Yildirim gab Zahlen zu suspendierten Staatsbediensteten bekannt

Über 81.000 Staatsbedienstete nach Putschversuch suspendiert

Samstag, 13. August 2016 | 17:42 Uhr

Seit dem gescheiterten Putsch in der Türkei sind mehr als 81.000 Staatsbedienstete suspendiert oder entlassen worden. Darunter seien auch mindestens 3.000 Soldaten, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim nach Angaben des Senders CNN Türk am Samstag. Mehr als 17.000 Menschen sind in Untersuchungshaft.

Yildirim kündigte einen Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in der Türkei an. Auch US-Außenminister John Kerry soll türkischen Angaben zufolge am 24. August das Land besuchen. Eine Bestätigung aus Washington gab es dafür noch nicht.

Ein wichtiger Gesprächspunkt zwischen Washington und Ankara wäre der im US-Exil lebende Prediger Fethullah Gülen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan macht Gülen für den Putschversuch Mitte Juli verantwortlich und fordert seine Auslieferung. Das Justizministerium habe den US-Behörden den Antrag der Staatsanwaltschaft Istanbul zur Festnahme Gülens weitergeleitet, berichtete der Sender CNN Türk am Samstag.

Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die Türkei könne in der Frage der Auslieferung Gülens keine Kompromisse mit den USA eingehen. Die Washingtoner Regierung verhalte sich inzwischen aber kooperativer. Details nannte Yildirim nicht, kündigte aber einen Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden noch im August an.

In dem Schreiben der Staatsanwaltschaft Istanbul an die US-Behörden werden CNN Türk zufolge zehn verschiedene Straftatbestände gegen Gülen aufgezählt, darunter den Umsturzversuch. Gülen, der seit 1999 im selbst gewählten Exil lebt, bestreitet eine Verwicklung in den Putsch und hat diesen verurteilt. Erst am Freitag erklärte der 75-Jährige, er werde nur dann in die Türkei zurückkehren, wenn ihn unabhängige internationale Ermittler für schuldig befänden. Die Gülen-Organisation versteht sich als vom Islam inspirierte soziale Bürgerbewegung. Sie steuert ein internationales Netz von Bildungseinrichtungen.

Nach dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli warf Erdogan dem Westen und namentlich den USA vor, Terrorismus und Staatsstreiche zu unterstützen. Die Türkei forderte daraufhin mit noch größerem Nachdruck auf die Auslieferung Gülens, die die USA bisher aber verweigert. Das Verhältnis zwischen den USA und ihrem Nato-Partner ist deshalb sehr angespannt. Inwiefern sich die USA derzeit kooperativer zeigten, erklärte Ministerpräsident Yildirim nicht. Er kündigte laut türkischen Medien aber an, Vize-Präsident Biden werde am 24. August erwartet. Im Oktober sei zudem eine Visite von Außenminister John Kerry geplant.

Von: APA/dpa

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