Londond zieht nach - Minister Wallace und sein US-Kollege Austin

Ukraine bekommt auch britische Mehrfachraketenwerfer

Montag, 06. Juni 2022 | 16:08 Uhr

Großbritannien will der Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression erstmals Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite liefern. Die britische Regierung gab an, mehrere Raketensysteme des Typs M270 mit bis zu 80 Kilometer Reichweite in das Land zu schicken. Nach BBC-Informationen sollen es zunächst drei sein. “So wie Russlands Taktik sich verändert, so muss sich auch unsere Unterstützung verändern”, erklärte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace am Montag.

Die hochpräzisen Waffen würden es der Ukraine ermöglichen, sich besser gegen die brutalen Angriffe Russlands zu wehren, die mit ihrer Langstreckenartillerie Städte dem Erdboden gleichmachten. “Wenn die internationale Gemeinschaft weiter unterstützt, glaube ich daran, dass die Ukraine gewinnen kann”, sagte Wallace.

Ukrainische Truppen sollen demnach in Großbritannien an den Waffen ausgebildet werden. Die Lieferung sei eng mit den USA abgestimmt, die kürzlich bereits die Lieferung von Waffen mit hoher Reichweite angekündigt hatten. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte gedroht, in diesem Fall weitere Ziele in der Ukraine anzugreifen. Sein Außenminister Sergej Lawrow sagte am Montag auf einer Pressekonferenz in Moskau: “Je größer die Reichweite der gelieferten Systeme ist, desto weiter werden wir die Nazis (gemeint ist die ukrainische Regierung und ihre Truppen, Anm.) von der Linie entfernen, von der aus die russischsprachigen Länder und die Russische Föderation bedroht werden könnten.”

Die russischen Truppen rücken unterdessen nach britischen Angaben auf die Stadt Slowiansk in der Region Donezk vor. Zudem gingen die schweren Kämpfe in Sjewjerodonezk in der Nachbarregion Luhansk weiter, teilt das Verteidigungsministerium per Twitter aus einem aktuellen Geheimdienstbericht mit. Bei dem russischen Raketenangriff auf Kiew am Sonntagmorgen sei Infrastruktur der Eisenbahn getroffen worden. Nach russischen Angaben wurden dabei unter anderem Panzer zerstört.

In Sjewjerodonezk hat sich die Lage für die ukrainische Seite nach Angaben des Gouverneurs von Luhansk verschlechtert. Es gebe intensive Straßenkämpfe, sagt Serhij Gajdaj dem staatlichen Fernsehen. “Die Kämpfe verlaufen ziemlich dynamisch.” Nach der Zurückeroberung von etwa der Hälfte der Stadt hätten sich die ukrainischen Einheiten wieder ins Industriegebiet zurückziehen müssen. Dort hielten ukrainische Soldaten jedoch Stellungen. “Sie haben eine Taktik: einfach alles dem Erdboden gleich machen, damit nichts übrig bleibt, um sich festzusetzen”, beschrieb Gajdaj (Hajdaj/Gaidai) das Vorgehen der russischen Truppen.

Laut dem Bürgermeister von Sjewjerodonezk wurden jedoch genug Truppen dort angesammelt, um russische Angriffe zurückzuschlagen. Die Straßenkämpfe dauerten an, beide Seiten seien nicht willens, sich zurückzuziehen, sagt Olexander Strjuk im ukrainischen Fernsehen. Russland setze alles daran, Sjewjerodonezk einzunehmen, sagt ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums. Es werde dazu weder an Soldaten noch an Gerät gespart. In Sjewjerodonezk sollen noch etwa 15.000 Zivilisten ausharren.

