Cavusoglu wundert sich über Drohungen und Beleidigungen

Türkischer Außenminister sieht “Türkei-Feindlichkeit” in EU

Montag, 15. August 2016 | 06:46 Uhr

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat angesichts der aus der EU kommenden Kritik an seinem Land von einer “Türkei-Feindlichkeit” gesprochen. “Wir haben uns wie kaum ein anderes Land angestrengt, alle Bedingungen für den EU-Beitritt zu erfüllen”, sagte Cavusoglu der deutschen “Bild”-Zeitung” (Montagsausgabe).

“Aber das, was wir jetzt von Teilen der EU erleben, sind ausschließlich Drohungen, Beleidigungen und eine totale Blockade. Ich frage mich: Was haben wir verbrochen? Warum gibt es diese Türkei-Feindlichkeit?”

Cavusoglu zeigte sich enttäuscht, dass die Türkei nach dem gescheiterten Militärputsch nicht mehr Unterstützung erhalten habe. Die Europäer verstünden nicht, dass das türkische Volk “traumatisiert” sei. “Sie demütigen uns, statt der Türkei zu helfen.” Zur Debatte um die Visafreiheit für Türken, die Ankara im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsabkommen ab Oktober zugesagt worden war, verwies Cavusoglu auf die Verträge. “Und wenn ich auf diese Verträge hinweise, reagieren plötzlich viele gereizt. Aber es kann nicht sein, dass alles, was für die EU gut ist, von unserer Seite umgesetzt wird, aber die Türkei dafür nichts bekommt.”

Angesichts der innenpolitischen Ereignisse in der Türkei und der dort geltenden Anti-Terror-Gesetze haben zahlreiche Politiker in der EU gefordert, die Visafreiheit zunächst nicht umzusetzen. Die türkische Regierung geht seit dem Putschversuch mit aller Härte gegen Kritiker vor, Zehntausende Staatsbedienstete wurden bereits festgenommen oder entlassen. Zuletzt hatte Ankara mit der Aufkündigung des Flüchtlingsabkommens gedroht, sollte das Land nicht bis Oktober die Visafreiheit erhalten. Dann könnten wieder vermehrt Flüchtlinge in Griechenland eintreffen.

Cavusoglu sagte der “Bild”-Zeitung: “Klar ist: Entweder wenden wir alle Verträge gleichzeitig an oder wir legen sie alle zur Seite.” Der türkische Außenminister forderte erneut auch die Zahlung von drei Milliarden Euro an die Türkei: “Das Geld ist doch nicht für uns, sondern für die Flüchtlinge.” Die Türkei trage die Hauptlast aller Länder.

Die Massenfestnahmen von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen, den die Türkei als Drahtzieher der Putschisten ansieht, verteidigte Cavusoglu. Dessen “Terrororganisation” sei “gefährlich” und unterwandere seit 40 Jahren Justiz, Polizei und Militär. Es bestehe die Gefahr eines erneuten Putschversuchs.

Mit Blick auf Deutschland erneuerte Cavusoglu die Kritik seiner Regierung an dem Gerichtsbeschluss, aufgrund dessen der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Ende Juli nicht per Videoleinwand zu einer Demonstration von Unterstützern in Köln zugeschaltet werden durfte.

Den deutschen Medien warf der Außenminister “Manipulation und Desinformation” vor. Die Berichterstattung in Deutschland sei “gesteuert in einer Richtung, die nichts mit der Realität in der Türkei zu tun hat”. Es könne “kein Zufall sein, dass Medien mit ganz unterschiedlicher politischer Ausrichtung bei der Türkei die gleichen Wörter, die gleiche Rhetorik wählen”.

Von: APA/Ag.

Kommentare

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4 Kommentare auf "Türkischer Außenminister sieht “Türkei-Feindlichkeit” in EU"


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maria zwei
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Wen wunderte?

ExSuedtiroler
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage
Wie dumm muss man sein wenn so was von sich gibt? “..Ich frage mich: Was haben wir verbrochen?” Naja wer die Scharia einführt und die Demokratie ausser Kraft setzt darf sich nicht wundern, dass er von demokratischen Staaten verurteilt und nicht mehr als Partner anerkannt wird. Raus aus der NATO – das ist die grösste Gefahr. Lieber Russland in der NATO als die! Türken in Deutschland die sich eingelebt haben habe ich einige sehr nette und auch professionelle kennengelernt, aber die haben es nicht einfach in den Parallelgesellschaften in Köln und Co. – Schade, dass man hier nicht mehr durchgreift.… Weiterlesen »
elmar
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

was die Türken in Ihren Land machen ist Ihre Sache aber Mann kann nicht beides haben einen Muslimischen Staat wor alles verboten ist was nicht Muslimisch ist und zugleich bei Europa sein genauso und nicht anders sollte es sein die Türken müssen sich selbst entscheiden wohin sie wollen mit Drohungen auf beiden Seiten werden keine Konflikte gelöst sondern nur neue geschaffen

benaco
Neuling
1 Monat 8 Tage

Wie sich die EU gegenüber der Türkei verhält, ist sehr zurückhaltend (sehr diplomatisch).
Eben so, wie sich eine zivilisierte Gesellschaft gegenüber einem Rabaukenstaat, zu verhalten hat, damit man die gemäßigte Bevölkerung nicht brüskiert, die gibt es auch!
Die Führung der Türkei darf sich nicht wundern.
Für mich ist ein Beitritt der Türkei in die EU auf den St. Nimmerleinstag weit weg gerückt. Ich hätte ohne Erdogan auch mächtige Bedenken dagegen. Es gibt zu viele gesellschaftliche Differenzen.
Diese Differenzen lassen sich durch einen Vertrag nicht wirklich beseitigen. 

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