"Gelbwesten" ziehen wieder durch Paris

Über 150 Festnahmen bei neuen Protesten der “Gelbwesten”

Samstag, 15. Dezember 2018 | 20:33 Uhr

An den “Gelbwesten”-Protesten in Frankreich haben sich am Samstag landesweit nach offiziellen Angaben rund 66.000 Menschen beteiligt – weniger, als vor einer Woche. In Paris fanden die Kundgebungen an verschiedenen Orten statt. Vor allem auf der Prachtstraße Champs-Elysees kam es wieder zu Spannungen, über 150 Personen wurden festgenommen.

Die Sicherheitskräfte setzten erneut Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten ein. Mehr als 110 Personen kamen in der Hauptstadt in Polizeigewahrsam. Landesweite Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Nach Angaben des Innenministeriums nahmen bis zum Nachmittag in der Hauptstadt 2.200 Menschen an den Protesten teil, bei denen unter anderem wieder der Rücktritt von Staatspräsident Emmanuel Macron gefordert wurde. Die Demonstrationen wurden von massiven Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Allein in Paris waren 8000 Polizisten im Einsatz. Landesweit waren 69.000 Sicherheitskräfte im Dienst. Auch in Bordeaux und Toulouse kam es zu Spannungen. In Toulouse wurden nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP mehrere Menschen verletzt. In der belgischen Hauptstadt Brüssel demonstrierten zwischen 400 und 500 “Gelbwesten”. Am vergangenen Samstag hatten sich hier noch etwa 1000 Menschen versammelt.

Es ist das fünfte Wochenende in Folge, an dem die “Gelbwesten” protestieren. Nach dem Terroranschlag von Straßburg am Dienstag hatte die französische Regierung an die “Gelbwesten” appelliert, an diesem Wochenende nicht zu demonstrieren. Am Samstag vor einer Woche war die Zahl der Demonstranten in Paris bis zum Nachmittag bei rund 10.000 gelegen, im ganzen Land am Abend bei 126.000. Damals waren etwa 2000 Menschen festgenommen worden.

Vor der Oper Garnier organisierten “Gelbwesten” ein Sit-in. Dabei knieten sie auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf – eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern vor mehreren Tagen. Auf den Champs-Elysees demonstrierten mehrere Frauen halb nackt als Marianne verkleidet und standen minutenlang stumm den Sicherheitskräften gegenüber. Marianne ist die Nationalfigur der französischen Republik. Auf Bildern wird sie gewöhnlich mit einer phrygischen Mütze bedeckt und mit unbedeckten Brüsten gezeigt.

Während vor einer Woche Geschäfte und viele Sehenswürdigkeiten und Museen geschlossen wurden, blieben diesmal der weltberühmte Louvre und der Eiffelturm offen. Paris solle nicht den Eindruck einer “toten” Stadt erwecken, erklärte Polizeipräfekt Michel Delpuech.

Nach Einschätzung der französischen Regierung haben die anhaltenden Straßenblockaden und Proteste spürbaren Einfluss auf das Wirtschaftswachstum des Landes. Die französische Nationalbank hat die Wachstumserwartungen für das laufende Quartal von 0,4 auf 0,2 Prozent halbiert.

Seit Beginn ihrer Protestbewegung Mitte November sind mehrere Menschen durch Unfälle an Straßenblockaden der “Gelbwesten” ums Leben gekommen. Am Freitag starb ein Autofahrer, als er mit seinem Auto in der belgischen Region Erquelinnes in einen Lastwagen fuhr, der aufgrund einer Straßensperre auf französischer Seite blockiert wurde. Einen Tag zuvor war ein 23 Jahre alter “Gelbwesten”-Demonstrant im südfranzösischen Avignon von einem Lastwagen erfasst und getötet worden.

Ursprünglich richtete sich die Wut der “Gelbwesten” gegen geplante Steuererhöhungen auf Sprit und Diesel, hohe Lebenshaltungskosten und die Reformpolitik der Mitte-Regierung Macrons. Um den Konflikt mit den “Gelbwesten” zu entschärfen, versprach Macron zu Wochenbeginn ein Paket mit Sofortmaßnahmen im Sozialbereich, darunter eine Erhöhung des Mindestlohns um monatlich 100 Euro. Die Maßnahmen sollen bis zu zehn Milliarden Euro kosten.