In der Nacht war bekannt geworden, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj im benachbarten Lyssytschansk persönlich Orden an Soldaten verliehen habe. Laut Selenskyj ist Russland zahlenmäßig in Sjewjerodonezk in der Überzahl. Die Ukraine habe aber die Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen, sagte er am Montag bei einer Pressekonferenz in Kiew. Sollte Russland im Donbass einen Durchstoß erzielen, werde es schwer für die Ukraine. Vom Donbass aus könne Russland strategische industrielle Ziele in der Zentral-Ukraine angreifen.

Im Luhansker Gebiet stehen dem ukrainischen Militär zufolge etwa ein Dutzend Ortschaften unter schwerem Beschuss durch Artillerie und Mörser. Der ukrainische Generalstab berichtete zudem über schwere Kämpfe im Donezker Gebiet um Swjatohirsk. Bei der Stadt Bachmut seien Luftangriffe geflogen worden.

An der belarussisch-ukrainischen Grenze hat Moskau dem Bericht nach zudem Truppen mit Iskander-Raketen stationiert. Die Iskander-Rakete mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern kann mit atomaren und konventionellen Sprengköpfen bestückt werden. Am Sonntag wurde erstmals seit Ende April wieder Kiew zum Ziel russischer Raketenangriffe. Tote gab es nicht. Die UNO hat allerdings bisher landesweit mehr als 4100 getötete Zivilisten registriert und geht sogar noch von weitaus höheren zivilen Opferzahlen aus.

Die nahe an der Grenze zur Ukraine gelegene Ortschaft Tjotkino in der Region Kursk im Westen Russlands ist nach Behördenangaben erneut beschossen worden. “Tote und Verletzte hat es nicht gegeben”, teilte Gouverneur Roman Starowoit am Montag auf seinem Account im sozialen Netzwerk vkontakte mit. Seinen Angaben nach wurde vor allem eine Brücke im Ort beschossen. Getroffen habe es aber auch ein Wohnhaus und die lokale Zuckerfabrik. Ein Auto brannte aus. Den Bildern nach zu urteilen, wurde eine Eisenbahnbrücke durch die Einschläge zerstört. Das russische Militär nutzt die Eisenbahn in den Grenzregionen für den Nachschub der eigenen Truppen in der Ukraine.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tjotkino unter Beschuss geraten ist. Mitte Mai kam ein Zivilist bei einem solchen Angriff ums Leben. Die russische Führung, die den Angriffskrieg gegen die Ukraine selbst am 24. Februar begonnen hat, beklagt seit Wochen immer wieder ukrainische Angriffe auf das eigene Staatsgebiet.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

36 Kommentare auf "Ukraine bekommt auch britische Mehrfachraketenwerfer"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Calimero
Calimero
Universalgelehrter
19 Tage 23 h

Die Handlanger der USA scheinen mit aller Macht den Krieg in der Ukraine zur Eskalation bringen zu wollen.

Neumi
Neumi
Kinig
19 Tage 23 h

Es wäre so einfach: Russland hört auf, zieht sich zurück. Problem gelöst.

Philingus
Philingus
Tratscher
19 Tage 23 h

Hör mal Caliboy – so als Putin-Versteher: was ist denn so ihre Meinung zu den Kriegsverbrechen der Soldateska ihres Führers Putin: die Folterungen, Morde, Plünderungen, Vergewaltigungen, usw. an einer friedlichen ukrainischen Bevölkerung? Na? Denselben abgrundtiefen Charakterzug wir ihr Crétin Putin? Wie fühlt man sich den so, wenn man nur die Darmlüftchen seines Führers im Kreml öffentlich kundtun muss? So, als einzige Aufgabe im Leben?

Philingus
Philingus
Tratscher
19 Tage 22 h

@Neumi : Meine vollste Zustimmung.

InFlames
InFlames
Tratscher
19 Tage 22 h

@calimero
Du bist das Paradebeispiel, warum das eigentliche Problem nicht Putin’s “Befreiungskrieg” sondern die Geisteshaltung (oder besser der Geisteszustand) manch Internet-Rambos ist. Der Nachteil des Internets ist eben, dass jeder Clown seinen geistigen Dünnpfiff in Umlauf bringen darf und sich dann auch noch grossartig fühlen darf!!!!

