Sehr viele Türken haben von ihm genug

Twitter-Wettstreit zwischen Anhängern und Gegnern Erdogans

Mittwoch, 09. Mai 2018 | 16:28 Uhr

“Tamam” oder “devam”? In der Türkei liefern sich Gegner und Anhänger von Präsident Recep Tayyip Erdogan seit Dienstag einen Wettstreit auf Twitter, wobei die einen “genug” sagen und die anderen “weiter”. Seitdem der Staatschef in einer Rede verkündet hatte, dass er abtreten werde, wenn die Nation “tamam” (genug) sage, reißt im Kurzmitteilungsdienst die Flut der “genug”-Botschaften nicht mehr ab.

Nachdem sie zunächst von dieser Welle überwältigt worden waren, starteten Erdogans Anhänger eine Gegenkampagne mit dem Hashtag “devam” (weiter). Das “genug”-Lager hatte jedoch klar die Nase vorn mit allein am Dienstag mehr als einer Million Tweets. Regierungssprecher Bekir Bozdag sah sich genötigt zu betonen, dass der Ausgang der Wahlen am 24. Juni “an den Urnen, nicht auf Twitter” entschieden werde.

Erdogan hatte am Dienstag vor seiner Parlamentsfraktion in Ankara gesagt, “wenn eines Tages die Nation sagt ‘genug’, dann werden wir beiseitetreten”. Für die Opposition war dies eine Steilvorlage, die sie umgehend aufgriff. Da die großteils von regierungsnahen Unternehmen kontrollierten Medien die Opposition regelmäßig ignorieren, sind Twitter und Co. für sie ein wichtiges Mittel zur Mobilisierung der Wähler.

Angesichts der “tamam”-Flut warf Präsidentensprecher Ibrahim Kalin der Opposition vor, Twitter zu manipulieren und “Bots und falsche Accounts” einzusetzen. Regierungsnahe Zeitungen spekulierten derweil über eine mögliche Verbindung der “tamam”-Kampagne zur Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, die für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich gemacht wird.

Auch der Sprecher von Erdogans AK-Partei, Mahir Ünal, versuchte die “tamam”-Welle mit der Gülen-Bewegung und der kurdischen PKK-Guerilla in Verbindung zu bringen. “Wir werden am Abend des 24. Juni diese Tastaturhelden sehen, die die Bedeutung der Urne nicht kennen”, twitterte Ünal. Erdogan hatte Mitte April überraschend vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen für den 24. Juni ausgerufen.

Von: APA/ag.