Cavusoglu sieht "Fehler" in Reaktion des Westens auf Putschversuch

Türkischer Außenminister erbost über Kritik aus dem Westen

Mittwoch, 10. August 2016 | 12:43 Uhr

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat der EU vorgeworfen, schwere Fehler bei der Reaktion auf den Putschversuch in seinem Land gemacht zu haben. In der Bevölkerung sei die Unterstützung für eine EU-Mitgliedschaft von 50 Prozent auf jetzt wohl nur noch 20 Prozent gefallen, sagte Cavusoglu der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch.

Sollte der Westen die Türkei “verlieren”, dann wegen eigener Fehler und nicht wegen der guten Beziehungen der Türkei zu Russland, China oder der islamischen Welt. Die Annäherung an Russland solle keine Botschaft an den Westen sein, sagte Cavusoglu.

Am Dienstag waren die Türkei und Russland nach einer monatelangen diplomatischen Eiszeit wieder aufeinander zugegangen. Bei einem Treffen von Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin äußerten sich beide zuversichtlich, die Beziehungen normalisieren zu können.

Die Türkei ist erbost über Kritik aus dem Westen, die Reaktion der Regierung in Ankara auf den Putschversuch sei überzogen. Nach dem versuchten Staatsstreich, bei dem 240 Menschen getötet worden waren, hat die Regierung Zehntausende Verdächtige festnehmen lassen. Zudem erwägt sie die Wiedereinführung der Todesstrafe. Letzteres würde nach Angaben der EU das Ende der Beitrittsverhandlungen bedeuten.

Ein türkischer Admiral beantragte indes Medienberichten zufolge Asyl in den USA. Konteradmiral Mustafa Zeki Ugurlu, der wegen des gescheiterten Militärputsches in der Türkei per Haftbefehl gesucht wird und kürzlich aus den Streitkräften ausgeschlossen wurde, sei im Rahmen der NATO auf dem US-Marinestützpunkt von Norfolk stationiert gewesen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch.

Seit dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli, bei dem 273 Menschen getötet worden waren, hat die türkische Regierung tausende Soldaten und Offiziere festgenommen oder entlassen. Rund die Hälfte der Admiräle und Generäle wurde aus den Streitkräften geworfen. Die Säuberungen richten sich gegen mutmaßliche Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der in der Türkei ein großes Netzwerk aus Bildungseinrichtungen betreibt und laut der Regierung hinter dem Putschversuch stand.

Der Asylantrag des türkischen Admirals in den USA dürfte das ohnehin angespannte Verhältnis der Nato-Partner weiter belasten. Für Streit sorgt bereits der Antrag Ankaras auf Auslieferung Gülens, der seit 1999 im Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania lebt. Die US-Regierung will dem Antrag nur nachkommen, wenn die Türkei konkrete Beweise für Gülens Verantwortung für den Putschversuch liefert. Der 75-Jährige hat den Putsch scharf verurteilt und jede Verwicklung entschieden bestritten.

Von: APA/ag.

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