Mittlerweile haben sich die Forderungen teilweise geändert. Viele der Demonstranten protestierten in Paris für mehr direkte Demokratie. Forderungen nach Einführung eines Bürgerreferendums wurden laut – und nach dem Rücktritt Macrons. Frankreich hat ein auf die Person des Präsidenten zugeschnittenes politisches System. Das Parlament hat vergleichsweise wenig Kompetenzen, Volksabstimmungen können nur vom Präsidenten angesetzt werden.

Von: APA/ag.

Kommentare

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29 Kommentare auf "Über 150 Festnahmen bei neuen Protesten der “Gelbwesten”"


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denkbar
denkbar
Kinig
1 Monat 4 Tage

Die Gelbwesten sind sich auch nicht mehr einig!
Die gemäßigten Vertreter der Protestbewegung riefen inzwischen zum Dialog auf, was ich auch angesichts der bisherigen Zugeständnisse für den besseren Weg halte, um in der Debatte um die Steuergerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit weiter voranzukommen.
Bleibt der Dialog erfolglos, kann immer noch protestiert werden.

bleiwurm
bleiwurm
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

jeder dialog mit politikern blieb und bleibt erfolglos.jedenfalls für die mittelschicht.

typisch
typisch
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Da müsste mal salvini den macron belehren was er in seinem land so alles schief laufen lässt😂

Mastermind
Mastermind
Superredner
1 Monat 3 Tage

Wieso sollten sie auch aufhören, sie haben bis jetzt nur verhindert, dass es schlimmer kommt. Eine Verbesserung der Situation für die normalen Arbeiter ist nicht im Blick, natürlich sollte dann die Konsequenz daraus gezogen werden. Habe einen Freund aus Frankreich, welcher in Lion lebt, er meinte ein Durchschnittsarbeiter verdient mit 40-42h teils nur 1300 €, Wohnungen sind extrem teuer, deswegen wohnen wie bei uns viele bei den Eltern. Spritpreise noch schlimmer als bei uns und in Frankreich ist halt nicht Gewohnheit wie in Südtirol und Italien 30-50 % des Lohns schwarz zu kassieren. Leibeigenschaft 2.0 in der Moderne würde ich das nennen.

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

libertè, egalitè und es ondre woasch eh!

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

@typisch Salvini hat nicht Zeit, er ist zur Zeit stark beschäftigt seine Wahlversprechen neu zu definieren….

Spamblocker
Spamblocker
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Gute Idee zeigt’s den Französichen EU Geldeintreiber er wurde zwar vom Volk gewählt aber mit Bestmöglicher Unterstützung der EU um Le Pen’s Sieg zu verhindern

typisch
typisch
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Ob die eu wohl frankreichst steuerbegünstigungen zu lässt😉

m69
m69
Kinig
1 Monat 4 Tage

Gut so weiter so!
Vielleicht kommt mal was gescheites von Frankreich nach Europa!
Anscheinend hat Frankreich nicht nur Baguette und Käse zu bieten, und die Macarons 😜 darf man natürlich nicht vergessen!

felixklaus
felixklaus
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Dann nimm eine gelbe weste und geh protestieren ! Bist ja zu feige !!!!!!!

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 3 Tage

@felixklaus wenn man nicht alleine dastände hätte man schon den Mut.

m69
m69
Kinig
1 Monat 3 Tage

Felixklaus @

Darf ich fragen, da Du solche großen Worte verwendest, was Du bis jetzt geleistet hast?
Bevor ich mich nach Frankreich aufmache?

m69
m69
Kinig
1 Monat 3 Tage

Sag mal @

In Italien ist das durch die neue Regierung verhindert worden!

