Musk hat kein Problem mit Trump

Twitter entsperrt Account von Ex-Präsident Trump

Sonntag, 20. November 2022 | 16:12 Uhr

Twitter hat den seit Anfang 2021 gesperrten Account des früheren US-Präsidenten Donald Trump freigeschaltet. Der Republikaner bekommt damit kurz nach Ankündigung seiner erneuten Präsidentschaftskandidatur erstmals wieder Zugang zu einer großen Online-Plattform. Ob er davon Gebrauch machen wird, blieb zunächst unklar. Trump hatte wiederholt betont, er wolle lieber bei seinem hauseigenen Dienst Truth Social bleiben – selbst wenn man ihm die Rückkehr zu Twitter erlauben sollte.

Der Ex-Präsident war bei Twitter und anderen Online-Plattformen gesperrt worden, nachdem er Sympathie für seine randalierenden Anhänger bekundet hatte, die gewaltsam das Kapitol in Washington gestürmt hatten. Zuvor hatte er diese Kanäle monatelang für die Verbreitung seiner Mär genutzt, ihm sei der Sieg gegen den Demokraten Joe Biden bei der Präsidentenwahl 2020 durch Betrug gestohlen worden. Die Plattformbetreiber befürchteten damals, dass Trumps Beiträge zu weiterer Gewalt führen könnten.

Musk startete am Freitag per Tweet eine 24-stündige Umfrage unter Nutzern des Dienstes, die darüber abstimmen konnten, ob Trumps Profil wiederhergestellt werden solle. Nur wenige Minuten nach Verkündung des Ergebnisses – eine knappe Mehrheit hatte für das Ende der Sperre votiert – war Trumps Profil wieder da. Der letzte Tweet dort stammt vom 8. Jänner 2021. Trump gab darin bekannt, dass er nicht zur Amtseinführung von Joe Biden kommen werde.

Trumps Account, der einst mehr als 80 Millionen Follower bei Twitter hatte und mit seinen unberechenbaren Botschaften mitunter die halbe Welt in Aufruhr versetzte, wurde bei der Abonnentenzahl zunächst auf null zurückgesetzt. Kurz nach der Freischaltung folgte dem Profil “@realDonaldTrump” bereits wieder gut eine Million Twitter-Nutzer. Einige Stunden später waren es rund 83 Millionen. Unklar blieb, ob tatsächlich so viele Nutzer neu den “Follow”-Knopf gedrückt hatten – oder Twitter dem Account allmählich die alten Abonnenten zurückgab. Musk hatte jedenfalls zwischendurch geschrieben, Twitters Techniker arbeiteten genau daran.

Bei der Twitter-Kopie Truth Social brachte es Trump zuletzt auf rund 4,6 Mio. Abonnenten. Eine größere Plattform mit mehr Reichweite kann er mit Blick auf die Kandidatenkür der Republikaner für die nächste Präsidentenwahl gut gebrauchen. Denn zuletzt verlor der 76-Jährige, der die Partei lange dominiert und Kritiker an den Rand gedrängt hatte, in den eigenen Reihen an Einfluss.

Bei den Parlaments- und Gouverneurswahlen am 8. November lehnten die Wähler mehrere Kandidaten ab, die massiv von ihm unterstützt worden waren. Auch insgesamt blieb der von vielen Demoskopen erwartete überwältigende Triumph der Republikaner aus: Sie gewannen nur knapp die Mehrheit im Repräsentantenhaus und die Demokraten konnten die Kontrolle über den Senat verteidigen.

Seitdem mehren sich die Stimmen auch prominenter Republikaner, die dazu aufrufen, die Ära Trump zu beenden, um wieder Anschluss bei moderateren Wählern jenseits des harten Kerns seiner Anhänger zu finden. Als ein aussichtsreicher Rivale, der Trump im Rennen um die Kandidatur der Republikaner bei der Präsidentenwahl 2024 gefährlich werden könnte, gilt etwa der frisch wiedergewählte Gouverneur von Florida, Ron DeSantis.

Just in diesem Moment gibt Musk, der seine Sympathie für die politischen Ansichten von Trumps Republikanern zuletzt offen kundtat, dem angeschlagenen Ex-Präsidenten den Twitter-Account zurück.

“Das Volk hat gesprochen”, begründete der Tech-Milliardär seine Entscheidung nach Ablauf der Umfrage. Für Trumps Rückkehr sprach sich dabei eine knappe Mehrheit von 51,8 Prozent aus. Die Erhebung war allerdings nicht repräsentativ: An der von Musk auf 24 Stunden angesetzten Umfrage nahmen rund 15 Mio. Nutzer teil, während der Dienst nach jüngsten verfügbaren Angaben auf mehr als 230 Mio. täglich aktive Nutzer kommt.

