Der ukrainische Präsident will sein Land zurückerobern

Ukraine beklagt massive Zerstörungen im Donbass

Freitag, 20. Mai 2022 | 12:48 Uhr

Russland hat nach Angaben des ukrainischen Generalstabs seine Offensive in der ostukrainischen Donbass-Region verstärkt. Sie setzten Artillerie, Raketenwerfer und Flugzeuge ein, um die Verteidigungsanlagen rund um Donezk zu beschädigen, teilte der ukrainische Generalstab am Freitag mit. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer “Hölle”, es gebe russische Angriffe auch auf die südwestliche Region Odessa. “Der Donbass ist völlig zerstört”, sagte er in einer Videoansprache.

Bei russischem Beschuss in Luhansk, ebenfalls im Donbass, seien in den vergangenen 24 Stunden 13 Zivilisten getötet worden, teilte der ukrainische Gouverneur der Region, Serhij Gaidai, mit. Nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft wurden seit Beginn der russischen Invasion 232 Kinder getötet und 427 verwundet. Russland bestreitet die Berichte von ukrainischer und westlicher Seite, gezielt auch zivile Gebäude und Zivilisten ins Visier zu nehmen.

Die Ukraine werde ihre Unabhängigkeit verteidigen können, das benachbarte Russland werde aber immer eine Gefahr darstellen, erklärte Selenskyj. “Wir werden immer an Schutz denken. Und wir müssen verstehen, dass es keine bessere Sicherheit gibt als die Bereitschaft der Bürger, ihren eigenen Staat zu verteidigen”, sagte Selenskyj am Donnerstag in einer Online-Konferenz mit Studierenden und Hochschulleitungen.

Die ukrainische Gesellschaft habe ihre Widerstandsfähigkeit seit dem russischen Angriff vom 24. Februar bewiesen. Aber das Land brauche auch Sicherheitsgarantien von außen. Diese müssten als politisches Instrument gut durchdacht und auf Jahrzehnte angelegt sein. “Wir müssen verstehen, dass Russland immer da sein wird. Und vielleicht immer eine Bedrohung sein wird”, sagte der ukrainische Präsident.

Für die Ukraine bedeute der russische Angriffskrieg jeden Monat ein Budgetloch von etwa fünf Milliarden US-Dollar (4,8 Milliarden Euro). “Um im Krieg um die Freiheit bestehen zu können, brauchen wir schnelle und ausreichende finanzielle Unterstützung”, so Selenskyj. Die ausländischen Partner der Ukraine sollten Hilfen nicht als Ausgaben oder Geschenke sehen. “Das ist ihr Beitrag zu ihrer eigenen Sicherheit.” Die Ukraine schützt andere Länder vor dem Krieg. Gemeinsam müsse Sorge getragen werden, dass Russland mit seiner Aggression keinen Erfolg habe.

Seit Wochen versucht die Regierung in Moskau, mit massiver Artillerie- und Panzerunterstützung weitere Gebiete im Donbass zu erobern. Dort kontrollierten prorussische Separatisten bereits seit 2014 Teile der Gebiete Donezk und Luhansk. Russische Truppen waren aber auch in weitere Gebiete vorgedrungen und hatten eine Landverbindung zwischen der 2014 annektierten ukrainischen Halbinsel Krim und dem russischen Staatsgebiet erobert. Dabei spielte die südostukrainischen Hafenstadt Mariupol eine entscheidende Rolle.

Nach Einschätzung britischer Geheimdienste riskiert Moskau unterdessen nach den Gefechten in Mariupol eine weitere Zermürbung seiner Streitkräfte. Der ukrainische Widerstand in der Hafenstadt Mariupol seit Beginn des Krieges habe die russischen Truppen enorm geschwächt, hieß es am Freitag früh in einem Lagebericht des britischen Verteidigungsministeriums.

Der Wiederaufbau und die Neuausstattung der Streitkräfte könne sich, wenn man ihn sorgfältig durchführe, länger hinziehen, so die Briten. Da russische Kommandeure jedoch stark unter Druck stünden, sichtbare Erfolge zu erreichen, sei es wahrscheinlich, dass Moskau seine Truppen ohne angemessene Vorbereitung in seine Offensive in der Donbass-Region schicke. Dies riskiere, die Soldaten weiter zu zermürben.