Sonst hätten wir auch solche zustände gehabt!
Das ist natürlich meine Meinung, aber ich bin da sicher nicht alleine da mit diesen Gedanken.

m69
m69
Kinig
1 Monat 1 Tag

@m69 

keine Antwort ist auch eine Antwort! 🙂

falschauer
falschauer
Superredner
1 Monat 3 Tage

falls auf verhandlungsebene nichts erreicht werden kann und das sollte man erst einmal abwarten, denn die moderaten gelben westen sind ja dafür, sind eventuelle weitere proteste angebracht, aber ohne gewalt und zerstörung, denn wenn sich bürger um das eigene hab und gut sorgen müssen, autos in brand gesteckt und fensterscheiben eingeschlagen werden, ist dieses kriminelle verhalten unbedingt zu verurteilen….diesen extremen typen geht es nicht um die sache, sondern rein um die ausübung von gewalt und zieloser zerstörung

m69
m69
Kinig
1 Monat 3 Tage

Falschauer @

Und glaubst auch sicher, daß die, die alles zerstören Rechte sind oder? 😀

falschauer
falschauer
Superredner
1 Monat 3 Tage

@m69 warum stellst du mir diese frage, habe ich das geschrieben….????….

m69
m69
Kinig
1 Monat 3 Tage

Falschauer@

Nein, das nicht, aber es hatte den Anschein als ob Du diese Zerstöung “nur” dem rechten Spektrum zuordnen wolltest!

PS. An diesem Protest der Gelbwesten gibt es kein links, kein rechts, keine Mitte! Es handelt sichtbar allem um die sogenannten kleinen Leute, die die Eier voll haben von der Fr. Regierung und diesem Macron.

En March gelbe Westen! 🙂

falschauer
falschauer
Superredner
1 Monat 2 Tage

@m69 wenn es bei dir den anschein erweckt hat kann ich nichts dazu daran ist deine phantasie schuld….heute haben auf jeden fall rechtsextremisten brüssel unsicher gemacht

m69
m69
Kinig
1 Monat 1 Tag

@falschauer 

Wen interessiert Bruessel?

Mich interessiert was hier in Suedtirol und in Italien passiert!

falschauer
falschauer
Superredner
1 Monat 1 Tag

@m69 ich hätte dir einen weiteren horizont zugetraut

tschonwehn
tschonwehn
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

Man kann seine Forderungen auch auf andere Weise durchsetzen, als zig-tausende von Polizisten zu binden (Die haben anderes zu tun, siehe Straßburg), Schaufenster von Läden einzuwerfen und diese zu plündern, ganz zu schweigen vom Anzünden von Autos unbeteiligter Mitbürger. Das ist genau die Art von Protesten, die ich verabscheue. Mir ist immer noch Hamburg im Hinterkopf, wo ganze Stadtteile ruiniert wurden, wegen einer wilden Horde von Abschaum die nur auf Krawall aus waren. Hätte die jemand gefragt wogegen sie demonstrieren, hätte das wahrscheinlich keiner gewusst.

m69
m69
Kinig
1 Monat 3 Tage

Tschonwehn @

Tabi glaubt sicher, dass dieser Mob der für die Zerstörung in Frankfurt verantwortlich war ein rechter war, ganz bestimmt!

Manchmal passiert es, dass er rechts mit links verwechselt, und links mit links! 😎
Soll vorkommen, ist aber nicht so schlimm. 😄

bleiwurm
bleiwurm
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

wie zb?mit bitte bitte

Kurt
Kurt
Kinig
1 Monat 4 Tage

Zugegeben, unsere westlichen Staatensysteme sind gut aufgestellt. Die Gesellschaft ist rundum versorgt, wird aber auch in die Pflicht genommen. Und langsam – gerade in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft – wird es immer schwerer, einen gesellschaftlichen Konsens zu finden. Ein solcher ist aber nötig, wenn man einen Großteil seines Verdienstes für Steuern und Abgaben abgeben muss.
Ein gutes Händchen den Macron, Merkel …, ist zu wünschen!

longwolf
longwolf
Tratscher
1 Monat 3 Tage

die üblichen linken Randalierer, unter dem Deckmantel der rechten.

m69
m69
Kinig
1 Monat 3 Tage

Longwolf @

Wer keinen Schinken vor den Augen hat sieht das auch so.

krakatau
krakatau
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Die “Demokratie” lässt grüssen

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