Musk hat eigene Probleme, bei denen eine Rückkehr Trumps helfen könnte. Nach der kostspieligen Twitter-Übernahme brachen seinen Worten zufolge die Anzeigenerlöse ein. Denn Unternehmen befürchten, dass die Werbung für ihre Marken angesichts der uneingeschränkten Redefreiheit, die Musk in Aussicht gestellt hat, neben anstößigen Tweets landen könnte. Die chaotisch verlaufene Einführung eines neuen Abo-Systems wurde nach dem Wirbel um lauter täuschend echt aussehende Accounts von Marken und Prominenten gestoppt. Nun aber steigert allein die Kontroverse um die Wiederherstellung von Trumps Account die Aufmerksamkeit für Twitter.

Trump hatte Twitter in seinem siegreichen Wahlkampf 2016 so intensiv genutzt wie kein Kandidat vor ihm. Und auch während der Zeit im Weißen Haus war die Plattform sein zentraler Kommunikationskanal. Trump regierte, förderte Günstlinge und schasste in Ungnade gefallene Kabinettsmitglieder per Twitter: Legendär ist, dass etwa sein Außenminister Rex Tillerson aus einem Tweet des Präsidenten von seiner Entlassung erfuhr.

Damit war nach dem Sturm seiner Anhänger auf den Sitz des US-Parlaments am 6. Jänner 2021 Schluss. Im Kapitol sollte an jenem Tag der Wahlsieg von Joe Biden offiziell besiegelt werden. Trump hatte bei seinen Anhängern falsche Hoffnungen genährt, dass Vizepräsident Mike Pence im Kongress die Bestätigung des Wahlergebnisses verweigern könnte. Noch während des Angriffs twitterte Trump, dass Pence nicht den Mut gehabt habe, das Richtige zu tun. Danach riefen Leute in der Menge: “Hängt Mike Pence!”

Dieser Tweet mit der Spitze gegen Pence – und mehrere andere, die für Trump problematisch werden könnten – fehlen nun auf dem reaktivierten Profil. Trumps widerlegte Behauptungen über eine gestohlene Wahl sind weiterhin mit Warnhinweisen versehen.

Bis zur Übernahme durch Musk hatten Twitter-Manager stets gesagt, dass kein Weg zur Rückkehr des Ex-Präsidenten vorgesehen sei. Musk hatte dagegen schon vor Monaten betont, dass es bei dem Dienst aus seiner Sicht keine lebenslangen Sperren geben sollte. Er erwähnte dabei ausdrücklich auch Trump als Beispiel.

Vor drei Wochen kündigte Musk dann zwar an, dass vor der Wiederherstellung bedeutender Accounts ein Rat zum Umgang mit kontroversen Inhalten gebildet werden solle. Doch nun ging es auch ohne ein solches Gremium.

Trump selbst hatte wiederholt gesagt, er wolle gar nicht zu Twitter zurückkehren. Ihm gefalle es bei Truth Social viel besser. Und auch am Samstag empfahl er seinen Anhängern kurz vor Ablauf der Umfrage zwar noch die Teilnahme daran, schrieb aber dazu: “Wir gehen nirgendwo hin. Truth Social ist besonders!”

Nach der Wiederherstellung des Accounts äußerte sich Trump zunächst nicht über sein weiteres Vorgehen. Nun ist es allerdings auch so, dass er sich in Papieren zum Börsengang seiner Mediengruppe verpflichtete, den Großteil seiner Social-Media-Kommunikation zunächst über Truth Social zu führen, mit einem Exklusiv-Zeitraum von sechs Stunden.

Facebook, wo Trump ebenfalls seit Jänner 2021 gesperrt ist, will im kommenden Jänner entscheiden, ob dem Ex-Präsidenten die Rückkehr angeboten werden könnte.

Von: APA/dpa

Kommentare

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31 Kommentare auf "Twitter entsperrt Account von Ex-Präsident Trump"


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koana
koana
Tratscher
15 Tage 3 h

Dem größten Volksverhetzer der USA noch ein Forum geben. Gratulation Elon! Hoffentlich geht dir bald der Saft für deine E-Karren aus!

Augen auf
Augen auf
Neuling
15 Tage 2 h

Meinungsfreiheit ist das höchste Gut der Demokratie und auch wenn ich kein Trump Fan bin. Hat er das Recht seine Meinung zu äusern. Bin im allgemeinen kein Politiker Fan. Aber die dürfen auch labern. …

Frank
Frank
Universalgelehrter
14 Tage 23 h

Was Trump betrieben hat, ging allerdings weit über eine legitime Meinungsäußerung hinaus.

Buergerle
Buergerle
Grünschnabel
14 Tage 20 h

@Augen auf
Zwischen Meinung äussern und dumme Leute mit Fake News bombardieren gibt es einen Unterschied.
Imdem er ihm seinen Account entsperrt, heisst er die Gewaltaktion beim Kapitolsturm gut

Faktenchecker
14 Tage 20 h

“Elon Musk brüskiert Trump hat kein Interesse an Twitter-Account”

https://www.n-tv.de/politik/Trump-hat-kein-Interesse-an-Twitter-Account-article23730258.html

Hustinettenbaer
14 Tage 18 h

Wenn Musk die Vögel wegfliegen, steht nix Neues auf der Plattform. Dann hauen noch mehr ab usw.
Also braucht er Vogelfänger, wie z.B. Trump. Der hatte in seiner “besten” Zeit 88,8 Mio. (äh, mir fällt dafür jetzt kein passendes Wort ein. Irgendwas zwischen Rassist, Sadist und Masochist) Dingenskirchen.

