Farage hat "seine Aufgabe erfüllt"

UKIP-Chef Nigel Farage tritt zurück

Montag, 04. Juli 2016 | 15:00 Uhr

Der Parteichef der EU-feindlichen Partei UKIP in Großbritannien, Nigel Farage, hat nach dem Brexit-Votum seinen Rücktritt angekündigt. “Ich habe meine Mission erfüllt”, sagte Farage am Montag in London an. Das Ziel seiner politischen Laufbahn sei es gewesen, Großbritannien aus der Europäischen Union zu lösen.

“Während der Brexit-Kampagne habe ich gesagt, ich will mein Land zurück. Heute sage ich, ich will mein Leben zurück”, sagte der Rechtspopulist weiter. Er werde die Partei aber weiter unterstützen und die Trennungs-Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und der EU mit Argusaugen beobachten. Nötig sei jetzt ein Premierminister, der für den Brexit einstehe und in der Frage der Personenfreizügigkeit hart bleibe.

“Ohne UKIP hätte es kein Referendum gegeben”, meinte der langjährige Europaabgeordnete Farage, der seit Jahrzehnten für den EU-Austritt Großbritanniens kämpft. Farages Rückzug ist die zweite große Überraschung nach dem Referendum. Erst vor wenigen Tagen hatte der frühere Londoner Bürgermeister Boris Johnson seinen Verzicht auf eine Kandidatur für das Amt des Premierministers angekündigt. Premier David Cameron, der für den Verbleib in der EU gekämpft hatte, kündigte nach dem Votum seinen Rücktritt für die nächsten Monate an.

Fünf Kandidaten hoffen auf die Nachfolge des scheidenden Premierministers an der Spitze der Konservativen und damit auch an der Regierungsspitze: Innenministerin Theresa May, Justizminister Michael Gove, Arbeitsminister Stephen Crabb sowie Ex-Verteidigungsminister Liam Fox und die Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom. Das Bewerberfeld wird ab Dienstag zunächst per Abstimmung der Tory-Abgeordneten nach und nach verkleinert. Über die verbleibenden zwei Kandidaten sollen dann die rund 150.000 Parteimitglieder per Briefwahl abstimmen.

Der Rücktritt Farages sorgte unter EU-Politikern für Empörung. Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn bezeichnete den Schritt als “sehr feige”. Auch der Fraktionsvorsitzende der EVP im EU-Parlament, der deutsche CSU-Politiker Manfred Weber, übte Kritik: “Farage sagt, dass er sein Leben zurück wolle. Er sollte lieber über das Leben all jener Briten nachdenken, die er von Europa abgeschnitten hat.” In das gleiche Horn stieß der EU-Delegationsleiter der ÖVP, Othmar Karas: “Die Zündler schleichen sich davon.”

Der 52-jährige Farage ist Mitglied der ersten Stunde der 1993 gegründeten UKIP und war seit 2006 mit kurzen Unterbrechungen Parteichef. Es ist nicht sein erster Rücktritt vom Parteivorsitz. Bereits zwischen 2009 und 2010 hatte er das Amt für einige Monate zurückgelegt. Auch 2015 wollte er den Chefposten quittieren, als er keinen Parlamentssitz bei den Wahlen im Vereinigten Königreich errang. Die Parteiführung nahm dies jedoch nicht an.

Von: apa