouta weiter vorgerückt. Sie hätten fast vollständig die Kontrolle über die Stadt Al-Shafouniya übernommen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Ein Sprecher der Rebellengruppe Jaysh al-Islam schrieb auf Twitter, die Truppen von Präsident Bashar al-Assad hätten vergeblich versucht, die nahe gelegene Region Al-Rayhan zu stürmen. Al-Shafouniya erwähnte er nicht. Dort hielten die Kämpfe nach Angaben eines Kommandanten der Regierungstruppen an.

Ost-Ghouta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus ist eines der letzten größeren Rückzugsgebiete der Aufständischen. Es wird von islamistischen Rebellengruppen kontrolliert. Rund 400.000 Menschen sind dort seit Jahren eingeschlossen.

In Berlin haben am Samstag tausende Menschen gegen den türkischen Militäreinsatz in der nordsyrischen Region Afrin demonstriert. Nach Angaben eines Polizeisprechers verlief der Protestmarsch weitgehend störungsfrei. Bei einem Angriff von einzelnen Teilnehmern des Demonstrationszuges seien jedoch vier Polizisten verletzt und drei Angreifer festgenommen worden.

Aufgerufen zu der Kundgebung hatten kurdische Verbände sowie deutsche Organisationen und Parteienvertreter. Zu den Unterstützern des Aufrufs “Gemeinsam gegen die türkischen Angriffe auf Afrin” zählten der kurdische Dachverband Navdem, aber auch Vertreter von Linkspartei und Gewerkschaften sowie einzelne Politiker von Grünen und SPD.

Von: APA/ag.