Einem russischen Medienbericht zufolge haben sich inzwischen fast 2.000 ukrainische Soldaten aus dem Stahlwerk in Mariupol ergeben. Die Nachrichtenagentur Tass bezog sich auf Aussagen des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu.

Die russische Staatsduma erwägt unterdessen eine Heraufsetzung der Altersbegrenzung von Soldaten auf über 40 Jahre. Zudem sollen sich Ausländer auch im Alter von über 30 künftig zum Militärdienst melden können, wie aus einem Entwurf für das Parlament auf dessen Internetseite hervorgeht. Damit würde das Militär ältere professionelle Personen rekrutieren können, heißt es zur Begründung. Bisher durften sich Russen im Alter von 18 bis 40 und Ausländer von 18 bis 30 Jahren für das Militär melden.

US-Außenminister Antony Blinken appellierte unterdessen vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an Russland, die Blockade der ukrainischen Häfen zu beenden, damit Lebensmittel ausgeführt werden könnten. “Die Lebensmittelversorgung von Millionen von Ukrainern und Millionen weiterer Menschen auf der ganzen Welt ist buchstäblich in Geiselhaft genommen worden”, sagte er. Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew wies die Vorwürfe auf Telegram zurück und machte seinerseits die westlichen Sanktionen für die Probleme auf den internationalen Nahrungsmittelmärkten verantwortlich.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen von Reedern und Ölhändlern erhöht China unterdessen still und leise seine Ölkäufe aus Russland zu günstigen Preisen und füllt damit das Vakuum, das die westlichen Käufer hinterlassen haben. Diese ziehen sich nach dem Einmarsch in die Ukraine aus dem Geschäft mit Russland zurück. China hatte als weltgrößter Ölimporteur die russischen Lieferungen zunächst zurückgefahren, weil es befürchtete, Moskau offen zu unterstützen und seine staatlichen Ölgiganten möglicherweise westlichen Sanktionen auszusetzen.

Nach einer Schätzung von Vortexa Analytics werden Chinas russische Ölimporte auf dem Seeweg im Mai aber nun auf einen Rekordwert von 1,1 Millionen Barrel pro Tag ansteigen, gegenüber 750.000 im ersten Quartal und 800.000 im Jahr 2021. Die russische Regierung betont seit Tagen, dass die westlichen Energiesanktionen das Land nicht treffen würden, weil es genug andere Käufer auf der Welt gebe. In der EU wird derzeit über ein Ölembargo gegen Russland diskutiert.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

16 Kommentare auf "Ukraine beklagt massive Zerstörungen im Donbass"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
brunner
brunner
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Zurückerobern? Bei allem Verständnis….Russland wird niemals die Krim oder die 2 Randgebiete im Osten des Landes mit überwiegend russischer Bevölkerung zurückgeben…will man diesen Krieg beenden muss man einen Kompromiss finden mit dem auch Russland leben kann….die USA poltern grosse Sprüche gegen einen Kompromiss….alles oder nichts ist der falsche Weg…..denn dann ist ein atomarer Schlag vorprogrammiert…

Zugspitze947
1 Monat 13 Tage

brunner : Wetten dass DAS gelingen kann ? Die Brücke zwischen Krim und Russland wird bald gesprengt und dann ist CHLUß mit lustig für den Verbrecherzar 🙁

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 13 Tage
@Brunner: bei allem Fehlverhalten der USA in den letzten Jahrzehnten kann man nicht immer schon mal vorbeugend diesen die Schuld an allen kriegerischen Auseinandersetzungen geben. Dieses Narrativ spielt nur Putin in die Hände. Es ist und bleibt ein brutaler, durch nichts zu rechtfertigender Angriffskrieg, und zwar der schwerwiegende in Europa seit dem 2.Weltkrieg und wohl auch einer der brutalsten seit Vietnam. Ein Kompromiss darf Aggression nicht legitimieren, auf beiden Seiten nicht! Könnte mir für den Donbas eine starke Autonomie als gute Lösung für die dortige Bevölkerung vorstellen. Krim gehört eigentlich weder der Ukraine noch Russland, sondern den vertriebenen Krim Tataren.… Weiterlesen »
Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 13 Tage

Ähm,
dazu hätte ich eine Frage: Wie soll denn der Kompromiss aussehen? Welchen Teil Südtirols, oder Italiens würden Sie denn als Kompromiss an Russland abtreten?

aschpele
aschpele
Tratscher
1 Monat 13 Tage

@Selbstbewertung
Deine Tunnelblick möchte ich nicht haben. Wer hat denn 2014 mit dem Putsch den Konflikt in der Ukraine dramatisch eskaliert? Generell scheint dein Wissen der Zeitgeschichte miserabel zu sein. Hindert dich aber nicht daran hier immer deine ‘Schilderungen zum Besten zu geben.