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
19 Tage 22 h

@ Neumi

Ohne ein paar territoriale Zugeständnisse an Russland und das Versprechen der Ukraine dem NATO Bündnis nicht beizutreten wird es wohl nicht gehen, aber mir scheint das hinauszögern des Krieges ist vom Westen gewollt, denn am Ende zählen nur die Machtinteressen und das auf dem Rücken der Ukrainischen Bevölkerung.

Sun
Sun
Universalgelehrter
19 Tage 22 h

Ist es Zufall, dass ein grossteil der Putinversteher hier im Forum in Coronazeiten nach mehr Demokratie schrien?

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
19 Tage 21 h

@Calimero… ich hoffe der Kommentar ist sarkastisch gemeint, denn man kann doch einem Volk die Freiheit und das Recht auf Leben absprechen? Die Russen bonbardieren die Ukraine, bringen Tod und Zerstörung und wir sollten nur zusehen? Vonwegen Handlanger der USA, wenn man die Ukraine unterstützt, sich zu verteidigen?

Sigo70
Sigo70
Superredner
19 Tage 20 h

@Neumi was ist dann gelöst? Ist dir bewusst was dann mit der Bevölkerung im Osten passiert?

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
19 Tage 19 h
@Neumi: Dem ersten Satz stimme ich zu. Solange russische Soldaten auf ukrainischen Boden stehen und Bomben auf ukrainische Städte fallen, hat die Ukraine als souveräner Staat jedes Recht dieser Welt, sich zu verteidigen. Und das umso mehr auf ukrainischem Territorium. Russland dürfte sich auch gar nicht beklagen, wenn im Gegenzug die Ukraine Bomben auf russische Städte, z.B. Moskau oder St. Petersburg abwerfen würde (was sie nicht tut). Glaube aber nicht, das das Problem mit dem Abzug russischer Truppen aus der Ukraine gelöst wäre. Dazu bedarf es auch einer Lösung, die den Menschen um Donbass und auf der Krim gerecht wird.… Weiterlesen »
Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 18 h

Calimero exakt beschrieben.Seh ich genauso.

widder52
widder52
Tratscher
19 Tage 17 h

Calimero
putinfreund?
wenn dein nachbar zu dir in die wohnung eindringt und alles zusammen schlägt, und behaubtet jetzt gehörts ihm oder zumindest dein wohnzimmer! was würdest du sagen oder jehnen bezeichnen der dir hilfe anbietet? auch handlanger?
bitte gehirn einschalten!

sarnarle
sarnarle
Superredner
19 Tage 15 h

@widder52 Zum Kriegführen gehören immer 2. So mir nichts dir nichts fängt nicht mal Putin, ja nicht mal die USA einen Krieg an.

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 14 h

@InFlames Ihr akzeptiert nur Eure Meinung.Alles Andere ist D…sch…

Sara Lea
Sara Lea
Grünschnabel
19 Tage 14 h

@Sigo70, die russischsprachige Bevölkerung, die zu Russland gehören wollen, dürfen gern heim ins russsiche Reich gehen, es hält sie keiner auf.
Der Donbass und Krim gehören zur souveränen Ukraine. Basta. 🇺🇦🇺🇲🇪🇺

Sigo70
Sigo70
Superredner
19 Tage 12 h

@Sara Lea das nennt man dann ethnische Säuberung. Wo sind wir nur gelandet🙄

Philingus
Philingus
Tratscher
19 Tage 4 h

@Sun Das ist kein Zufall. Interessanterweise rekrutieren sich vielfach aus diesem Pool die Putin-Freunde, obwohl doch der Crétin im Kreml von „Entnazifizierung“ faselt. So schließt sich der Kreis. Gemeinsam ist ihnen die Zerstörung aller Freiheit und Selbstständigkeit des Individuums, damit es einem faschistischen System und seiner Oligarchenclique dienen kann.

tom
tom
Universalgelehrter
19 Tage 3 h

schon wieder ein Putin-Troll

tom
tom
Universalgelehrter
19 Tage 3 h

@widder52 bitte was einschalten

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
19 Tage 23 h

Die Ukraine muss sich wehren können gegen den Verbrecherstaat Russland.

