Hunderttausende auf den Straßen von Barcelona

Über Hunderttausend Katalanen marschieren für Unabhängigkeit

Samstag, 11. September 2021 | 21:11 Uhr

Wenige Tage vor Gesprächen zwischen Spaniens Zentralregierung und der katalanischen Regionalregierung haben am Samstag Zehntausende in Barcelona für die Unabhängigkeit Kataloniens demonstriert. Nach Angaben der separatistischen Bürgerbewegung Katalanische Nationalversammlung (ANC), die wie jedes Jahr am katalanischen Nationalfeiertag Diada zu dem Marsch durch Barcelona aufgerufen hatte, beteiligten sich etwa 400.000 Menschen.

Die Polizei schätzte die Zahl hingegen nur auf 108.000, wie die Zeitung “La Vanguardia” berichtete. Das waren deutlich weniger als in den Jahren vor der Corona-Pandemie, als zum Teil mehr als eine Million Menschen teilnahmen.

Sprecher der Separatisten bekräftigen am Samstag ihre Forderung nach Selbstbestimmung. Sie wollen die Unabhängigkeit und Abspaltung ihrer Region von Spanien. Die Zentralregierung will höchstens mehr Autonomie zugestehen. Dass Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez einem Referendum über die Unabhängigkeit zustimmt, gilt als höchst unwahrscheinlich. Zudem erlaubt die spanische Verfassung eine solche Volksbefragung nicht. Die Bevölkerung Kataloniens ist gespalten. In etwa die Hälfte will Umfragen zufolge die Unabhängigkeit, die andere nicht.

ANC-Präsidentin Elisenda Paluzie rief am Tag der Diada (Feiertag) alle Separatisten zur Einigkeit auf. Diese sind aber über den Weg zur Unabhängigkeit zerstritten: Einige wollen den Zentralstaat bewegen, einem Referendum über die Unabhängigkeit zuzustimmen; andere halten dies für aussichtslos und wollen die Region im Nordosten des Landes notfalls auch gegen den Widerstand Madrids von Spanien abtrennen.

Die Diada wird jedes Jahr am 11. September begangen. Eher ungewöhnlich wird dabei eine Niederlage gefeiert: An diesem Tag wurde 1714 Barcelona von den Truppen des von Frankreich unterstützten spanischen Königs Philipp V. erobert, nachdem die Katalanen im Spanischen Erbfolgekrieg dessen habsburgischen Gegenspieler Karl, als römisch-deutscher Kaiser später Karl VI. (und Vater Maria Theresias), unterstützt hatten. Katalonien verlor damit seine Selbstverwaltung.

Am 1. Oktober 2017 hatten die Separatisten eigenmächtig ein Referendum organisiert. In der Folge wurde Katalonien zeitweise unter direkte Verwaltung der Zentrale gestellt. Der damalige Regionalregierungschef Carles Puigdemont und einige Mitstreiter flohen ins Ausland. Andere Separatisten wurden zu langer Haft verurteilt, im Juni allerdings begnadigt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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5 Kommentare auf "Über Hunderttausend Katalanen marschieren für Unabhängigkeit"


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Krabbe
Krabbe
Tratscher
6 Tage 6 h

Warum darf sich Spanien eigentlich eine Demokratie nennen, wenn demzufolge alle Macht vom Volk ausgeht, dieses aber seinen Willen nicht äußern darf?
Warum wird eine solche legale Forderung (Selbstbestimmungsrecht der Völker) nicht international unterstützt und die Wahl mit Beobachtern durchgeführt, um zu vermeiden, dass die Guardia civil mit Gummiknüppeln die Wahlbereitschaft niederhält.
Naja, wenn’s nicht gegen Russland oder um jederzeit im Ergebnis rückabwickelbare westliche Wahlen geht, ist alles gut.

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
6 Tage 2 h

Das Selbstbestimmungsrecht ist das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben steht. Kein Staat gibt freiwillig einen Teil seines Staatsgebietes frei.

eisern
eisern
Superredner
5 Tage 17 h

Spanien ist ja traditionell eher auf Expansion aus und wenn schon in Südamerika der Einfluss nicht mehr wie früher ist dann muss er auf der iberischen Halbinsel doch bleiben.

Karl
Karl
Universalgelehrter
5 Tage 6 h

Von Denen die es beim letzten Referendum trotz massiver  “Polizeibehinderung” ( um es mal milde auszudrücken)  bis  zur Wahlkabine geschafft haben haben  mit glatten 90% für die  Abspaltung von Spanien gestimmt.  Wie man aus diesen Zahlen  eine gespaltene  Bevölkerung herauslesen kann ist mir ein Rätsel. Die Reaktion Europas und Spaniens  war allerdings  alles andere als demokratisch. Einfach nur zum kotzen was aus das diesen Kontinent geworden ist. Auf  der ganzen Welt kümmert man  sich (vergeblich,  weil  man Außenpolitisch eine Null ist) um Demokratie und im eigenen  Kontinent  hapert es an allen Seiten. 

Zugspitze947
5 Tage 2 h

Tja und die STF brächte in Italo-Südtirol nicht mal 500 personen auf die Strasse……… also vergesst es 🙂 👌😝

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