Und wieso gab es seit 2014 für den Osten statt Autonomievorschlägen nur Bomben und Granaten? Hätte die EU nicht damals auf Kiev Einfluss und Druck ausüben können? Jetzt ist es reichlich spät mit solchen Alibi-Vorschlägen.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 13 Tage
@aschpele: Putsch 2014??? Das ist genau die Sprache des Kremels. Im Frühling 2014 wurde Janukovic vom ukrainischen Parlament abgesetzt, nachdem zuvor auf Druck von Moskau ein lange verhandelter Vertrag mit der Ukraine nicht mehr unterschrieben wurde. Das steht jedem Land zu! Es folgten Neuwahlen, die allemal und ohne Zweifel wesentlich demokratischer waren als jede bisherige Wahl in Russland! Das sieht man auch an der bunten Parteienlandschaft in den Ergebnissen. 2018 erfolgten wiederum freie Wahlen, zumindest in jenen Gebieten, die nicht besetzt waren. Den Rest kennen wir. Ein Putsch hat in der Krim 2014 mit den nicht identifizierbaren Soldaten, wobei Putin… Weiterlesen »
Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 12 Tage
@Aschpele: die zitierten Links zeigen dass eine große Mehrheit des Parlaments (72,89%) für die Entlassung des Präsidenten waren, dass Militär, Innenministerium und Geheimdienst defakto nicht mehr unter seiner Kontrolle waren, der Präsident ins Ausland geflohen ist und damit zumindest völkerrechtlich eine Entmachtung legitim ist. Janukovic wurde zudem wegen des Schwenkes hin zu Russland von seiner eigenen Partei ausgeschlossen. So steht es auch in dem von dir zitierten link! Wie sollte er unter solchen Umständen weiter die Ukraine regieren, nur weil Russland es so will? Meines Erachtens würde genau das eher noch einem Putsch entsprechen. Zudem erfolgten schon wenige Monate später… Weiterlesen »
Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 12 Tage

@Oschpele: bezüglich Wahlen 2019: es gab nicht nur die beiden von dir zitierten Kandidaten, sondern im ersten Durchgang waren es 39, darunter auch prorussische. Gab es je vergleichbare Wahlen in Russland, wie fair war die Abstimmung in den russisch besetzten Gebieten, gab es dort auch einen offenen Wahlkampf mit TV Diskussionen, Werbeplakaten wie in der Ukraine?

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Hut ab vourn Selenskyj deis isch a zacher Hund 💪🏽💪🏽

Sumsi
Sumsi
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Wieso? Er sitzt im “Sicheren” und gibt nur Befehle… die Harten kämpfen an der Front… jeder Soldat ist tapferer als er

XBU_CobraElite
XBU_CobraElite
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

Ja ein kleiner schwuler Giftzwerg der meint Russland besiegen zu können 🤣

Zugspitze947
1 Monat 13 Tage

Haha der Kriegsverbrecher PUTIN lügt wenn er das M..l aufmacht. denn das Öl gibt es im Westen des Landes und KENE PIPELINE in den Osten ans Meer zum Verkuf an andere Länder ! Ausserdem China zahlt nur ein DRITTEL s Preises vom Westen !😡👌😝

aschpele
aschpele
Tratscher
1 Monat 13 Tage

@Zug
Glaubst du, Öl wird nur per Pipeline transportiert?

Sigo70
Sigo70
Superredner
1 Monat 13 Tage

Was war es dann die letzten 8 Jahre?

2x nachgedacht
2x nachgedacht
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

selensky spricht von hölle… also gibs in tuifl… nichtsdestotrotz bleibt die gretchenfrage nach dem *diablo*

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
1 Monat 12 Tage

Liefert Waffen,viel mehr noch damit die Zerstörung aufhört.
Statt Diplomatie kämpfen bis zum letzten Blutstropfen und den vollen Kassen der Mordindustrie.
Nach dem Kampf kommt eben diese und kann für ein Butterbrot das Land übernehmen.

wpDiscuz