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 18 h

Tigre de….die Ukraine soll Sich nicht gegen Russland wehren.Sind doch dassselbe Volk.

Doolin
Doolin
Kinig
19 Tage 18 h

@Sag mal
…die können sich also glücklich schätzen, dass sie nicht von einem fremden Volk vergewaltigt, gefoltert und ermordet werden…

Dagobert
Dagobert
Kinig
19 Tage 17 h

@Sag mal
Sel solltest du den Russen beibringen!

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
19 Tage 23 h

Danke Großbritannien !
Irgendwie muß sich der Rest der Ukraine ja verteidigen können, Rußland hat schon über 20% eingenommen.
Hoffentlich kommen die Waffenlieferungen noch rechtzeitig, auch jene anderer Länder.

Sun
Sun
Universalgelehrter
19 Tage 22 h

Ich befürchte leider , dass die Ukraine keine Chance gegen den imperialistischen, antidemokratischen Ex KGB Trot…. hat. Immerhin hat der die letzten 15 Jahre, dank seines erfolgreichen seinen Energiehandels stets aufgerüstet.

tom
tom
Universalgelehrter
19 Tage 3 h

@Sun mit Quantität statt Qualität
https://youtu.be/Hp-fCtSNvWA

Zugspitze947
20 Tage 31 Min

Sehr gute Entscheidung !  Die Ukraine muss endlich in die Lage versetzt werden ihre Städte zu Schützen und diesen Vernischtungsterror gegen ziviele Infrastruktur zu bekämpfen 🙂

Sigo70
Sigo70
Superredner
19 Tage 20 h

Wenn die ukrainische Armee Raketen auf zivile Ziele im Osten schießt, ist das dann auch ein Vernichtungsterror? Diese Waffenlieferungen werden bewirken, dass Russland vermehrt wieder westliche Gebiete der Ukraine ins Visier nehmen wird. Was soll daran gut sein? Die Bevölkerung kann jedenfalls kein Interesse daran haben.

Dagobert
Dagobert
Kinig
19 Tage 23 h

Jawoll 👍 umme mit den Geräten!

Sag mal
Sag mal
Kinig
19 Tage 18 h

Dagobert und damit Alle mit in den Krieg ziehen. Zahlen bereits viel zu viel.

Galantis
Galantis
Superredner
19 Tage 22 h

..das sind wirklich gute Nachrichten!

paul panzer
paul panzer
Neuling
19 Tage 17 h

ja aber für wenn?🤔

Savonarola
19 Tage 18 h

jetzt, wo die USA und GB liefern, werden die Deutschen schnell nachlaufen. Ach ja, sie haben ja nichts ausser Sandkastenschaufeln, weil die CDU-Merkel-Partei mit ihren Superstars von und zu Guttemberg, von der Leyen und Krampf-Karrenbauer die Bundeswehr heruntergewirtschaftet und in kurioser Sinnesgemeinschaft mit KPD, Linke, SPD und Grünen den deutschen Wehrwillen desintegriert haben.

sarnarle
sarnarle
Superredner
19 Tage 15 h

Ja immer mehr und immer schärfere Waffen für den Frieden. Putin wird darauf sicher reagieren.

gamer6401
gamer6401
Grünschnabel
19 Tage 14 h

Fehlt nur noch eine Lieferung Atombomben….

Savonarola
19 Tage 9 h

wer zieht nach?? 🤣

wpDiscuz