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
14 Tage 14 h

Neuestes Mitglied im Team Crazy! Welcome

Mimispatz
Mimispatz
Grünschnabel
14 Tage 6 h

@Hustinettenbaer …Der Vogelfänger bin ich ja, stets lustig, heissa, hopsassa! 😊

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
14 Tage 21 h

Das war höchste Zeit und gehört zu den Grundrechten der Demokratie, die es ja weiterhin geben soll.

@
@
Universalgelehrter
14 Tage 21 h

Jeder hat das Recht seine Meinung zu äußern.Es ist jedoch ein Unterschied,ob man kontroverser Meinung ist oder ob man gezielt Unwahrheiten (Fake News) streut. Auch wenn Trump seine als Lügen entlarften Aussagen als “alternative Fakten” bezeichnete.

ivo815
ivo815
Kinig
14 Tage 20 h

Die Zerstörung der Demokratie gehört zu dessen Grundrechten? Nochmals ein wenig reflektieren

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
14 Tage 17 h

@ivo815……die Demokratie wurde schon mit dem Notstand während der Pandemie, ich wll nicht sagen zerstört aber zumindest einmal ausgehebelt worden. Wir mussten die Erfahrungen machen und spüren es auch jetzt, daß wir eigentlich nur mehr noch in einer Scheindemokratie leben.

nikname
nikname
Universalgelehrter
14 Tage 16 h

@Pacha
der war gut 😂😂😂😂

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Superredner
14 Tage 16 h

@Pacha.
Der einzige der hier auf SN ” Schein” verbreitet bist doch DU .
Aber bitte – – sag mir mal , was Coronaregeln mit nicht -Demokratie zu tun haben ⁉️

ivo815
ivo815
Kinig
14 Tage 16 h

@Pacha mir erschließt sich gerade der Zusammenhang nicht

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
15 Tage 2 h

Brüder im Geiste🙈 haben sich vereint….

Doolin
Doolin
Kinig
15 Tage 3 h

…Musk ist ein 🏀 Dodelfan…
🤪

offnzirkus
offnzirkus
Superredner
15 Tage 3 h

Olls lei a Mafia!

Hustinettenbaer
15 Tage 2 h

Sind die beiden nicht herzallerliebst ?
“Als [Musk] ihn [Trump] einst im Weißen Haus besucht habe, habe er ihn geradezu um Hilfe bei seinen “geförderten Projekten” angefleht. Der Tesla-Gründer habe zudem betont, welch großer Fan der Republikaner und im Speziellen von Trump persönlich er sei. “Ich hätte ihm genauso gut sagen können: Geh auf die Knie und bettle”, und Musk hätte das getan, ist der frühere Präsident überzeugt.”

Trump schimpft über Musk: Ein “Bullshit-Künstler”, der um Förderungen gefleht habe – Netzpolitik – derStandard.de › Web

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
14 Tage 21 h

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich…

gafnsana
gafnsana
Tratscher
14 Tage 21 h

Wichtig und vorallem richtig!

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
15 Tage 1 h

Sou und iatz konsch dr deine E-Bixn ah koltn 🤮

Neumi
Neumi
Kinig
15 Tage 1 h

Wenn Musk so weiter macht, gibt’s Twitter eh nicht mehr lange.

Frank
Frank
Universalgelehrter
14 Tage 23 h

So manche Äußerung von Musk während seiner Aufentalte in Grünheide hat gezeigt, daß er mit Trump auf einer Wellenlänge liegt. Gleich und Gleich …

Gandalf
Gandalf
Grünschnabel
15 Tage 3 h

POTUS n.50 : Elon Musk

Superredner
14 Tage 21 h

Damit versetzt Oligarch Musk Twitter einen weiteren Stoß in Richtung Bedeutungslosigkeit. Pech für Feinde der Demokratie, Glück für all Diejenigen, die rechtzeitig ihre Anteile von Twitter auf den Markt geschmissen haben.

Wunder
Wunder
Tratscher
15 Tage 3 h

Geld regiert die Welt….

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Universalgelehrter
14 Tage 21 h

Es ist schon beeindruckend wie manche Leute die Massen in seinen Bann ziehen können. Einzig mit dem Auftreten, der Sprache, der Mimik.  Man kann es nicht lernen, es muss einfach drinnen sein.  Und diese Mächtigen des SocialMedia werden hofiert von den großen Playern in der Wirtschaft. Denn diese haben Millionen an Followern.

So ist das
14 Tage 6 h

Zwei, die sich gefunden haben 😂😂😂

Mimispatz
Mimispatz
Grünschnabel
14 Tage 6 h

eh klar : bei Twitter ist jetzt Meinungsfreiheit ! (Noch) warum soll dann Elon den Donald gesperrt lassen ? Da gilt vielleicht bald das Sprichwort “Manus manum lavat”

Mico
Mico
Superredner
14 Tage 4 h

wenn die macht überhand nimmt…. nicht geld regiert die welt… sondern die macht regiert die welt….

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